Österreich: Milliardenschwere Investitionen in Breitbandausbau notwendig

05.Juli 2018

Österreich liegt in vier von fünf Wachstumskategorien – Basis-Infrastruktur, Forschung und Innovation, Bildung sowie Gesundheit – EU-weit unter den besten fünf Standorten. Bei der digitalen Infrastruktur landet Österreich im europäischen Vergleich aber nur auf Platz 13, heißt es in einer Studie von EY Österreich. Österreich benötigt Dutzende von Milliarden für den Breitbandausbau. 

Zusätzliche Investitionen von mehr als 80 Milliarden Euro seien bis 2025 nötig, um die Investitionsflaute seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 auszugleichen. Schweiz, Schweden, Niederlande und Dänemark sind Europas Top-Performer über alle Kategorien hinweg – Österreich liegt gleichauf mit Finnland auf Platz fünf. Die Studie „Investing in Europe’s Future“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY wertete dazu Kennzahlen für die fünf Wachstumskategorien Innovation und Forschung, Digitalisierung, Basis-Infrastruktur, Bildung sowie Gesundheit für alle EU-Staaten inklusive dem Vereinigten Königreich sowie der Schweiz aus.

Unter den führenden Standorten Europas

Österreich gehört zu den Top-5-Standorten in Europa: In vier der fünf zentralen Wachstumskategorien der „Europa 2020“-Strategie – Basis-Infrastruktur, Forschung-und Innovation, Bildung sowie Gesundheit – belegt Österreich Spitzenplätze und liegt jeweils unter den führenden fünf Standorten in Europa. Im Bereich Gesundheitswesen rangiert Österreich sogar auf dem dritten Platz.

Osteuropa und Griechenland am Tabellenende

Die Schweiz und Schweden gehören ebenso wie die Niederlande und Dänemark über alle Kategorien hinweg zu den Top-4 Europas. Am schlechtesten schneiden insgesamt die osteuropäischen Staaten Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien sowie Griechenland ab. Insbesondere die Schweiz sticht heraus. Sie belegt in allen Kategorien den ersten Platz. Einzig bei der Digitalisierung gibt es für die Schweiz keine Auswertung, weil die zugrunde liegenden Quellen lediglich EU-Staaten erfassen.

Juncker-Plan

Hintergrund der EY-Studie ist die sogenannte „Investitionsoffensive für Europa“, besser bekannt als „Juncker-Plan“. Diese soll Investitionen anregen, um das zukünftige Wachstum in ganz Europa langfristig nicht zu gefährden. Um das zu erreichen, hat die Europäische Kommission einen Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) eingerichtet.

Österreich hat Nachholbedarf bei digitaler Infrastruktur

Österreich hat großen Nachholbedarf in der zukunftsträchtigen Wachstumskategorie Digitalisierung: Mit Rang 13 liegt man hier nur im Mittelfeld. Die nordischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland führen in diesem Bereich das Ranking an.  Es brauche dringend Investitionen in die digitale Infrastruktur, um im Standort-Ranking nicht an Boden zu verlieren. In Österreich seien vor allem ländliche Gegenden von schnellem Internetzugang abgeschnitten, so die Studie. Das träfe einige Hidden Champions, die am Land gegründet wurden. Für sie könnte es zu einem großen Problem werden, wenn immer mehr Maschinen und Produkte miteinander vernetzt werden und über schnelle Internetleitungen miteinander kommunizieren müssen.

Mehr Glasfaser als Asphalt: 80 Mrd. Euro für Digitalstrukturen

In Österreich sind die Investitionsraten vergleichsweise hoch, allerdings fließen Investitionen hauptsächlich in traditionelle Sektoren wie die Verkehrsinfrastruktur. Zu wenig investiert wird hingegen in den Bereichen Vernetzung bzw. Aus- und Weiterbildung, wodurch künftiges Wachstum in Gefahr ist. Bei einem Aufholprogramm, das die Investitionsflaute nach der Finanzkrise 2008 mit überdurchschnittlich hohen jährlichen Investitionen ausgleichen soll, müssten öffentliche und private Investoren zusammen jährlich bis 2025 insgesamt knapp 84 Milliarden Euro zusätzlich investieren. Bei jährlich steigenden Investitionsausgaben würde 2025 der Höhepunkt mit zuzüglich knapp 17 Milliarden Euro erreicht werden. Das entspricht etwa 3,5 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes. Sollte Österreich bis 2025 „nur“ auf den höchsten Investitionsstand aus der Zeit vor dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 – das waren 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – zurückkehren, müssten die Investitionsausgaben bis 2025 immer noch um insgesamt knapp 50 Milliarden Euro ansteigen.

Defizite in allen innovationsrelevanten Bereichen

Österreich hat es trotz über die letzte Dekade versäumt, in Spitzentechnologie ‚zu Hause‘ zu investieren. In der Folge hat die heimische Infrastruktur gelitten – und das betrifft nicht nur digitale Infrastruktur wie Glasfaserkabel, sondern letztlich alle Bereiche, die für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum relevant sind.

Größte Volkswirtschaften haben digitale Probleme

Auffällig ist insbesondere, dass gerade die größten Volkswirtschaften Europas ausgerechnet bei der Digitalisierung vergleichsweise schwach abschneiden: Neben Deutschland auf Platz elf geben auch Frankreich auf Platz 17 und Italien auf Platz 25 keine gute Figur ab. Am besten schneidet noch das Vereinigte Königreich auf Platz sechs ab. Um in der Vergangenheit versäumte Investitionen in Europa wieder aufzuholen, müssten die jährlichen Investitionsaufwendungen bis 2025 um insgesamt knapp 6,5 Billionen Euro zulegen.

 

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EY-Studie „Investing in Europe’s Future“