Essen auf Rädern: Lieferdienste boomen

11.Mai 2018

Österreicher lassen die Kassen von Online-Bestellportalen für Pizza, Sushi und Co immer stärker klingeln: 2017 hat das Geschäft der Essens-Lieferdienste um rund 50 Prozent zugelegt, so der Österreich-Chef der Online-Plattform Mjam, Michael Hagenau. Das Unternehmen will weiter expandieren und, wie die Schwester Foodora, nun auch Radboten einsetzen.

Hagenau prophezeit der Branche, in der hierzulande Anbieter wie Mjam/Foodora, Lieferservice.at und Uber Eats um hungrige Kunden buhlen, auch heuer ein Umsatzwachstum von über 40 Prozent: „Ich kann keine Verlangsamung erkennen.“ Eine Fusion am österreichischen Liefermarkt sei derzeit absolut kein Thema. Der Konkurrent Lieferservice, eine Tochter von Takeaway.com, setzte in Österreich laut Geschäftsbericht 2017 über 10 Mio. Euro um – ein Plus von 57 Prozent.

Marketing befeuert Verdrängung

Mjam, das wie Foodora zum börsenotierten Berliner Start-up Delivery Hero gehört, wachse momentan aber schneller als der Mitbewerb, sagte Hagenau. Der Kampf um Marktanteile ist freilich nicht gratis, ins Mjam-Marketing ist 2017 ein „hoher siebenstelliger“ Betrag geflossen. Aber auch außerhalb der Städte ist das Unternehmen auf den Geschmack gekommen: „Wir hätten nicht gedacht, dass in kleinen Dörfern so viel bestellt wird“, erzählte der Mjam-Chef.

Mehrheit der Fahrer sind freie Dienstnehmer

Für Zustellungen bei Foodora sind in Wien etwa 600 Radboten unterwegs. Davon sind rund 70 angestellt, der Rest sind freie Dienstnehmer. Mehr Fahrer fix anzustellen, steht nicht auf der Agenda. Weil im Sommer die Bestellungen zurückgehen, gibt es weniger Schichten – da zahlt sich das nicht aus, so Hagenau. Im Winter wiederum gebe es einen Fahrermangel.

Zehn Euro pro Stunde plus Trinkgeld

„Durchschnittlich fahren unsere Fahrer circa 10 bis 15 Stunden pro Woche. Zahlreiche unserer Rider bemühen sich, hier unter der Geringfügigkeitsgrenze zu bleiben.“ Im Schnitt verdiene ein Fahrer neun bis zehn Euro pro Stunde, plus zwei Euro Trinkgeld. Für die Räder gebe es eine Verschleißpauschale von bis zu 38 Cent pro Kilometer. Das Unternehmen will den Fahrern künftig mehr „Benefits“ anbieten, „wie gratis Sonnencreme oder Sonnenbrillen für die heißen Tage“. Zudem gebe es auch einen eigenen Arzt, der von allen Radfahrern jederzeit gratis konsultiert werden könne. Im Schnitt geben Mjam-Kunden 20 Euro pro Lieferessen aus, bei Foodora ist es etwas mehr. Der beste Kunde bestellt übrigens täglich, „manchmal auch mehrmals“, so der Mjam-Chef. (APA)