Stabiles Wachstum: Wo die Probleme von Handwerk und Gewerbe liegen

18.Januar 2019

Die österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe entwickeln sich solide. Nominell wuchs der Sektor im Vorjahr (1. bis 3. Quartal) um 1,1 Prozent. Wichtigste Herausforderungen für Handwerk und Gewerbe sind die Digitalisierung und der Facharbeitermangel.

Hochgerechnet aufs Gesamtjahr gab es 2018 einen Umsatz in der Sparte von 93 Mrd. Euro. Die Obfrau der Bundessparte Handwerk und Gewerbe in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Renate Scheichelbauer-Schuster, hat bei einer Pressekonferenz vor allem die Bedeutung der Digitalisierung betont. Es handle sich um das Zukunftsthema für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) schlechthin. „Unsere Unternehmen müssen dabei stetig am Ball leiben. Für die Implementierung der neuen Technologien und Prozesse ist noch eine starke Unterstützung nötig.“

230.000 Betriebe

Nominell liegt der Zuwachs in der branche laut KMU Austria bei 1,1 Prozent. In absoluten Zahlen konnten die Sparte Gewerbe und Handwerk in den ersten drei Quartalen 2018 ein Umsatzplus von 1 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr erzielen. In knapp 230.000 Unternehmen beschäftigen die Branche rund 760.000 Fachkräfte und rund 45.800 Lehrlinge. Das sind um 2,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei den Lehrlingen im ersten Lehrjahr wuchs die Zahl der Lehrlinge um 5,8 Prozent auf 14.000 angehende Fachkräfte.

Christina Enichlmair, die für die KMU Forschung die Konjunktur von Handwerk und Gewerbe analysiert, skizzierte im Rahmen der Pressekonferenz, dass auch im vierten Quartal 2018 die Betriebe die Geschäftslage positiv beurteilen: 27 Prozent der Betriebe bewerten die Geschäftslage mit “gut“, 61 Prozent mit “saisonüblich“ und 12 Prozent der Betriebe mit “schlecht“. Das Stimmungsbarometer ist somit auf dem gleichen hohen Niveau wie im Vorjahr (4. Quartal 2017). Gegenüber dem 4. Quartal 2016 ist die Geschäftslage nach wie vor als sehr gut einzustufen

Kammer will weitere Digital-Initiativen

Scheichelbauer-Schuster forderte die Fortführung der Initiative „KMU digital“ durch die Bundesregierung, die mit 7 Mio. Euro dotiert war. Diese ist de facto ausgelaufen, brauche aber eine Fortsetzung. Dabei sei nicht der Titel, aber der Inhalt wichtig, erläuterte Fachverbandsgeschäftsführer Reinhard Kainz: Einerseits solle die online mögliche Digital-Standortbestimmung für KMU mit folgender Fachberatung an Ort und Stelle aufrechterhalten bleiben. Andererseits sollten diese Maßnahmen nun ergänzt werden durch ein Innovations- und Trendmanagement.

Höhere Dotierung wünschenswert

Es gehe unter Einbeziehung der Außenwirtschaft der WKÖ in besonders digital-affinen Weltregionen um das Festmachen von Trends in einzelnen Branchen, die besonders wichtig und erfolgsversprechend seien, so Kainz. Nach Feststellung dieser Trends sollen konkrete Infos darüber nach Österreich zurückgebracht werden um sie beratend in den KMU zu implementieren. „Um ein solches Paket zu schnüren, laufen Gespräche mit dem Digitalisierungsministerium (Wirtschaftsministerium bzw. Digitalisierungsagentur des Ministeriums, Anm.)“, sagte Kainz. Eine höhere Dotierung als zuletzt bezeichneten die WKÖ-Vertreter als wünschenswert.

Betriebe müssen offensiver werden

„Die Betriebe brauchen das“, sagte Scheichelbauer-Schuster. Zwar stünde im Gewerbe und Handwerk weiterhin die Qualität der Produkte und der handwerklichen Arbeit im Mittelpunkt. „Aber wir haben klaren Handlungsbedarf, um die Betriebe zu motivieren, mehr in die digitale Offensive zu gehen. Ich wünsche mir von unseren Betrieben, dass sei bis 2020 flächendeckend digital präsent sind.“ Die Spartenobfrau zählte zahlreiche Digitalisierungsbeispiele vom digitalen Terminvereinbaren beim Friseur, über die digitale Veranschaulichung von neuen Einrichtungen durch den Tischler bis hin zum verstärkten eigenen Schmuck kreieren bei Goldschmieden dank neuer digitaler Möglichkeiten. Betriebe, die noch so gar nicht digital sind, versucht die Kammer übrigens über gedruckte Broschüren und Vorträge an Bord zu holen.

Solide Auslastungszahlen

In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum 4. Quartal des Vorjahres um 7,4 Prozent gestiegen. „Der Vorlauf, den die Betriebe in den Auftragsbeständen haben, ist derzeit sehr gut. Die Mehrzahl der Betriebe, nämlich 34 Prozent, verfügen über einen Auftragsbestand von fünf bis neun Wochen, 31 Prozent können eine bis vier Wochen im Voraus planen und 26 Prozent für 10-19 Wochen. Das sind solide Auslastungszahlen in den Betrieben“, so Enichlmair. Im konsumnahen Bereich verzeichneten 72 Prozent der Betriebe keine Veränderung (Vorjahr: 65 Prozent) und 15 Prozent Umsatzrückgänge (Vorjahr: 14 Prozent). „Ausgehend von einem sehr hohen Vorjahresniveau flachen sich die Umsatzsteigerungen etwas ab: Das Vorjahresquartal war durch einen hohen Anteil an Betrieben mit Umsatzsteigerungen (21 Prozent) gekennzeichnet, während im 4.Quartal 2018 lediglich 13 Prozent Umsatzzuwächse verzeichneten“, so Enichlmair.  Für das 1. Quartal 2019 erwarten 74 Prozent der befragten Betriebe keine Veränderung (Vorjahr: 70 Prozent) und 11 Prozent Rückgänge (Vorjahr: 12 Prozent). (APA/red)

 

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