Betriebliche Mitarbeitervorsorge: So funktioniert die Abfertigung „neu“

10.April 2018

Wer zahlt ein? Wer zahlt aus? Wenn begünstigt die Betriebliche Mitarbeitervorsorge zu welchem Zeitpunkt? Unternehmerinnen und Unternehmer sind häufig mit Fragen konfrontiert, an die sie bei Betriebseintritt eher weniger gedacht haben. Hübner & Hübner haben die wichtigsten Antworten zur Betrieblichen Mitarbeitervorsorge zusammengetragen.

Für echte und freie Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis nach dem 1.1.2003 begonnen hat, gilt das Betriebliche Mitarbeiter- und Selbstständigenvorsorgegesetz.

Einzahlung in Vorsorgekassen

Die Finanzierung der Abfertigung NEU wird durch ein beitragsorientiertes Kassenmodell gesichert. Die Abfertigungsbeiträge werden an sogenannte betriebliche Vorsorgekassen (BV) ausgelagert.
Jedes Unternehmen hat einen Beitrittsvertrag mit einer BV-Kasse abzuschließen. Für jeden Arbeitnehmer wird ein Konto geführt, das als Grundlage für die Berechnung der Abfertigung herangezogen wird.

Wie hoch ist die Abfertigung?

Ab dem 2. Monat eines Dienstverhältnisses führt der Arbeitgeber monatlich 1,53% des Bruttoentgelts mit dem Sozialversicherungsbeitrag an die Krankenkasse ab, die den Betrag an die Abfertigungskasse weiterleitet. Die Höhe der Abfertigung ist die Summe der einbezahlten Beiträge. Der von der Abfertigungskasse ausbezahlte Betrag wird mit 6% besteuert.

Beiträge laufen (fast) immer

Die Abfertigungsbeiträge sind vom Arbeitgeber auch zu entrichten während:

  • Präsenz-, Zivildienst
  • Mutterschutz und Krankenstand
  • Altersteilzeit, Teilpension, Bildungsteilzeit
  • Wiedereingliederungsteilzeit

Anspruch auf Auszahlung 

Der Anspruch auf Auszahlung der Abfertigung besteht grundsätzlich bei bestimmten Beendigungen des Arbeitsverhältnisses und richtet sich gegen die Vorsorgekasse. Anspruchsberechtigt ist immer der Arbeitnehmer.

Jedenfalls besteht ein Anspruch bei:

  • Inanspruchnahme einer Eigenpension aus der gesetzlichen Pensionsversicherung
  • nach Vollendung des Anfallalters für die vorzeitige Alterspension oder nach Vollendung des 62. Lebensjahres

Es gibt Wartezeit

Nach drei Einzahlungsjahren besteht ein Anspruch bei:

  • Arbeitgeberkündigung
  • unverschuldeter oder ungerechtfertigter Entlassung
  • berechtigtem vorzeitigen Austritt des Arbeitnehmers
  • einvernehmlicher Auflösung
  • Tod
  • Beendigung durch Zeitablauf

Kein Verfügungsanspruch

Es gibt keinen Anspruch auf Auszahlung unter folgenden Fällen:

  • Arbeitnehmerkündigung
  • Austritt ohne wichtigen Grund
  • Verschulden des Arbeitnehmers an der Entlassung
  • Nichtvorliegen von 3 Einzahlungsjahren

Die Wahlmöglichkeiten

Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen haben mehrere Verfügungsmöglichkeiten.

  • Auszahlung der Abfertigung
  • Weiterveranlagung der Abfertigung in der bisherigen BV-Kasse
  • Übertragung der Abfertigung in die BV-Kasse des neuen Arbeitgebers
  • Überweisung der Abfertigung in eine Altersvorsorgeeinrichtung (z.B. Pensionskasse)

Bei Beendigung des Dienstverhältnisses 

Bei allen Arten der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses geht das angesparte Kapital nicht verloren. Es bleibt unabhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses erhalten.

Keine automatische Auszahlung

Die gewünschte Verfügungsmöglichkeit ist der BV-Kasse binnen 6 Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bekannt zu geben. Automatisch ausgezahlt wird nicht.

 

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