Umbau: So verdienen digital agierende Medienkonzerne

27.März 2019

Medienkonzerne verdienen heute nicht mehr mit Fernsehen, Magazinen oder Büchern. Die deutsche Bertelsmann-Gruppe holt sich ihre Gewinne aus dem verschwiegenen Geschäft mit Logistik, Finanzdiensten und IT-Services für Unternehmen.

Die Dienstleistungstochter Arvato legte im vergangenen Jahr deutlich stärker zu als die europäische Fernsehgruppe RTL und der weltgrößte Buchverlag Penguin Random House, die traditionell die Hauptstützen des Medienkonzerns sind.

Michelle Obama treibt Buchumsätze

Penguin Random House kommt derzeit aber der große Appetit der Leser auf die Memoiren der früheren US-Präsidentengattin Michelle Obama zugute. Das Buch zählt mit bisher zehn Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Titeln der vergangenen Jahre. „Das war unser größter Kreativ-Erfolg im vergangenen Jahr“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe am Dienstag in Berlin. Der Konzern hofft nun auf einen ähnlichen Erfolg der Memoiren des Ex-Präsidenten Barack Obama, die in Vorbereitung sind und möglicherweise noch im laufenden Jahr erscheinen sollen.

Gewinnsteigerung von 4,5 Prozent

Insgesamt legten die Konzernerlöse im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro zu. Der Betriebsgewinn stieg ohne Sondereffekte um 4,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung von Sondereffekten, etwa Erlösen aus einem Immobilienverkauf im Vergleichsjahr 2017, schrumpfte der Betriebsgewinn um knapp zwei Prozent. Der Überschuss ging um acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück.

Profit mit Logistik und Finanzdienstleistung

Mit Blick auf die Dienstleistungstochter Arvato erklärte Bertelsmann-Chef Rabe: „Wir können uns im Moment vor Aufträgen nicht retten.“ Arvatos rund 30.000 Mitarbeiter  entwickeln und realisieren Software-Lösungen in fast 30 Ländern für Geschäftskunden aus aller Welt. Dabei geht es um Supply-Chain-Management-Lösungen, Finanzdienstleistungen sowie IT-Services. Die Bereiche boomen: Das Logistikgeschäft mit Großkunden wie Microsoft sowie Firmen der Gesundheits- und der Modebranche entwickle sich außerordentlich gut. „Wir haben eher das Problem, Mitarbeiter zu finden.“ Auch das Geschäft mit Call-Centern, das Bertelsmann seit dem Jahreswechsel mit einem Partner betreibt, sei gewachsen.

RTL macht 6,5 Mrd. Euro Umsatz

Arvato steigerte den Umsatz um sieben Prozent auf 4,1 Mrd. Euro und steuerte damit ein knappes Viertel der Konzernerlöse bei. Der Betriebsgewinn der Tochter kletterte um 18 Prozent auf 377 Millionen Euro. RTL hatte seine Jahresbilanz bereits Mitte März vorgelegt und von einem Umsatzanstieg auf 6,5 Milliarden Euro berichtet. Die Verlagstochter Penguin Random House legte beim Umsatz um zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu.

Druckereien mit Problemen

Eine Belastung bleibt das Druckereigeschäft. Während sich die Offset-Druckereien auch dank der Aufträge von Penguin Random House positiv entwickelten, kämpfen die auf Kataloge spezialisierten Tiefdruck-Standorte mit anhaltendem Auftragsschwund. Bertelsmann erwäge die Schließung von einem seiner drei verbliebenen Tiefdruck-Standorte in Deutschland, sagte Rabe. „Das wird in den kommenden Wochen entschieden.“ (APA)