Mobilfunk: Warum 5G für die Digitalisierung so wichtig ist

09.August 2018

Das LTE-Netz (4G) ist noch kein Jahrzehnt alt, da steht mit 5G schon ein neuer Mobilfunkstandart in den Startlöchern. In Österreich starten die ersten Auktionen im Herbst.  Der 5G-Infrastrukturausbau dürfte sich teurer gestalten, als noch bei LTE. Langfristig vervielfacht sich die Anzahl der Sendestationen. Allerdings fallen 5G-Sender deutlich kleiner aus und können an Laternen oder Überkopfverkehrszeichen montiert werden.

5G soll eine 100-Mal höhere Datenrate als heutige 4G-Netze haben – das wären bis zu 10.000 MBit/s. Das Wesentliche an 5G ist die deutlich niedrigere Latenzzeit, das ist die Reaktionszeit innerhalb eines Kommunikationsnetzes. Heutige LTE-Netze weisen Einwählphasen im zweistelligen Millisekundenbereich auf. Im 5G-Netz soll das Signal im Endausbau gerade mal um eine Millisekunde verzögert werden – damit reagiert die Telekommunikation erstmals so schnell wie die menschlichen Nervenzellen.

Voraussetzung für umfassende Digitalisierung

Fürs Internetsurfen und Telefonieren ist die Rekordjagd nicht relevant. Bei Anwendungen im Bereich von Digitalisierung und Industrie 4.0 gilt 5G allerdings als Voraussetzung und Treiber. In der Kommunikation zwischen Maschinen geht es um jeden Sekundenbruchteil: Auch bei selbstfahrenden Autos und in der Medizin bringt eine 5G-Performance völlig neue Einsatzmöglichkeiten. So können mit 5G Fernoperationen verbessert  und autonome Autos in größerer Zahl geleitet werden. Die Ausbau-Geschwindigkeit ist relevant: Während Österreich beim 3G-Netz in Europa und auch weltweit Vorreiter war, hat das Land – wie ganz Europa – bei LTE weitaus langsamer agiert. In den USA und einigen asiatischen Ländern ist das LTE-Netz deutlich früher und besser ausgebaut worden.

Vorversion in Tirol

In Innsbruck zeigen zwei Funkzellen im Netz von T-Mobile Austria schon heute die Zukunft der Kommunikation. Die Anlagen in der Tiroler Landeshauptstadt sind die ersten in Österreich und unter den ersten in Europa, die weitestgehend nach dem neuen 5G Standard arbeiten. Mit dieser Vorversion des finalen 5G Standards schafft das Netz in Innsbruck Rekord-Übertragungsraten von zwei Gigabit pro Sekunde und eine Latenz von nur drei Millisekunden.

Olympia war Vorreiter

Einen ersten Vorgeschmack auf 5G lieferten auch die Olympischen Spiele in Pyeongchang, wo Austragungsstätten und andere Hotspots mit einem 5G-Netz verbunden waren. Alle Beteiligten, vom Sportler bis zum TV-Sender, konnten sich in dieses Funksystem einloggen und Dienste nutzen. Die koreanische Regierung hatte die Parole  ausgegeben, die Spiele der Wintersportler zu nutzen, um zu demonstrieren, was die beiden wichtigsten Industriesparten der Landes drauf haben: die Auto- und die Elektronikbranche.

Frühestens 2020

Aber noch wird es dauern, bis die neue Mobilfunktechnik auf den Smartphones der Verbraucher ankommt. Die für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissarin Mariya Gabriel will den 5G-Ausbau in der EU konzertiert und rasch vorantreiben. Gabriels Vorgänger war noch von einem 5G-Start im Jahr 2020 ausgegangen. Anfang Dezember haben sich die EU-Infrastrukturminister auf einen realistischeren Fahrplan bis zum Jahr 2025 verständigt, der ein gut ausgebautes Netz in allen großen Städten und entlang der Hauptverkehrsrouten in jedem Mitgliedsstaat ermöglichen soll.
Für 2019 geht der aktuelle Ericsson Mobility Report für lediglich drei Millionen 5G-Mobilfunkanschlüsse weltweit aus. Dann aber soll alles sehr schnell gehen: 2023 sollen es schon rund eine Milliarde 5G-Mobilfunkanschlüsse sein – davon 88 Millionen in Westeuropa.

© statista.de

 

Mehr zum Thema

Ericsson Mobility Report