Tirol: Zusatzstoffe im Kunstschnee sollen verboten werden

17.August 2018

Das Tiroler Landesverwaltungsgericht (LVwG) hat in einem Erkenntnis unter bestimmten Auflagen Zusatzstoffe bei der Erzeugung von Kunstschnee genehmigt. Die Landesregierung will in Zukunft derartige Zusätze aber verbieten. 

Die Seefelder Bergbahnen haben einen negativen Bescheid gegen den Einsatz von Snomax beim LVwG mit Erfolg bekämpft, bestätigte das Land Medienberichte. Die Seilbahnwirtschaft und Landeshauptmann Günther Platter sind jedoch weiter gegen Zusatzstoffe. Die Landesregierung prüft, wie derartige Maßnahmen gesetzlich verboten werden können.

Gericht gibt dem Einspruch statt

„Eine wasserrechtliche Bewilligung kann nicht aufgrund allfälliger Imageschäden oder aufgrund der öffentlichen Meinung versagt werden“, zitierte die „Tiroler Tageszeitung“ in ihrer Dienstagsausgabe das LVwG. Nachdem das von der Wasserrechtsbehörde durchgeführte Ermittlungsverfahren unbestritten ergeben habe, dass der Einsatz des Zusatzstoffes Snomax keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tiere, Pflanzen und die Umwelt erwarten lasse und auch sonst keine Beeinträchtigungen von rechtlich relevanten öffentlichen Interessen zutage getreten seien, habe das Landesverwaltungsgericht der Beschwerde Folge zu geben, heißt es in dem Erkenntnis.

Landesregierung stellt Förderungen ein

Politisch bekennt sich die Tiroler Landesregierung jedoch zum Verbot derartiger Zusatzstoffe. „Ich muss mir das noch im Detail anschauen, aber letztlich bleibt das Bekenntnis der Regierung aufrecht, dass keine Zusatzstoffe bei der Beschneiung verwendet werden sollen“, sagte LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) zur „TT“. Vor diesem Hintergrund wird die Infrastrukturförderungen entsprechend angepasst. „Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden“, gibt LH Platter die Linie vor. Für den Fall, dass dennoch Zusatzstoffe verwendet werden, ist keine Förderung auszubezahlen bzw. die Förderung zurückzuzahlen. „Ich lehne den Zusatz von Bakterien bei der Schneeerzeugung entschieden ab. Dies haben wir auch im Regierungsübereinkommen deutlich festgehalten“, so der Landeshauptmann weiter.

Gesetzliche Regelung wird angestrebt

„Es ist höchst an der Zeit, auch rechtlich alle möglichen Maßnahmen für ein Verbot von Zusatzstoffen bei der Schneeerzeugung zu erheben“, lässt der Landeshauptmann die weiteren Schritte durchblicken. „Daher habe ich heute in Auftrag gegeben, eine gesetzliche Grundlage zu prüfen, dass wir künstliche Zusatzstoffe bei der Schneeproduktion ausschließen können“, so LH Platter abschließend.

Herstellerfirma spricht von Proteinen

Snomax enthalte bestimmte Proteine, durch die der Kristallisationsprozess verbessert werden soll, schreibt die Firma auf ihrer Homepage. Mit Snomax gefriere Wasser schneller, gleichmäßiger und der Schnee bleibe länger erhalten. Das Unternehmen verspricht bis zu 40 Prozent mehr Schnee mit einer besseren Schneequalität.

Seilbahnwirtschaft will keine Zusatzstoffe

Die Seilbahnwirtschaft spricht sich ebebfalls gegen Zusatzstoffe bei der Beschneiung ausg. Die Seefelder Bergbahnen, die einen negativen Bescheid beim LVwG bekämpft hatten, würden laut Seilbahnen-Obmann, Abg. Franz Hörl (ÖVP) damit eine rote Linie überschreiten. Hörl forderte ein Machtwort seitens der Landespolitik. „Wenn schon die Gerichte hier keine Sensibilität haben, dann ist die Politik am Zuge“, meinte der Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen der Wirtschaftskammer und ÖVP-Wirtschaftsbundchef in einer Aussendung. Seilbahnunternehmen, die Zusatzstoffe anwenden, dürfen keine öffentlichen Mittel, auch keine seitens der Tourismuswerbung, bekommen, verlangte Hörl, der einen Imageschaden für die gesamte Seilbahnwirtschaft befürchtete.

Branche härter als schwarz-grüne Regierung

Der Nutzen der Zusatzstoffe stehe laut dem ÖVP-Nationalratsabgeordneten in keiner Relation zum möglichen Schaden. „Wir werden jedenfalls die schwarzen Schafe namhaft machen und überlegen eine Aufstellung jener Skigebiete zu veröffentlichen, die sich an unser selbst auferlegtes Reinheitsgebot halten“, so der Seilbahnen-Chef. Eine überwältigende Mehrheit der heimischen Skidestinationen stehe zum Reinheitsgebot, fügte Hörl hinzu. (APA/red)

 

Mehr zum Thema

Tiroler Landesregierung