Premiummarken profitieren: Warum China die Zollschranken senkt

23.Mai 2018

Nach der Einigung im Handelskonflikt mit den USA will China Einfuhrzölle auf Pkw und Autoteile deutlich senken. Die Zollschranken werden für die meisten Pkw-Modelle von 25 Prozent auf 15 Prozent verringert, teilte das Finanzministerium  in Peking mit. Mindestens so wichtig: Die Pflicht zu chinesischen Joint Ventures wird für ausländische Produzenten gelockert. 

Der verringerte Zollsatz gilt künftig auch für Lastwagen, die an der Grenze bisher um 20 Prozent verteuert wurden. Außerdem werden die Zölle auf bestimmte Autoteile von rund zehn Prozent sinken auf sechs Prozent sinklen. Die neuen Regeln greifen ab dem 1. Juli. Damit werde der Automobilmarkt geöffnet und weiterentwickelt, erklärte das Ministerium. Profitieren werden davon nach Einschätzung von Analysten vor allem die deutschen Autobauer, die in erster Linie Premiumautos noch einführen.

Einigung mit den USA

Am Montag schlossen die USA und China nach monatelangen gegenseitigen Zolldrohungen eine Grundsatzvereinbarung, um den hohen Exportüberschuss Chinas gegenüber den Vereinigten Staaten abzubauen. China hatte schon im April angekündigt, die Regeln am weltweit größten Automarkt zu lockern. Neben niedrigeren Zollschranken gehört dazu das schrittweise Abschaffen der Pflicht für ausländische Hersteller, in Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern zu produzieren.

Premiummarken profitieren

Der niedrigere Zoll verbessert nicht nur die Marktposition der US-Autobauer wie Tesla oder Ford, sondern vor allem auch der deutschen Premium-Autohersteller. BMW, Daimler und Volkswagen mit den Premium-Töchtern Audi und Porsche erhöhten unter anderem wegen des Zolls in den vergangenen Jahren ihre Fertigung in China, haben aber noch immer einen Importanteil von bis zu einem Drittel. Die VW-Tochter Porsche verkauft ausschließlich Importfahrzeuge aus deutscher Produktion, Mercedes zum Beispiel die Luxuslimousine S-Klasse.

Neue Situation am Importmarkt

Die Zollsenkung werde die wirtschaftliche Logik von Einfuhren nach China und lokaler Produktion dort grundlegend ändern, erklärten die Analysten des Investmentberaters Evercore ISI. „Auf Basis der jetzigen Importvolumina würde BMW am meisten profitieren, gefolgt von Daimler und VW.“ Eine Zollsenkung um zehn Prozent bedeute für BMW und Daimler jeweils gut eine Milliarde mehr Vorsteuergewinn – allerdings nur unter der Annahme, dass die Abgabenersparnis nicht über niedrigere Preise zum Teil an die Kunden in China weitergegeben werden muss.

Trump will mehr

US-Präsident Donald Trump zeigte sich unzufrieden über die jüngsten Handelsgespräche mit China. Die Tür für weitere Treffen bleibe jedoch offen, sagte Trump am Dienstag am Rande eines Besuchs von Südkoreas Präsident Moon Jae-in. Die Gespräche seien ein Anfang gewesen.

ZTE ist noch nicht gerettet

Im Streit zwischen beiden Regierungen wegen des amerikanischen Verbots, Bauteile an den chinesischen Technologiekonzern ZTE zu verkaufen, gebe es keine Einigung, sagte Trump. In mit den Gesprächen vertrauten Kreisen hieß es, die USA könnten im Gegenzug zu chinesischen Zugeständnissen das Verbot aufheben. Kongressabgeordnete beider Parteien bemühen sich derzeit darum, Trump die Lockerung der Strafmaßnahmen gegen ZTE zu untersagen. Die Regierung in Peking pocht auf solche Erleichterungen, weil der Konzern wegen der US-Maßnahmen am Boden liegt. (APA)