Banking 2030: Das sind vier Zukunftsthemen für die Finanzinstitute Österreichs

29.Juni 2018

Banking ist heute zum Minenfeld geworden: Digitale Technologien, neue Geschäftsmodelle und wechselndes Kundenverhalten verändern das Bankwesen grundlegend. Dazu kommen Niedrigzinsen und volatile Börsen. Eine KPMG-Studie hat die vier wichtigsten Zukunftsthemen in der heimischen Bankenlandschaft erfragt.

Eine langfristige Planung sei aufgrund der schnelllebigen Technologieentwicklung nicht möglich, heißt es in der Studie. Die Bankinstitute müssen zunehmend mit neuen Technologien experimentieren. Branchenexperten – Vorstände und Bereichsleiter der Top-Banken in Österreich, Vertreter von Fintechs und Regtechs sowie das KPMG Financial Services-Team – haben Handlungsempfehlungen zu vier Zukunftsthemen erarbeitet.

Offene Systeme

Wichtig ist, dass in Zukunft offene Systeme die Kernbankensysteme ergänzen und gleichwertige Kanäle darstellen. Es wird daher auch hier einen ständigen Change-Prozess geben. Österreich – als relativ kleiner Markt – kann seine Größe als Vorteil nutzen und als Testmarkt für neue Markteinführungen fungieren.

Beratung bei Spezialthemen – sonst Do it yourself

Die Bedürfnisse von Retail- und Firmenkunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Im Vergleich zu anderen Branchen haben Banken großen Aufholbedarf. Starre Strukturen sind hierbei gefährlich. Erstklassige Beratung wird in den wichtigsten Bereichen (zB Wohnbaufinanzierung) erwartet. Ansonsten sollte alles „Do it yourself“ sein. Bei der Generation Y hat die Bank ihre Rolle als exklusiver Partner für die persönlichen Finanzgeschäfte verloren.

Umfassende Internetzzugang zu allen Konten

Convenience, Verfügbarkeit, Individualisierbarkeit und Erlebnis sind die wesentlichen neuen Erfolgsfaktoren. Neue Anbieter setzen stark auf diese Faktoren und agieren dabei effektiver an der Kundenschnittstelle. Firmenkunden erwarten sich Convenience vor allem beim Multibanking, dh die Möglichkeit via Online-Banking auf eigene Konten unterschiedlicher Banken zuzugreifen. Beratungsbedarf gibt es bei komplexen Fragestellungen.

Mitarbeiter werden für wertstiftende Arbeiten freigespielt

Viele Veränderungen bringen viel frischen Wind: Die Prozesse werden weitgehend automatisiert werden. Dies führt zu einem optimalen Einsatz der Mitarbeiter, da diese sich dadurch wertstiftenden Aufgaben widmen können. Der Einsatz von Bots und Robotics führt zu sinkenden Kosten bei steigender Qualität – das Fachwissen bleibt bei den Mitarbeitern.
Vor allem Banken verwalten immense Datenmengen. Obwohl eine Automatisierung und Strukturierung der Daten bereits stattfindet, werden sie nicht immer optimal genutzt. Ziel ist eine Standardisierung, Vereinfachung und Strukturierung der Daten, da sich auch die Datenanforderungen erhöht haben bzw weiter erhöhen werden.

Risikomanagement: KI wird limitiert

Cyberattacken haben längst  die Bankenbranche erreicht. Ein Trend ist erkennbar: Weg von formaler Compliance hin zu Effektivität. Das ist durch Semiautomatisierung möglich. Zusätzlich müssen sich die Banken im Zuge der Digitalisierung auf eine detaillierte Überprüfung seitens der Aufsicht vorbereiten, insbesondere auf die Prüfung der Funktionalitäten von Künstlicher Intelligenz. Der Einsatz davon im Bankbereich ist wohl nur eingeschränkt möglich, denn wirksame KI kann nicht ausreichend kontrolliert werden. Die Regulatoren werden dies als Anlass nehmen, den Einsatz in Banken zu limitieren bzw Überprüfbarkeit zu fordern. Somit ist vor allem im IT-Bereich der Branche mit einem Anstieg der Regularien zu rechnen.

 

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