Sportartikelhandel: Warum der Wetterbericht so wichtig ist

28.Januar 2019

Für den heimischen Sportartikelhandel naht mit den Semesterferien ein weiterer Höhepunkt. Die enormen Schneemassen zu Jahresbeginn haben die Verkaufszahlen zwar etwas eingetrübt, mittlerweile sei die Lage aber wieder deutlich positiv, so Sport-2000-Chef Holger Schwarting. Die restliche Wintersaison bis Ende März werde gut laufen.

Das Wetter habe vor allem im Osten die Lust auf Wintersport geweckt und den Verkauf von Eislaufschuhen, Schlitten und Co angekurbelt. Auch Tourenski zählen weiterhin zu den Verkaufsschlagern, sagte Schwarting. Ab Frühling soll der Boom bei E-Bikes weitergehen, da sei die Nachfrage größer als die Kapazitäten der Hersteller.

Druck der Diskonter

Druck auf die Margen kommt weiterhin von Diskontern und dem Internethandel. Trotzdem seien die Sport-2000-Händler heute wesentlich besser aufgestellt als vor zehn Jahren, so Schwarting.

Kein Onlineshop geplant

Die Onlinepräsenz soll zwar ausgebaut werden, einen herkömmlichen Internetshop werde es aber nicht geben. Bis Jahresende sollen Kunden in den Geschäften aus dem „digitalen Ladentisch“ wählen können oder Artikel online vorreservieren und dann in der Filiale abholen. Kunden binden will Sport 2000 auch mit mehr Veranstaltungen und einer stärkeren Präsenz in sozialen Medien. „Wir leben von Stammkunden.“

Spezialisierung der Geschäfte

„Das Thema Polarisierung geht weiter“, meinte Schwarting. Mehr Spezialisten soll es etwa im Rad- und Laufbereich geben. Wachsen soll bis zur nächsten Saison auch die Zahl der Skisport- und Outdoorprofis. In Bezug auf Qualität und Beratung gehe es auch darum, geeignetes Personal zu finden und die Branche „attraktiver für junge Menschen“ zu machen. Das Schweizer Pendant lockt übrigens mit überdurchschnittlichen Gehältern, erzählt der Chef der oberösterreichische Einkaufsorganisation.

China kommt

Wegen der 2022 anstehenden Winter-Olympiade in China rechnet Schwarting damit, dass einige chinesische Firmen ihre Fühler nach Europa ausstrecken werden. „Da wird die nächsten Jahre was beginnen.“ Zuletzt landete etwa der finnische Atomic-Eigentümer Amer Sports in chinesischer Hand, so Schwarting.

Schnellerer Sortiment-Wechsel

Generell wünscht sich Schwarting vom Sportartikelhandel mehr Geschwindigkeit. Während Modeketten ihr Sortiment fast wöchentlich wechseln, würden die Sporthersteller hinterher hinken. „Der Konsument ist getrieben von Neuheiten“, meint Schwarting, der öfter Innovationen in die Geschäfte bringen will. Trotzdem werde auch Nachhaltigkeit ein Thema. Wenn die Großen wie Adidas und Nike anfangen, ziehen andere nach, so Schwarting. Die Fachhändlergemeinschaft verzeichnet 235 Händler mit 370 Geschäften.

Branchenumsatz stagniert

Der Sportartikelhandel kämpft mit stagnierenden Umsatzzahlen. Die Verkäufe verharren in Österreich seit einigen Jahren bei 1,7 Mrd. Euro pro Jahr. Dazu kommen um die 700 Mio. Euro, die branchenfremde Unternehmen wie Tchibo, Hofer oder Lidl mit Sportartikeln umsetzen. Rund ein Fünftel davon wird mittlerweile online eingekauft.

Konkurrenz wächst

Im Vorjahr betrat der französische Sportartikel-Diskonter Decathlon das Spielfeld der heimischen Händler, 2017 kam die norwegische Kette XXL nach Österreich. Expansion stehe auch bei Intersport und Hervis auf der Agenda, so Schwarting. (APA)