Heimische Start-up-Szene erhielt im Vorjahr deutlich mehr Geld

26.März 2018

Die österreichische Start-up-Szene befindet sich im Aufschwung: Jungunternehmen erhielten im Vorjahr mit 138 Millionen Euro rund vier Mal so viel Kapital wie 2016. Im Ranking der aufregendsten Gründer-Städte führt London vor Berlin und Paris – Wien schafft es knapp in die Top-20. Das meint dar europäische Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. 

Die österreichische Jungunternehmer-Szene erlebte im vergangenen Jahr einen deutlichen Aufschwung: Österreichs Start-ups haben 2017 rund vier Mal so viel Geld durch Finanzierungsrunden eingenommen wie im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtwert ist von 34 Millionen Euro auf 138 Millionen Euro gestiegen. Damit belegt Österreich Rang 14 im europäischen Vergleich und liegt ungefähr auf dem Niveau von Belgien (123 Millionen Euro), Norwegen (146 Millionen Euro) und Italien (148 Millionen Euro).

Biotech- und Gesundheitsbranche liegen vorne

Gleichzeitig ist auch die Zahl der Finanzierungsrunden nach oben gegangen: Sie stieg um mehr als das Doppelte von 14 auf 35. Gleichzeitig sind die Finanzierungen in der Breite besser geworden. Der Biotech- und Gesundheitsbereich bekommt momentan besonders hohe Kapitalspritzen: Alleine die zwei Finanzierungsrunden für Hookipa und Arsanis brachten in Summe fast 100 Millionen Euro ein.

Europaweit steigen Investitionen im 85 Prozent

Der Start-up-Trend setzt sich in ganz Europa fort. Es werden Rekordsummen investiert: Der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 84 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte um 39 Prozent auf 3.656 zu. Auf Investorenseite sei das Interesse an vielversprechenden Geschäftsideen und innovativen Technologien nach wie vor enorm groß, betont EY Österreich. Obendrein verfügen die Risikokapitalgeber über hohe Summen: Die Bereitschaft, auch sehr hohe Summen in Start-ups zu investieren, sei gestiegen. So stieg die Zahl der Finanzierungen mit einem Volumen von 100 Millionen Euro und mehr im Vergleich zum Vorjahr europaweit von sieben auf 23. Davon entfielen elf Transaktionen auf britische, sechs auf deutsche und drei auf Schweizer Jungunternehmen.

Britische Start-ups ziehen höchste Investitionen an 

Trotz Brexit stiegen die Investitionen in britische Start-ups besonders stark: Die Zahl der Deals belief sich auf 893 und hat sich somit fast verdoppelt. Das Investitionsvolumen stieg sogar noch stärker an – von 2,7 auf 6,4 Milliarden Euro. Die deutschen Jungunternehmen verzeichneten einen Anstieg der Mittel von 2,3 auf 4,3 Milliarden Euro, französische Start-ups erhielten knapp 2,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,2 Milliarden Euro).

Städteranking: Wien schafft es gerade in die Top-20 

Im europäischen Städteranking liegt London mit 4,9 Milliarden Euro und 547 Finanzierungen weit vorne. Auf dem zweiten und dritten Rang liegen Berlin (3,0 Milliarden Euro) und Paris (2,0 Milliarden Euro). Allerdings wurden in der französischen Hauptstadt mit 364 Transaktionen deutlich mehr Finanzierungsrunden registriert als in Berlin, wo 232 Deals gezählt wurden. Auf den Rängen vier und fünf folgen – gemessen am Investitionsvolumen – Basel und Stockholm mit 1,0 Milliarden Euro bzw. 595 Millionen Euro. Wien belegt mit einem Investitionsvolumen von 119 Millionen Euro, die in 23 Finanzierungsrunden lukriert wurden, Platz 20 im europäischen Städteranking.

Brexit bremst Start-up-Szene nicht

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Analyse ist der massive Anstieg der Aktivitäten in Großbritannien – sowohl in Bezug auf die Zahl der Transaktionen als auch auf das Transaktionsvolumen.EY sieht dafür mehrere Gründe: „Die britische Start-up-Szene ist sehr stark – sowohl im Technologie- als auch im Finanzsektor gibt es zahlreiche vielversprechende Jungunternehmen. Zudem ist bislang völlig unklar, welche konkreten Folgen der Brexit haben wird. Die Karten werden neu gemischt, wenn es tatsächlich so weit ist. Dann könnte Großbritannien für europäische Gründer deutlich an Attraktivität verlieren.“

Größter Deal in der Schweiz

Der größte Deal des Jahres 2017 fand aber nicht in Großbritannien statt, sondern in der Schweiz: Das Basler Biotech-Unternehmen Roviant Sciences erhielt im August umgerechnet fast eine Milliarde Euro. Dahinter rangiert das britische Virtual-Reality-Start-up Improbable, das umgerechnet 445 Millionen Euro erhielt. Der britische Essenslieferdienst Deliveroo konnte 428 Millionen Euro einsammeln, das Berliner Start-up Delivery Hero erhielt bei seinem Börsengang im Juni 423 Millionen Euro und einen Monat zuvor eine Finanzspitze von 387 Millionen Euro.

Heimischer Big Deal im Biotech-Bereich

Auch die beiden größten österreichischen Deals fanden im Biotech- bzw. Gesundheitsbereich statt: Das auf die Entwicklung von aktiven Immuntherapien gegen Krebs und Infektionskrankheiten spezialisierte Wiener Biotech-Unternehmen Hookipa nahm rund 53 Millionen Euro auf, das ebenfalls in Wien ansässige Biotech-Unternehmen Arsanis erhielt eine Finanzierung in der Höhe von rund 40 Millionen Euro. Auf Platz drei reihte sich das Grazer Start-up USound, das auf Mikro-Lautsprecher für Smartphones spezialisiert ist, mit einer Kapitalspritze von 12 Millionen Euro ein.

 

Mehr zum Thema

EY-Start-up-Barometer