F&E: Das sind die größten Innovationsinvestoren der Welt

20.August 2018

Von den zehn Unternehmen mit den größten F&E-Budgets kommen sieben aus den USA. Ein österreichisches Unternehmen schafft es in die Top 500.

US-amerikanische Unternehmen investieren weltweit am meisten in Forschung & Entwicklung (F&E). Der größte F&E-Investor ist der Onlinehändler Amazon, der im Vorjahr 20 Mrd. Euro in die Hand nahm. Unter den Top-500-Unternehmen mit den höchsten Ausgaben befindet sich auch der heimische Stahlkonzern voestalpine. Der Linzer Konzern belegt mit Investitionen in Höhe von 159 Mio. Euro Platz 323. Größter europäischer F&E-Investor ist der Autobauer Volkswagen mit 11,6 Mrd. Euro. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die jene 500 börsennotierten Unternehmen mit den größten F&E-Budgets weltweit untersucht wurden.

Deftige Budgeterhöhungen

Weltweit haben Großkonzerne im vergangenen Jahr ihre Innovationsbudgets kräftig aufgestockt: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (kurz F&E) der 500 größten F&E-Investoren der Welt stiegen im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 533 Milliarden Euro. Die große Mehrheit der Unternehmen – 65 Prozent – investierte mehr als im Vorjahr.

US-Konzerne legen gesondert nach

Die US-amerikanischen Top-Konzerne steigerten ihre Investitionen besonders stark: Um elf Prozent stiegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei den 127 US-amerikanischen Unternehmen, die sich im Ranking platzieren konnten. Hauptgrund für diesen starken Anstieg ist die hohe Investitionsbereitschaft der US-Digitalkonzerne: So erhöhte Amazon seine Innovationsausgaben um 41 Prozent von umgerechnet 14,3 auf 20,1 Milliarden Euro und belegt damit wie schon im Vorjahr Platz eins im Ranking der Unternehmen mit den weltweit höchsten Innovationsbudgets.

Alphabet und Intel auf den Rängen

Auf Platz zwei liegt unverändert die Google-Muttergesellschaft Alphabet mit 14,8 Milliarden Euro vor Samsung (13,1 Milliarden Euro) und Intel (11,6 Milliarden Euro). Neben IT-Riesen können sich vor allem Pharmakonzerne im Top-10-Ranking platzieren: Roche, Johnson & Johnson und Merck & Co auf den Rängen acht bis zehn. Als einziges klassisches Industrieunternehmen belegt Volkswagen im Ranking den fünften Platz – der Wolfsburger Autokonzern ist mit F&E-Ausgaben von 11,6 Milliarden Euro zugleich Europas größter F&E-Investor. Mit der voestalpine schafft es auch ein österreichisches Unternehmen unter die Top-500: Investitionen in der Höhe von 159 Millionen Euro bedeuten Rang 323.

Europas Konzerne übertrumpfen Asien-Konkurrenz 

Nach wie vor sind US-Unternehmen in Sachen Innovationsausgaben das Maß aller Dinge: Nicht nur haben sieben der zehn Top-F&E-Investoren ihren Sitz in den USA, auch investieren US-Konzerne im Durchschnitt deutlich mehr als ihre Mitbewerber in Asien und Europa. Während die analysierten asiatischen Unternehmen eine durchschnittliche F&E-Quote – das ist der Anteil der F&E-Ausgaben am Gesamtumsatz – von nur 2,6 Prozent aufweisen, liegt der Wert in Nordamerika mit zuletzt 5,6 Prozent mehr als doppelt so hoch. Europäische Unternehmen erreichen eine durchschnittliche F&E-Quote von 3,4 Prozent.

US-Forschungsbudgets steigen rascher als Umsätze

Während in nordamerikanischen Konzernen die F&E-Budgets im vergangenen Jahr mit plus elf Prozent stärker stiegen als der Umsatz, der um acht Prozent zulegte, war es in Europa genau umgekehrt: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wuchsen um nur drei Prozent, der Gesamtumsatz hingegen um knapp zehn Prozent – somit mehr als drei Mal so stark. Vor allem die großen Digitalkonzerne erhöhen ihre Innovationsausgaben massiv: Die fünf größten US-Digitalkonzerne – die zugleich die fünf größten US-Investoren sind – investierten im vergangenen Jahr zusammen umgerechnet 68 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung und steigerten ihre Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Milliarden Euro, das sind 19 Prozent. Auf der anderen Seite des Atlantiks stockten die Top-5-Investoren Europas ihre Budgets nur um 800 Millionen Euro bzw. zwei Prozent auf gut 41 Milliarden Euro auf.

China gibt Gas

Weltweit am stärksten stiegen die Ausgaben der Unternehmen aus China (plus 18 Prozent), Taiwan (plus 16 Prozent) und Schweden (plus 14 Prozent). Dass gerade die chinesischen Unternehmen ihre F&E-Ausgaben derzeit so erheblich steigern, sei nicht überraschend, so Reimoser: „Die chinesische Wirtschaft und vor allem die international ausgerichteten Unternehmen entwickeln sich in rasantem Tempo zu ernstzunehmenden Playern auf den Weltmärkten. Chinesische Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass Innovationen der Schlüssel zu langfristiger internationaler Wettbewerbsfähigkeit und höheren Margen sind. Sie werden daher zukünftig im weltweiten Innovationswettbewerb eine immer größere Rolle spielen.“

Branchen: Pharmakonzerne investieren am meisten

Nach wie vor weisen Pharmakonzerne die mit Abstand höchsten F&E-Quoten auf: Insgesamt 110 Milliarden Euro investierten die 29 im Ranking vertretenen Pharmakonzerne im vergangenen Jahr in die Entwicklung neuer Produkte bzw. Wirkstoffe. Das entspricht einem Anteil am Gesamtumsatz von 16,3 Prozent. Die IT-Branche liegt mit durchschnittlich 8,0 Prozent auf dem zweiten Platz. Klassische Industriebranchen weisen eher niedrigere F&E-Quoten auf: In der Autoindustrie lag die Quote im vergangenen Jahr bei 4,0 Prozent, bei sonstigen Industrieunternehmen bei 2,5 Prozent.

 

Mehr zum Thema

EY-Österreich