Banking der Zukunft: Warum heimische Kunden auf Berater nicht verzichten wollen

06.August 2018

Österreichs Banken liegen bei der Entwicklung zum Digital Banking im Mittelfeld. Sie sind, was die ganzheitliche Begleitung der Kunden im digitalen Bereich betrifft, grundsätzlich gut entwickelt. Ohne Berater geht es auch in Zukunft nicht. 

Österreichs Geldinstitute belegen Rang 12 unter 38 Staaten, ergibt die Deloitte-Studie „Digital Banking Maturity“. Während das tägliche Finanzmanagement bereits überwiegend digital abgewickelt wird, suchen Bankkunden in Österreich für langfristige Finanzierungsprojekte den persönlichen Kontakt. Online-Plattformen wie Open Banking und Beyond Banking gehören zu den vielversprechendsten neuen Trends der Branche.

Kontoführung praktisch zur Gänze online

Für die schlichte Kontoüberprüfung oder für Überweisungen nutzen die Österreicher inzwischen praktisch ausschließlich das Internet: Mehr als die Hälfte der österreichischen Bankkunden überprüft ihren Konto- und Transaktionsstand am Smartphone. Die restlichen Befragten nutzen dafür den PC, schreibt Werner Kolarik, Partner bei Deloitte Digital. Überweisungen werden ebenfalls fast ausnahmslos am Smartphone oder am Computer durchgeführt. Nur 2 Prozent gehen dafür in die Filiale.

Österreich wollen auf Berater nicht verzichten

Anders sieht es bei langfristigen Entscheidungen aus: Für Investmentprodukte suchen 57 Prozent den persönlichen Kontakt in der Filiale, bei Krediten sogar 66 Prozent. Auch die Aufnahme von Hypotheken und die Schließung von Konten passiere überwiegend vor Ort in der Bank. „Bei komplexeren Geschäften wollen die Österreicher noch nicht auf den Besuch bei ihrem Berater verzichten“, Beratung könne aber auch via App und nicht nur in der Filiale geschehen, meint Kolarik. Das spare Geld und sei für die Kunden bequemer.

Kaum digitale Kontoeröfffnungen

„Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Banken verstärkt auf Online-Plattformen mit vielfältigen Leistungspaketen setzen“, empfiehlt Deloitte. Dabei decken die heimischen Banken schon jetzt mit ihrem digitalen Angebot den Großteil der Kundenbedürfnisse gut ab. Aber etwa die Möglichkeit einer simplen digitalen Kontoeröffnung und -schließung sei noch zu wenig verbreitet.

Open Banking und Beyond Banking sind die Zukunft

Die Analyse der aktuellen Trends zeigt, dass die Online-Plattformen Open Banking und Beyond Banking großes Potenzial für die Zukunft bergen. Beim Open Banking werden Finanzprodukte von Banken und Drittanbietern wie FinTechs, Start-ups oder Kooperationspartnern gemeinsam angeboten. Beyond Banking geht über das Thema Banking hinaus: Die Plattform beinhaltet auch Dienstleistungen, die nicht zwingend aus dem Finanzbereich kommen müssen. Werner Kolarik erklärt das am Beispiel des Wohnungskaufs: „In Zukunft kann ich nicht nur einen Wohnkredit bei meiner Bank aufnehmen, sondern bekomme beispielsweise auch gleich zusätzliche Infos zu Home-Security-Produkten. Ich erhalte alle interessanten Leistungen rund um meinen Wohnungskauf zentral auf einer Plattform.“

8000 Kundenmeinungen

Die Top 5 Länder im Digital Banking sind laut dieser Studie Russland, die Schweiz, die Türkei, Polen und Spanien. Für die Studie hat Deloitte 238 Banken aus 38 Ländern auf ihr Digitalgeschäft untersucht. Neben einer Analyse inklusive Mystery Shopping teilten rund 8.000 Kunden bei einer Umfrage ihre Präferenzen bei Bankgeschäften mit. (APA/red)

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