Vertreterpauschale: Warum das Kilometergeld höhere Steuern bedeutet

07.Februar 2019

Unselbständige Vertreter werden von 2018 an mehr Steuern bezahlen. Aufgrund eines VfGH-Erkenntnisses werden Ausnahmen in der Berechnung der Werbungskostenpauschale aufgehoben. Dadurch verringert sich der fünfprozentige Pauschalbetrag, wie Hübner & Hübner in ihrem Newsletter ausführen. 

Bislang wurde der Werbungskostenpauschalbetrag von angestellten Vertretern nicht durch Kostenerstattungen gekürzt, die der Arbeitgeber steuerfrei ausbezahlt hat (z.B. Kilometergeld, Tages- und Nächtigungsgelder).  Daraufhin hat das Bundesfinanzgericht beim Verfassungsgerichtshof den Antrag gestellt, die Bevorzugung von Vertretern aufzuheben. Auf Grund dieser Regelung waren bisher die Vertreter die einzige Berufsgruppe, die die erweiterte Vertreterpauschale bei der Arbeitnehmerveranlagung beantragen konnten und diese nicht durch die vom Dienstgeber bezahlten Reiseaufwendungen gekürzt wurde.

Das gilt weiterhin

Darum geht es: Der Gesetzgeber sieht bei Werbungskosten für bestimmte Berufsgruppen einen höheren Werbungskostenpauschalbetrag als 132 Euro vor (Normalsatz für Werbungskosten). Bei Vertretern beträgt dieser unverändert fünf Prozent der Bemessungsgrundlage, höchstens jedoch 2.190 Euro. Die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Pauschalbeträge berechnet sich folgendermaßen:

  • Bruttobezüge
  • abzüglich der steuerfreien Bezüge und
  • abzüglich der sonstigen Bezüge (= Urlaubszuschuss, Weihnachtsremuneration, Zielerreichungsprämien, Bilanzprämie etc.), soweit diese begünstigt besteuert werden,
  • und seit der Veranlagung 2018 auch abzüglich Kilometergeld und anderer Reisekosten, die vom Arbeitgeber refundiert worden waren.

Durch die Verkürzung der Bemessungsgrundlage verringert sich auch der 5prozentige Werbekostenanteil, der bislang von der Lohnsteuerbemessungsgrundlage in Abzug gebracht werden durfte.

Das ist die Vertreterpauschale

Vertreterpauschale sind pauschalierte Werbungskosten. Die Pauschale wird bei der Einkommensteuerveranlagung berücksichtigt. Sie verringert die Lohnsteuerbemessungsgrundlage und wirkt dadurch steuermindernd. Damit der Arbeitnehmer die Vertreterpauschale geltend machen kann, muss er seinem Wohnsitzfinanzamt eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bestätigung vorlegen. Darin hat der Arbeitgeber zu bestätigen, dass der Arbeitnehmer die Voraussetzungen für die Vertreterpauschale erfüllt.

Wann gibt es eine Bestätigung?

  • Der Arbeitnehmer übt ausschließlich eine Vertretertätigkeit aus und hat keine weiteren Aufgaben im Unternehmen (z.B. Geschäftsführung).
  • Der Arbeitnehmer verbringt mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im Außen­dienst zum Zweck der Tätigkeit der Anbahnung und des Abschlusses von Geschäften.
  •  Vorrangiges Ziel der Vertretertätigkeit ist die Akquisition von Aufträgen.
  • Es dürfen nur Innendiensttätigkeiten (im untergeordneten Ausmaß) vorliegen, die für die konkrete Außendiensttätigkeit notwendig sind (wie bspw. Kundenabrechnungen durchführen, Angebote bzw. Reisekosten-Aufzeichnungen erstellen etc.

Nur wenn alle Voraussetzungen vorliegen, können Arbeitgeber eine Bestätigung für die Vertreterpauschale ausstellen.

 

Mehr zum Thema

Hübner & Hübner