Korruption in Österreich: Unternehmen melden deutlich weniger Anlassfälle

15.Juni 2018

Jedes zehnte österreichische Unternehmen registrierte in den vergangenen zwei Jahren einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall – zwei Jahre davor war es noch jedes vierte. Weltweit gibt es aber in Sachen Korruption wenig Fortschritte, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens EY.  

Die österreichischen Unternehmen machen deutliche Fortschritte im Kampf gegen Betrug und Korruption: Nachdem 2016 noch fast jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) hierzulande innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierte, liegt der Anteil 2018 bei zehn Prozent und ist somit deutlich niedriger. Österreich reiht sich damit im weltweiten Mittelfeld ein. Am höchsten ist die Anzahl entdeckter Fälle in der Ukraine (36 Prozent), Kenia (26 Prozent), Belgien und Russland (jeweils 20 Prozent). Knapp dahinter rangieren Deutschland und Großbritannien mit je 18 Prozent.

Globale Entwicklung stagniert

Weltweit gab es seit 2016 hingegen keinen nennenswerten Rückgang von Betrugs- oder Korruptionsfällen. Der Durchschnitt liegt bei elf Prozent und damit nur um einen Prozentpunkt unter der damaligen Marke. Eine Studie der Beratungsorganisation EY hat über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt. 50 davon kamen aus Österreich.

Die österreichische Wirtschaft ist inzwischen im internationalen Vergleich bei Compliance-Themen gut aufgestellt. „Das Bewusstsein ist stark gestiegen, viele Unternehmen haben Überwachungssysteme eingeführt“, heißt es in einer Aussendung von EY.

Manager orten kaum Korruption in Österreich

Die starke Abnahme der registrierten Fälle in Österreich zieht auch einen deutlichen Rückgang bei der durch heimische Manager wahrgenommenen Korruptionsverbreitung nach sich: Nur jeder 16. Manager in Österreich (sechs Prozent) hält Bestechung bzw. korrupte Methoden hierzulande für weit verbreitet – das sind noch weniger als vor zwei Jahren (zehn Prozent). Nur in Deutschland, der Schweiz (je zwei Prozent) sowie Finnland und Schweden (je vier Prozent) liegt der Anteil niedriger. In Ländern wie Brasilien (96 Prozent), Kolumbien (94 Prozent) oder Nigeria (90 Prozent) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Österreicher bemühen sich um korrekte Haltung

Bei der Frage nach der eigenen Hemmschwelle für unethische Handlungen, um finanzielle Einbußen für das eigene Unternehmen zu verhindern, zeigen Österreichs Manager eine sehr korrekte Einstellung: Selbst in Notlagen würde kein einziger Bargeldzahlungen leisten, persönliche Geschenke machen oder Finanzergebnisse falsch darstellen. Vier Prozent wären dazu bereit, Einladungen, zum Beispiel zum Essen oder für ein Fußballspiel, auszusprechen, um das Verhältnis zu ihren Geschäftspartnern zu verbessern.

Der Anstand ist global weniger gefragt

International sieht das anders aus: 13 Prozent der Manager würden Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen. Auch Einladungen (21 Prozent) oder persönliche Geschenke (elf Prozent) halten viele Manager weltweit für gerechtfertigt. Insgesamt 36 Prozent würden zu einer dieser unlauteren Praktiken greifen.
In Österreichs hat sich die Einstellung gefestigt, dass auch kleine Verstöße gegen Compliance-Richtlinien kein Kavaliersdelikt sind. 2016 wäre noch jeder fünfte heimische Manager in misslichen Lagen zu Geschenken oder Bargeldzahlungen bereit gewesen. Heute wird das von allen als Tabu gesehen, so EY. Eine Grauzone seien Einladungen, die auch nur noch jeder Zwanzigste für vertretbar halte.

Cyber-Angriffe echtes Risiko für Unternehmenserfolg

Passend zu den weiteren Ergebnissen sehen österreichische Manager Betrug und Bestechung als vergleichsweise geringes Risiko (16 Prozent) für den Geschäftserfolg. Am meisten Kopfzerbrechen bereiten ihnen das makroökonomische Umfeld (60 Prozent) und Cyber-Angriffe, die gleichauf mit der Compliance mit dem Wettbewerbsrecht auf Platz zwei liegen (je 32 Prozent). Zwei Drittel der heimischen Manager sind aber immer noch der Meinung, dass dieses Risiko ihr Unternehmen nicht trifft.

Angriffe werden immer spezifischer

Die Angriffsziele in Österreich werden immer spezifischer. Auch der Mittelstand ist längst ins Fadenkreuz der Angreifer geraten. Die Tricks reichen von klassischen Hacker-Angriffen bis hin zu sogenanntem Social Engineering, bei dem sich Betrüger als hochrangige Mitarbeiter ausgeben, um unternehmensinterne Systeme zu infiltrieren und Zahlungen zu beauftragen.

Österreichs Unternehmen sanktionieren kaum

Allerdings hinkt Österreich im internationalen Vergleich noch bei der Ahndung von Verstößen hinterher: In nicht einmal sechs von zehn Unternehmen (58 Prozent) gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen unternehmenseigene Compliance-Richtlinien. International ahnden knapp acht von zehn Unternehmen (78 Prozent) derartige Verstöße. Damit gehört Österreich weltweit zu jenen Ländern, in denen Vergehen vergleichsweise am wenigsten bestraft werden: Weniger strikt sind die Regeln nur in Russland (42 Prozent) sowie Luxemburg, Singapur und der Ukraine (je 52 Prozent). In China und Großbritannien haben die meisten Unternehmen (je 94 Prozent) klare Regeln.
Dementsprechend wenig Sanktionen sprachen Österreichs Unternehmen aus: So wurden in den vergangenen zwei Jahren nur in 26 Prozent der österreichischen Unternehmen Mitarbeiter, die sich nicht an die Compliance-Regeln hielten, bestraft. Weltweit ist der Anteil mit 57 Prozent mehr als doppelt so hoch. Mit weniger Sanktionen kamen nur Unternehmen in Litauen (16 Prozent) und Italien (24 Prozent) aus. Besonders kompromisslos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bestraften.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen vor einem Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder achte.

 

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