Österreichische Banken profitieren von hoher Kreditnachfrage

21.November 2018

Im ersten Halbjahr 2018 haben die österreichischen Banken  vom guten wirtschaftlichen Umfeld profitiert. Sie verzeichneten eine starke Kreditnachfrage und konnten Teile ihrer Risikovorsorgen auflösen, schreibt die OeNB in ihrem 36. Financial Stability Report.

Das Wachstum der Kredite an private Haushalte wurde weiterhin zu einem großen Teil von Immobilienfinanzierungen getragen. Die internationalen Rahmenbedingungen waren nach wie vor günstig, allerdings machten sich vermehrt Unsicherheiten bemerkbar. In diesem Umfeld hat das Finanzmarktstabilitätsgremium ein wichtiges makroprudenzielles Thema adressiert und seine Erwartungshaltung zu nachhaltigen Immobilienkreditvergabestandards konkretisiert.

Mehr Kredite

Das jährliche Kreditwachstum österreichischer Banken an nichtfinanzielle Unternehmen beschleunigte sich im September 2018 auf 6,2%. Diese Kreditdynamik reflektiert zum einen die Expansion der Unternehmensinvestitionen, zum anderen wurde sie stark vom Grundstücks- und Wohnungswesen getragen, auf das nahezu die Hälfte der gesamten Kreditausweitung entfiel. Zudem bildeten Bankkredite vielfach ein Substitut für andere Formen der Fremdkapitalfinanzierung. Die gesamte Fremdkapitalaufnahme der Unternehmen war in den vier Quartalen bis Mitte 2018 um ein Sechstel niedriger als in den vier Quartalen davor. Das Kreditwachstum führte daher nicht zu einer Ausweitung der Unternehmensverschuldung.

Geringe Kreditausfälle

Aufgrund weiterer Verbesserungen der Kreditqualität im ersten Halbjahr 2018 konnten die österreichischen Banken ihre Gewinne auf EUR 3,6 Milliarden steigern, davon entfielen knapp die Hälfte auf ihre Tochterbanken in CESEE. Da eine starke Kapitalisierung zentrale Voraussetzung für die Finanzmarktstabilität ist, mahnte die Aufsicht bereits anlässlich der Publikation der Stresstestergebnisse, dass die Großbanken bei der Stärkung der Kapitalbasis nicht nachlassen sollen.

Gegen Aufweichung der Vergabekriterien

Die systemischen Risiken aus der Finanzierung von privaten Wohnimmobilien sind zwar begrenzt, allerdings ist bei einzelnen Banken eine Tendenz zur Aufweichung von Vergabestandards erkennbar. Im September hat sich das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) deshalb entschlossen, seine Erwartungshaltung bezüglich nachhaltiger Immobilienkreditvergabe­standards zu konkretisieren und sich dabei an den Empfehlungen der OeNB zu orientieren. Als nachhaltig erachtet das FMSG ein Mindestmaß an Eigenmitteln der Kreditnehmer (Richtwert: 20%), eine Begrenzung des Schuldendienstes (Richtwert: nicht mehr als 30% bis 40% des Nettoeinkommens eines Haushalts), sowie Kreditlaufzeiten, die nicht unverhältnismäßig lang ausfallen (Laufzeiten über 35 Jahren nur in Ausnahmefällen).

Die OeNB empfiehlt

Die Banken haben in den letzten Jahren vom kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Geht es nach der OeNB, sollten sie ihre Risikotragfähigkeit weiter ausbauen und genügend Handlungsspielraum für eine potenzielle Abkühlungsphase schaffen. Die OeNB empfiehlt den Banken,

  • die Sicherung einer nachhaltigen Profitabilität durch weitere Effizienzsteigerungen
  • nachhaltige Kreditvergabestandards bei der Immobilienfinanzierung,
  • eine weitere Reduktion der notleidenden Kredite, vor allem in CESEE sowie
  • die weitere Einhaltung der aufsichtlichen Mindeststandards zu Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten sowie des Nachhaltigkeitspakets.

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