Marktverschiebung: Warum der Bekleidungsmarkt unter Druck steht

16.November 2018

Im Bekleidungsmarkt setzen die Online-Händler den stationären Handel massiv unter Druck. Der Branchenumsatz steigt zwar Jahr für Jahr, aber nur sehr langsam. 

2020 wird vermutlich schon jedes dritte Stück per Zustelldienst geliefert. Auch die großen Bekleidungsunternehmen müssen Vertriebsstrategien und Standorte optimieren, um nicht auf der Strecke zu bleiben. H&M ist unverändert der mit Abstand größte Player der Branche. RegioData Research hat den Bekleidungsmarkt analysiert.

Schwierigkeiten für konservative Bekleidungsmarken

Innerhalb des Rankings der Top 10 Bekleidungseinzelhändler hat es im Vergleich zum Vorjahr nur wenige bedeutsame Änderungen gegeben. Die großen 10 repräsentieren in Österreich insgesamt einen Marktanteil von rd. 50 Prozent. Betrachtet man die gesamte Rangliste der Bekleidungsfirmen, so verbuchten die konservativen/zeitlosen Marken Gerry Weber, Bonita, Cecil, Adler spürbare Umsatzrückgänge. Diskonter, Primark, TK Maxx und NKD legen zu. Deutlich positiv haben sich einige hochwertige moderne Filialisten, u.a. Hallhuber, Bestseller, Dressmann entwickelt.

Starkes Wachstum Online

Jährlich geben die Österreicher und die Touristen etwa 6,4 Milliarden Euro für Bekleidung aus. Der Umsatz im stationären Bekleidungsmarkt ist aktuell bei rund 4,6 Milliarden Euro, was, wenn man die Inflation herausrechnet – so wie auch in den letzten Jahren – einen realen Rückgang bedeutet. Rund 1,7 Milliarden Euro fließen in andere Branchen, bzw. den Pure-Player-Online-Handel. Und der Onlineanteil nimmt weiterhin stark zu: Waren es in 2010 noch sechs Prozent, beträgt er 2017 bereits beträchtliche 27 Prozent. Und das Wachstumstempo im Online-Handel bleibt deutlich höher als im stationären Handel.

Branchenführer stagnieren

H&M ist mit einem Marktanteil von rd. zwölf Prozent mit großem Abstand der Marktführer im österreichischen Bekleidungshandel. H&M hat sein Filialnetz in Österreich im letzten Jahr zwar um drei neue Geschäfte erweitert, verbuchte jedoch einen Umsatzrückgang von knapp vier Prozent und will nach eigenen Angaben künftig in Europa Filialen schließen. Der Schwerpunkt der künftigen Entwicklung von H&M wird wohl weiter beim Onlinegeschäft liegen. Dem Branchenprimus folgt C&A, das im letzten Jahr ebenfalls leichte Umsatzrückgänge und deutliche Filialschließungen hinnehmen musste. Auch Peek&Cloppenburg zeigt keine Ambitionen zu expandieren. Alleine Kik, die Nummer vier am österreichischen Markt, zeigt sich expansionswillig.

Gesamtverkaufsfläche schrumpft

Die Modebranche ist stark von der Konkurrenz mit Online-Händlern betroffen, einzelne Bekleidungsfilialisten können nicht immer mit den Entwicklungen am Markt Schritt halten. Um die Marktpositionen nicht zu verlieren, müssen die Unternehmen eigene Strategien im stationären Handel optimieren und ihre Online-Präsenz verstärken. So befindet sich der zweitgrößte Bekleidungsfilialist C&A in der Standortoptimierungsphase und hat bereits rund zwanzig Schließungen in Österreich vorgenommen. Was die Gesamtverkaufsfläche im österreichischen Bekleidungseinzelhandel angeht, ist sie im Jahr 2017 um 0,5 Prozent gesunken. Bei einem Umsatzwachstum von +0,4 Prozent ergibt dies eine Steigerung der Flächenproduktivität um 0,7 Prozent.

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