Finanzierung: Warum es für KMU wieder leichter ist, an Kredite zu kommen

26.April 2018

Banken vergeben wieder leichter Kredite an mittelständische Betriebe und begnügen sich schon mal mit durchschnittlicher Bonität, heißt es in einer Studie von EY. Allerdings rechnen zwei von drei Unternehmen in Österreich 2018 mit steigenden Kosten für eine Finanzierung.

Die seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise und durch Basel-Regulierungen schwieriger gewordene Kreditvergabe für Österreichs mittelständische Betriebe hat sich deutlich gelockert. Der Anteil jener Unternehmen, die unter einem erschwerten Zugang zu Kreditfinanzierungen leiden, sei deutlich zurückgegangen, heißt es in einer EY-Studie zur „Finanzierung im österreichischen Mittelstand 2018“. Während 2017 noch 43 Prozent der heimischen Betriebe beklagten, dass die Kreditvergabe der Banken in den vergangenen drei Jahren (eher) restriktiver geworden ist, sind es heuer nur noch 30 Prozent. Mehr als jeder Fünfte (21%) spricht sogar von einem einfacheren Zugang zu Bankkrediten. Für die Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY sind 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich befragt worden.

Konditionen günstig

EY ortet deutliche Entspannungseffekt. Die Wirtschaft brumme wie schon lange nicht mehr, die Banken hätten wieder Polster aufgebaut und vergeben leichter Kredite: „Bei Unternehmen mit Top-Bonitäten sind die Konditionen so günstig wie zuletzt vor zehn Jahren.“ Die Kreditmargen hätten sich bei guten Bonitäten wieder auf Vorkrisenniveau eingependelt“.

Änderung der Zinslandschaft wird erwartet

Österreichs mittelständische Betriebe rechnen grundsätzlich eher mit einer Verschlechterung der Kreditkonditionen: Zwei von drei Unternehmen in Österreich (66 Prozent) gehen davon aus, dass die Finanzierungskosten ihres Unternehmens heuer gegenüber 2017 steigen werden. Nur rund jeder dritte Befragte rechnet für das kommende Jahr mit sinkenden Finanzierungskosten. Insbesondere Unternehmen mit guter Geschäftslage (69%) rechnen damit, dass sich die derzeit günstigen Konditionen wieder verschlechtern werden. Betriebe mit aktuell (eher) schlechter Geschäftslage haben schon bisher nicht in dem Ausmaß von wieder günstigeren Konditionen profitiert – demensprechend rechnen weniger dieser Unternehmen (56%) mit steigenden Finanzierungskosten.

Entspannung kommt im „Mittelfeld“ an

Nachdem es bereits 2017 eine leichte Entspannung für Unternehmen mit Top-Bonität gab, weite sich dieser Effekt nun aus. Nachdem Banken in den letzten beiden Jahren schon wieder mehr Kredite an Unternehmen mit guter Bonität vergeben haben, erhalten mittlerweile auch Betriebe im ‚Mittelfeld‘, also mit mittlerer Bonität und Größe, wieder einfacher Bankkredite. Unter den großen Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz ist der Anteil derer, die eine restriktive Kreditvergabe beobachten, dementsprechend im Vergleich zu 2017 von 47 auf 26 Prozent gesunken. Bei Unternehmen im „Mittelfeld“ mit 30 bis 100 Millionen Euro Umsatz gab es einen Rückgang von 41 auf 16 Prozent. Bei Unternehmen mit weniger als 30 Millionen Euro Umsatz hat sich hingegen noch keine Entspannung eingestellt: Dort geben 37 Prozent – und damit nur knapp weniger als im Vorjahr (43%) – an, dass die Kreditvergabe in den letzten drei Jahren restriktiver geworden ist. 

Kleine Betriebe sind auf Kredite angewiesen

Die Finanzierungsform ist eine Frage der Größe: Während große Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz ihr Kapital vor allem aus der Innenfinanzierung ziehen (71%), tun sich kleinere Betriebe mit weniger als 30 Millionen Umsatz schwerer (54%). Diese setzen deshalb stärker auf Bankkredite (55%), die bei den großen Unternehmen eine geringere Bedeutung haben (46%).

 

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