Energiewende: Was Smart Meter wirklich bringen

22.November 2018

Die Smart Meter-Einführung kommt in Österreich ins Rollen. Vier von fünf heimischen Energieversorgern haben bereits mit dem Rollout von intelligenten Stromzählern begonnen. Im Vorjahr waren es erst 57 Prozent.

Die Einführung von intelligenten Stromzählern bleibt das bestimmende Thema für Österreichs Energieversorger: 79 Prozent sehen Smart Metering als wichtigstes Instrument der digitalen Transformation im Energiesektor an. Im internationalen Vergleich ist die Einführung in Österreich schon weit fortgeschritten: 79 Prozent – und damit um 22 Prozentpunkte mehr als 2017 – der heimischen Energieversorger haben bereits mit dem Rollout begonnen, deutlich mehr als in Deutschland (59 Prozent) oder der Schweiz (52 Prozent). Das sind die Ergebnisse der „Stadtwerke-Studie 2018“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Dafür wurden 193 Geschäftsführer und Vorstände von Energieversorgungsunternehmen im deutschsprachigen Raum befragt, darunter 19 aus Österreich.

Visualisierung von Verbrauch und variable Tarife 

Als wichtigste Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Smart Meter sehen heimische Energieversorger insbesondere die Möglichkeit, den Verbrauch zu visualisieren (74 Prozent) und das Anbieten variabler Tarife (63 Prozent). In Deutschland rangieren diese beiden Geschäftsmodelle hingegen weit hinten, was die unterschiedlichen Strategien der Einführung intelligenter Messgeräte in den beiden Ländern verdeutliche, so die Studie: „Die österreichische Strategie bei Smart Meter ist der rasche vollständige Rollout einer vergleichsweise kostengünstigen Technologie, um dem Endkunden mehr Möglichkeiten zur Energieeinsparung und bei der Orientierung im Wettbewerb zu geben. In Deutschland geht es hingegen um den Aufbau einer umfassenden Kommunikationsinfrastruktur in einem Gebäude“. In Deutschland soll über das Smart Meter Gateway die Digitalisierung der Energiewende  eingeläutet werden, die eine sichere Kommunikation und Steuerung für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen zu ermöglichen“.

Richtige technische Lösung

Als größte Herausforderung der Smart-Meter-Einführung sehen heimische Energieversorger ebenso wie im Vorjahr – allerdings deutlich schwächer ausgeprägt – die Auswahl der technischen Lösungen sowie die Anpassung der IT-Systeme (jeweils 32 Prozent, 2017: 48 Prozent bzw. 43 Prozent).

Versorger haben den digitalen Wandel bereits gestartet

Die Energieversorger in Österreich befinden sich mitten in der digitalen Transformation – entsprechend nimmt die Digitalisierung inzwischen für sie eine so große Bedeutung wie noch nie ein. 79 Prozent wollen sich in den kommenden zwei bis drei Jahren stark oder sehr stark mit der Digitalisierung auseinandersetzen – vor einem Jahr waren es erst 52 Prozent. Mit Smart Metering – also intelligenten Messstellen – wird von ebenfalls 79 Prozent der Energieversorger ein weiteres eng mit der Digitalisierung verknüpftes Thema als besonders wichtig hervorgehoben.

Stadtwerke immer optimistischer

Durch die zunehmende Bedeutung der digitalen Technologien hat sich auch die Einstellung der Stadtwerke gewandelt: 47 Prozent – also knapp die Hälfte – sehen die Digitalisierung inzwischen als „große Chance“. Vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent. Der Anteil der Energieversorger, die die Digitalisierung als Bedrohung wahrnehmen, ist von 38 auf 11 Prozent gesunken.

Digitale Technologien verändern Energiewirtschaft 

Mit Hilfe digitaler Technologien wollen 79 Prozent der Energieversorger bis 2020 die Effizienz und Geschwindigkeit ihrer Geschäftsprozesse deutlich steigern. 74 Prozent möchten sämtliche Zählpunkte in ihrem Netzgebiet mit digitalen Zählern ausgestattet haben. Bis 2030 könnten die Umwälzungen noch deutlich gravierender ausfallen, mit Auswirkungen, die heute noch gar nicht abzuschätzen sind. Die Energieversorger schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass es in den kommenden zwölf Jahren zu grundlegenden, disruptiven Veränderungen kommen wird, durchschnittlich auf 35 Prozent. Eine langsame Evolution dürfte nach ihrer Einschätzung mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit von knapp 25 Prozent eintreten. An eine „beschleunigte Evolution“ glauben rund 40 Prozent.

Starke Basis vorhanden

Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage können die Energieversorger insgesamt auf eine starke Basis als Ausgangslage für die anstehenden Herausforderungen bauen. Die Einschätzung der Geschäftslage hat sich gegenüber dem Vorjahr noch verbessert: 79 Prozent erwarten gute oder sehr gute Geschäfte, 2017 waren es 48 Prozent. Kein einziges Unternehmen stellt sich auf schlechte Geschäfte ein, 2017 war es noch jedes zehnte.

IT-Sicherheit größtes Hemmnis

Die Voraussetzungen für den digitalen Wandel der Energiewirtschaft in Österreich sind sehr positiv. Allerdings stoßen die Energieversorger auf Herausforderungen, die sie bei ihren Vorhaben bremsen. An erster Stelle nennen sie IT-Sicherheitsvorgaben, die für 58 Prozent ein Hemmnis darstellen. Jeweils 53 Prozent sehen die personellen Ressourcen beziehungsweise den Datenschutz als Problem.

Gefahr von Stromausfällen nach Hackerangriffen

Das Thema IT-Sicherheit rangiert ganz oben auf der Agenda der heimischen Energieversorger – vor allem auch deshalb, weil sie sich Großteils der Gefahren bewusst sind: 68 Prozent schätzen die Gefahr von Ausfällen in der Stromversorgung durch Hackerangriffe als hoch oder sehr hoch ein. EY führt das hohe Sicherheitsbewußtsein unter anderem auf die inzwischen erfolgten IT-Sicherheitsmaßnahmen zurück: „Die technische Sicherheit erscheint gut beherrschbar. Inzwischen haben 37 Prozent der Unternehmen ein Informationssicherheitssystem installiert. Neun von zehn heimischen Energieversorgern haben zudem einen IT-Sicherheitsbeauftragten benannt. Das zeigt, dass die Sicherheit ernst genommen wird.“

Personalressourcen sind ausgedünnt

Entscheidend sei jetzt, dass die Energieversorger auch das nötige, qualifizierte Personal bekommen: Mitarbeiter mit digitalen Kenntnissen und Fähigkeiten sind inzwischen in allen Branchen heiß begehrt. Gerade die kleineren Energieversorger werden es im Wettbewerb um Fachkräfte schwer haben. Sie müssen unter Umständen schon früh anfangen, Kooperationen aufzubauen, um fehlendes internes Know-how von außen dazu zu holen.

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