E-Control: Von PV-Boom in Mehrparteienhäusern keine Spur

03.August 2018

Für Bewohner von Mehrparteienhäusern in Städten sind geförderte Solarstrom-Anlagen schon seit fast einem Jahr durch eine Ökostromgesetznovelle möglich. Doch „ein PV-Boom ist noch nicht eingetreten“, konstatiert E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch .

Er rechnet auch weniger im Bestand mit PV-Nachrüstungen, sondern erwartet Anlagen vornehmlich für neu errichtete Wohnbauten.

Energiegesetz soll Anschub leisten

Neubauten würden mittlerweile schon sehr oft mit Photovoltaik-Anlagen errichtet. Mehr in Gang kommen werde das Thema voraussichtlich durch das für 2019 geplante Energiegesetz, das weitere Anreize für den Ausbau von PV-Anlagen bringen kann. Bei PV-Anlagen am Haus oder auf Gemeinschaftsflächen könnte der dort erzeugte Strom in dem Bau künftig zu 100 Prozent selbst verbraucht werden, so Urbantschitsch. Anlagen können sich – auch ohne Förderung – ab einer Eigenverbrauchsquote von mehr als 80 Prozent rechnen.

Lokale Energiegemeinschaften sollen attraktiver werden

Im Lichte der Klima- und Energiestrategie sollte das Energiegesetz auch neue Möglichkeiten für die geplante „Netztarifstruktur 2.0“ ab dem Jahr 2020 bieten, sagt der Vorstandsdirektor des Energieregulators. Es sollten hier auch lokale Energiegemeinschaften mitberücksichtigt werden, etwa wenn Strom – aus Eigenerzeugung bzw. von privaten Prosumern – über kurze Strecken geliefert werde, über die Straße oder innerhalb einer Ortsgemeinschaft. Es sollten also bei der neuen Tarifstruktur im Hinblick auf Local Energy Communities (LEC) Stromnetz-Ortstarife ermöglicht werden.

Verstaatlichtengesetz soll halten

Dass die Stromversorgung aufgrund des im Verfassungsrang stehenden Zweiten Verstaatlichungsgesetzes mehrheitlich – zu mindestens 51 Prozent – im Eigentum von Bund oder Ländern stehen muss, hält der E-Control-Vorstand „für zweckmäßig“. Gerade im Bereich der Versorgungssicherheit – etwa wenn es um Investitionen in die Netze geht – trage auch der Eigentümer der Netze eine wesentliche Mitverantwortung: „Langfristig kann es zu einem Versorgungsproblem führen, wenn nicht in die Netze investiert wird.“

E-Control will auch nicht-staatliche Netzeigentümer

In der Praxis wäre es schlicht „problematisch, wenn sich Unternehmen aufgrund ihrer Eigentumsstruktur de facto ihrer Verantwortung entziehen könnten“, meinte Urbantschitsch zum jüngst geplatzten Einstieg eines chinesischen Investors in das deutsche Stromnetz: Dem chinesischen Staatskonzern SGCC wurde der Erwerb eines Anteils am Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz verwehrt, das Paket geht stattdessen an die deutsche Staatsbank KfW. „Dass es rechtlich möglich und praxistauglich sei, Eigentumsanteile im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben auch an nicht öffentliche Eigentümer zu übertragen, zeige das Engagement der australischen Macquarie bei der Energie Steiermark oder der deutschen Allianz bei der Gas Connect Austria,“ so der E-Control-Vorstand.