Tropenhitze: Wann erhalten Bauarbeiter hitzefrei

09.August 2018

Das Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz (BUAG) bietet seit 2013 die Möglichkeit, dass bei einer Temperatur über 35 Grad die im Bau-, Bauneben- und Bauhilfsgewerbe auf einer Baustelle Tätigen die Arbeit einstellen können. Die Entscheidung, ob hitzefrei oder nicht, fällt der Arbeitgeber. Eine Verpflichtung gibt es nicht. 

Nicht inbegriffen sind jene Gruppen, die nicht im BUAG und der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse BUAK verankert sind, nämlich Spengler, Installateure oder Maler. Die Arbeitnehmer erhalten dann 60 Prozent vom Bruttolohn als Entschädigung für jene Stunden, die nicht gearbeitet werden kann. Das wird vom Arbeitgeber vorfinanziert, der sich das Geld dann von der BUAK holen kann.

Arbeitgeber entscheidet

Der Schlechtwetter-Entschädigungsfonds – seit 2013 nicht nur für Arbeitsverhinderung durch Regen, Kälte und Frost, sondern auch durch extreme Hitze zuständig – wird mit 1,4 Prozent vom Bruttolohn, jeweils 0,7 Prozent vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber, finanziert. Durch diese Hitzeregelung wurde eine jahrzehntelange Forderung der Gewerkschaft zumindest teilweise umgesetzt, so der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Josef Muchitsch. Denn die Entscheidung, ob hitzefrei gegeben wird und die Arbeit eingestellt wird, obliegt dem Arbeitgeber bzw. dessen Vertreter auf der Baustelle.

Kein finanzieller Nachteil für Arbeitgeber

Daher sollte an den heißen Tagen an Baustellen die seit fünf Jahre bestehende Möglichkeit genutzt werden, ab einer Temperatur von 35 Grad den Bauarbeitern hitzefrei zu geben, wendet sich Muchitsch an die Arbeitgeberseite. „Bei großer Hitze soll man die Leute nicht zwingen weiterzuarbeiten“, warnt er vor gesundheitlichen Folgen und steigender Unfallgefahr. Muchitsch appelliert an die Bauunternehmen, diese Möglichkeit an den kommenden besonders heißen Tagen auch zu nutzen, weil für sie kein finanzieller Nachteil entstehe. Viele Baustellen beginnen im Sommer schon sehr früh mit der Arbeit, wenn am frühen Nachmittag hitzefrei gegeben werde, handle es sich meist nur um ein, zwei Stunden. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden, die entschädigt werden, ist im Sommer mit 120 Stunden pro Arbeitnehmer und im Winter mit 200 Stunden pro Arbeitnehmer begrenzt.

Kälte schlägt Hitze

Eine Auswertung der bisherigen Daten der BUAK für die hitzefreien Tage bzw. Stunden zeigt eine klare Häufung in den Jahren 2013, 2015 und 2017. Im Jahr 2015 wurden Hitze-Entschädigungen für 17.217 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fällig, an 14 Tagen gab es Temperaturen über 35 Grad. Insgesamt wurden 359.161 Euro Entschädigung verrechnet. Weitaus häufiger als für Hitze werde die Entschädigung durch die BUAK bei Arbeitsverhinderung durch Regen, Schnee und Kälte beansprucht.

Bei Hitze keine Wartezeit

Grundsätzlich besteht zwar die Verpflichtung, eine Wartezeit von 3 Stunden auf der Baustelle einzuhalten (um abzuwarten, ob sich die Witterungsbedingungen ändern), dies ist aber bei Hitze laut BUAK nicht zielführend, da die Temperatur bis ca. 21 Uhr eher ansteigt bzw. gleich bleibt, als absinkt.

Antrag Betrieb

Der Betrieb hat die Möglichkeit, die Rückerstattung ausbezahlter Schlechtwetterentschädigung (60% vom Ist-Lohn) bei der BUAK geltend zu machen.

  • Der Antrag auf Rückerstattung der in einem Abrechnungszeitraum ausbezahlten Beträge kann innerhalb von drei Monaten nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes gestellt werden.
  • Die Refundierung an den Betrieb erfolgt nach der Prüfung des Antrages (Wetterkriterien) durch die BUAK.

  • Der Betrieb erhält den Refundierungsbetrag plus einen Pauschbetrag in Höhe von 30 % (als Abgeltung für die in der Zeit des Arbeitsausfalles geleisteten Sozialabgaben).
  • Geringes Unterschreiten (Beispiele 34,5°C, 34,9°C) führt zu einer Ablehnung der Rückerstattung von Schlechtwetterentschädigungen

Ersatzarbeit

Die/der Arbeitnehmer/in ist verpflichtet, eine andere, zumutbare Arbeit im Betrieb zu verrichten (ohne Schmälerung des Entgeltes).
Auf Anordnung des Betriebes muss die/der Arbeitnehmer/in drei Stunden auf der Baustelle verbleiben, um eine Witterungsbesserung abzuwarten. Allerdings muss eine entsprechende Unterkunft vorhanden sein 

Klimaanlage keine Pflicht

Im Allgemeinen müssen Dienstgeber dafür sorgen, dass die Temperaturen am Arbeitsort sinken. So ist die Installation von Jalousien dem Arbeitgeber zumutbar. Gelüftet sollte vor allem am Abend oder in der Früh werden. Eine Klimaanlage muss der Arbeitgeber wegen Hitze nicht installieren. Verfügt der Arbeitsplatz über eine Klimaanlage, sollte eine Raumtemperatur von 25 Grad bei geringer körperlicher Belastung, etwa bei sitzenden Tätigkeiten, nicht überschritten werden. Bei Arbeiten mit häufigem Stehen sollte es höchstens 24 Grad warm sein.

 

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