Warum sich Investitionen in Breitband und Energie so rasch amortisieren

13.November 2018

Verstärkte Investitionen in die Infrastrukturbereiche Energie und Breitband-Internet würden sich volkswirtschaftlich rasch bezahlt machen, zeigt eine Modellrechnung für den „FBA Infrastrukturreport“.

Mit dem Einsatz neuer digitaler Anwendungen könnte Österreichs jährliche Wirtschaftsleistung um 15,5 Prozent (rund 57 Mrd. Euro) gesteigert werden. Dazu müssen aber leistungsfähige Energie- und Breitbandstrukturen zur Verfügung stehen.

So sind 10 Mrd. Euro wenig

„Stellt man diese Produktivitätssteigerung in Relation zu den – einmaligen – Kosten des flächendeckenden Breitband- und 5G-Ausbaus in Österreich in der kolportierten Höhe von rund 10 Mrd. Euro, wird deutlich, wie bedeutsam der Ausbau der digitalen Infrastruktur für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist“, sagte FBA-Initiator David Ungar-Klein zur APA. Ausreichende Investitionen in Breitband, 5G und Energietechnologien seien die existenziellen Grundlagen für die erfolgreiche digitale Transformation des Standorts und die Weiterentwicklung der traditionellen Infrastrukturen, sagte Ungar-Klein anlässlich des Infrastruktursymposiums „Future Business Austria“ in der Albert Hall in Wien.

Eigene Investitionsgesellschaft sinnvoll

Nach Ansicht von Ungar-Klein könnte die Finanzierung auch durch eine staatliche Infrastrukturgesellschaft erfolgen, denn „IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) und Energie-Infrastruktur müssen den gleichen makroökonomischen Stellenwert haben wie Straße und Schiene, sie sind die Basis für alles andere“.

Infrastruktur als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit

Laut einer für den Infrastrukturreport durchgeführten Manager-Umfrage sind neben dem generellen Asset „Bildung und ausgebildete Fachkräfte“ (68 Prozent) für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts vor allem Infrastruktur (61 Prozent) und Digitalisierung (40 Prozent) sowie Innovation (39 Prozent) erfolgsentscheidend. Für 59 Prozent der befragten Manager (2007: 29 Prozent) stellt die Infrastruktur die wichtigste Größe für einen Wirtschaftsstandort dar.

Energieeffizienz ist vordringlich

Bei den prioritären Infrastrukturausbauprojekten führt nach Meinung der befragten Manager mit Abstand der Ausbau neuer Technologien für Energieeffizienz (73 Prozent) vor der Sicherung gegen Cyber- und Terrorangriffe (58 Prozent) und dem Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes (50 Prozent).

Hochleistungsnetz muss geschlossen werden

Für den Infrastrukturbereich Energie wünschen sich die interviewten Experten vor allem Investitionssicherheit, stabile Rahmenbedingungen, ein investitionsfreundliches Klima und schnellere Genehmigungsverfahren. Österreich müsse die Energieforschung noch mehr stärken. Die innerösterreichischen Gasnetze müssten zu einem Marktgebiet zusammengeschlossen werden, die Gasspeicher bräuchten eine leistungsfähige Anbindung. Außerdem müsste das 380-Kilovolt-Stromnetz wegen des steigenden Strombedarfs und des Windkraftausbaus rasch vervollständigt werden.

Schienenverkehr muss forciert werden

Im Infrastrukturbereich Verkehr sei der Ausbau der Schieneninfrastruktur essenziell, um den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf die Schiene zu forcieren, lautet eine der Empfehlungen. Der Ausbau von Schienennetzen (S-Bahn-Netzen) sei sowohl innerstädtisch als auch auf das Umland bezogen zu fördern. Darüber hinaus brauche Österreich ein einheitliches E-Ticketing bzw. ein „Österreich-Ticket“. Eine „Mobilcard“ sollte künftig alle Modalitäten des Verkehrs aufzeichnen und verrechnen. Im Güterverkehr müsste die Schiene attraktiver gemacht werden, um die Transitstrecken durch Österreich vom Lkw-Verkehr zu entlasten.

ÖBB investiert 14 Mrd. bis 2023

Für ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä „beweist der Infrastrukturreport 2019 sehr gut, dass wir mehr Bahn in Österreich brauchen“. Mit den Investitionen aus dem aktuellen Rahmenplan von 13,9 Mrd. Euro bis 2023 sei man auf dem richtigen Weg. Im Passagierverkehr wolle man das Angebot mit dem Integrierten Taktfahrplan und neuen Zügen verbessern, für die Güterverkehrskunden mit neuen Services und Wagen. „Einen zusätzlichen Schub erwarten wir durch die Digitalisierung“, sagte der ÖBB-Chef.

Methode

Befragt wurden für den Report von Markt- und Meinungsforscher Peter Hajek 240 Manager österreichischer Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Ergänzend dazu wurden rund 100 Interviews mit österreichischen Experten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung geführt. Der volkswirtschaftliche Befund stammt vom ehemaligen Fiskalrats-Chef Bernhard Felderer, die industrieökonomische Analyse der österreichischen Infrastruktur hat Sebastian Kummer erstellt, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien. (APA)