Start-ups in Kenia: Afrika steht mit einem Fuß in der mobilen Wirtschaft

08.Mai 2018

Afrika verfügt in einzelnen Ländern über eine boomende Wirtschaft und besonders spannend – eine lebendige Start-up-Szene. Rund um Kenias Hauptstadt Nairobi etwa arbeiten rund 500 junge Unternehmen an Apps und anderen IT-Dienstleistungen. Die Region nennt sich „Silicon Savannah“.

1,2 Milliarden Menschen leben in Afrika, 60 Prozent davon sind unter 25 Jahre alt. Bis 2050 dürfte sich die Bevölkerung verdoppeln. Schon jetzt hat die Hälfte der Afrikaner ein Mobiltelefon, für viele ist es das erste hoch-technologische Gerät. Was man in Europa übersieht: In Afrika wurden einige Technologien wie etwa die leitungsgebundene Kommunikation übersprungen. Umso rasanter breitet sich die mobile Kommunikation mit allen ihren Möglichkeiten aus.

China übernimmt Antriebs-Funktion

In Europa nehme man die innovative Kraft Afrikas kaum wahr, klagen Hans Stoisser, Geschäftsführer von Ecotec und Karin Krobath, Partnerin der Agentur Identitäter. Im Gegensatz dazu mache sich China in Afrika breit. Das offizielle China gebe Geld ohne Bedingungen und mache „Geschäfte auf Augenhöhe“. Dazu kommen 9.000 private chinesische Unternehmen, die in Afrika aktiv sind. Europäer hingegen stempeln die Afrikaner als korrupt, frauenfeindlich und nicht menschenrechtskonform ab und ignorieren sie. Stoisser und Krobath wollen – zum zweiten Mal – österreichische Firmen nach Kenia bringen, um sich vor Ort von der Dynamik und den Möglichkeiten zu überzeugen.

Dezentrale Wirtschaftsysteme

Kenia sei aber nicht der einzige „Innovationshub“ in Afrika. Auch in Ruanda, Ghana, Nigeria, Südafrika und Ägypten gebe es eine entsprechende Szene. Laut südafrikanischem Start-up-Portal „Disrupt Africa“ geht ein Drittel der Investitionen in die dezentrale Versorgung benachteiligter Regionen mit Energie, ein Fünftel in Finanztechnologie, und ein Siebentel in den digitalen Handel.

Mobildienste sind Alleskönner

Wie mächtig die Szene ist, zeigt sich an dem 2007 gegründeten und inzwischen „alteingesessenen“ M-Pesa, über dessen mobile Dienste 45 Prozent der Wirtschaftsleistung Kenias abgewickelt werden. Wer ein Mobiltelefon besitzt, bekommt dadurch Bankkonto, Kreditkarte und Sparbuch, was vielen Menschen erst die Teilhabe am Wirtschaftsleben ermögliche. In Afrika gab es diese Dienste schon lange vor Europa, M-Pesa sei in diesem Sektor Weltmarktführer. (APA)