Befristete Auslandstätigkeit: Wo bin ich steuerpflichtig?

31.Juli 2018

Wer sein Geld unter anderem bei kurzer Auslandstätigkeit verdient, bleibt in Österreich steuerpflichtig. Der VwGh hat jetzt präzisiert, was unter „kurz“ zu verstehen ist, wie die Wiener Steuerberatung Artus informiert.

Wer sowohl im Inland als auch im Ausland über einen Wohnsitz verfügt und in beiden Staaten mit seinem gesamten Einkommen unbeschränkt steuerpflichtig ist, darf auf die Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen hoffen. Dadurch wird eine doppelte Besteuerung derselben Einkünfte vermieden. Aber Achtung: Österreich verfügt nicht mit jedem Land über ein derartiges Abkommen.

Die Einkommensart entscheidet

In einem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) wird von der Einkommensart abhängig gemacht, welcher Staat ein Einkommen besteuern darf und welcher Staat letzten Endes ganz oder teilweise auf seine Besteuerung verzichten muss. Dafür ist die Ansässigkeit des jeweiligen Steuerpflichtigen ausschlaggebend.

Ständig und im Mittelpunkt des Lebensinteresses

Eine Person ist in jenem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt. Ist der Steuerpflichtige aufgrund dieses Kriteriums in zwei Staaten wohnhaft, so ist für die Beurteilung der Ansässigkeit der Mittelpunkt des Lebensinteresses festzustellen. Der Mittelpunkt des Lebensinteresses liegt dabei in jenem Staat, zu dem die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen bestehen.

Längerer Beobachtungszeitraum als bisher

Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat in einem aktuellen Urteil festgestellt, dass bei der Ermittlung des Mittelpunktes der Lebensinteressen nicht nur auf die Verhältnisse eines Jahres, sondern auf einen längeren Beobachtungszeitraum abzustellen ist. Eine zeitlich begrenzte Auslandstätigkeit lässt den Mittelpunkt der Lebensinteressen nämlich auch dann im Inland bestehen, wenn die Familie an den Arbeitsort im Ausland mitzieht, die Wohnung im Inland aber beibehalten wird. Darüber hinaus kommen wirtschaftlichen Beziehungen in der Regel eine geringere Bedeutung zu als persönlichen Beziehungen.

Zwei Jahre sind immer noch „kurzfristig“

Bei kurzfristig befristeten Auslandsaufenthalten ist daher noch nicht von einer Verlagerung der Ansässigkeit ins Ausland auszugehen. Als kurzfristig wurde dabei ein Zeitraum bis zu einer Dauer von etwa 2 Jahrenangesehen.

Steuerpflicht vorher feststellen

Die steuerrechtliche „Ansässigkeit“  ist bereits im Vorfeld einer Auslandstätigkeit zu beurteilen. Bei eine längerfristigen Veränderung des Wohnsitzes  sind neben den Steueraspekten auch mögliche sozialversicherungsrechtliche (Begründung einer Versicherungspflicht im Ausland) und nationale steuerliche Konsequenzen wie die Wegzugsbesteuerung im Inland zu berücksichtigen.

 

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