KMU: Warum Digitalisierung keine Frage der Größe ist

22.März 2018

Große österreichische Unternehmen treiben Digitalisierung immer stärker an. Kleinere Unternehmen haben damit eher Probleme. Und jedem zehnten Mittelstandsunternehmen fehlt das Personal für höhere Investitionen in digitale Technologien. Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY unter 900 mittelständischen Unternehmen.

73 Prozent der Unternehmen mit über 100 Millionen Euro Umsatz setzen auf digitale Technologien, bei jenen mit bis zu 30 Millionen Euro Umsatz sind es nur 51 Prozen. Rund bei jedem zweiten Unternehmen sind digitale Technologien wichtiger Teil des Geschäftsmodells, heißt es in der Befragung.

Auswertung der Echtzeitdaten für Lieferketten

Wenig überraschend spielen digitale Technologien bei größeren Unternehmen eine wichtigere Rolle als bei den kleinen. EY-Partner Gunther Reimoser spricht von einer „digitalen Zweiklassengesellschaft“ zwischen großen und kleinen. Letztere hätten oft nicht die finanziellen Mittel, Produktion oder Vertrieb umzustellen und könnten auch nicht die nötigen Fachkräfte anstellen. „Dadurch geraten sie aber schnell ins Hintertreffen, weil sie beispielsweise ihre Lieferketten nicht durch Auswertung von Echtzeitdaten optimieren oder ihre Kundenbeziehungen digital pflegen können“.

Fachkräftemangel bremst Digitalisierungspläne

Der Personalmangel stellt die größte Bedrohung für die Zukunftsfähigkeit des österreichischen Mittelstands dar: Nach wie vor klagt rund jeder Zehnte (neun Prozent), dass ihm die Mitarbeiter fehlen, um überhaupt oder mehr in die Digitalisierung zu investieren. Zweitgrößtes Problem sind aktuell finanzielle Hürden (acht Prozent), die vor einem Jahr noch auf Platz eins rangierten. Weitere fünf Prozent der Mittelständler haben nach eigener Einschätzung nicht das nötige Know-how für die Digitalisierung.
Das kann schnell zu Nachteilen im Wettbewerb führen: So setzen Wachstumsunternehmen – also solche, die mit mehr als drei Prozent Wachstum im Jahr 2018 rechnen – stärker auf digitale Technologien als Unternehmen mit weniger guten Geschäftsaussichten. Bei 61 Prozent der besonders dynamisch wachsenden Unternehmen spielen digitale Technologien eine wichtige Rolle, im gesamten Mittelstand nur bei 56 Prozent. Gar keine Rolle spielen digitale Technologien nur bei 14 Prozent der Wachstumsunternehmen. Im gesamten Mittelstand ist der Anteil mit 20 Prozent höher.

Produktionsbereich ist noch wenig digitalisiert

Während im Vertrieb schon zu 76 Prozent digitale Technologien verwendet werden, liege die Rate bei der Produktion erst bei 35 Prozent. Hier gebe es aber einen raschen Aufholprozess, denn Anfang 2017 waren es erst 26 Prozent. Eigene digitale Produkte gibt es bei 15 Prozent der befragten Unternehmen.

Wiens Betriebe sind digitale Vorreiter

Im Bundesländer-Ranking liegen Unternehmen mit Sitz in Wien weiterhin vorne: 66 Prozent der Unternehmen in der Hauptstadt geben an, dass die Digitalisierung bereits jetzt große Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell hat. Damit untermauert Wien seinen Status als digitaler Hotspot Österreichs vor der Steiermark (62 Prozent), die sich im Vergleich zur letzten Befragung von Platz sechs auf Platz zwei vorschiebt. Auf Rang drei folgt Salzburg (59 Prozent). Schlusslichter sind wie schon bei der letzten Befragung das Burgenland (45 Prozent), Oberösterreich und Niederösterreich (je 51 Prozent).

Digitalsierung ist eine Chance

Am optimistischsten wird die Digitalisierung in der Steiermark eingeschätzt: Dort sehen sie 76 Prozent als Chance. Dahinter folgen Niederösterreich und Oberösterreich (je 73 Prozent). Am negativsten eingestellt sind wie schon Anfang 2017 Unternehmen im Burgenland: Dort sieht nicht einmal die Hälfte (47 Prozent) eine Chance in der Digitalisierung.

Banken und Versicherungen sind Vorreiter

(Finanz-)Dienstleister und Händler setzen am stärksten auf Digitalisierung
Insbesondere die heimischen (Finanz-)Dienstleister setzen bereits heute schon stark auf Digitalisierung. Bei 28 Prozent spielt sie eine sehr große Rolle – im österreichweiten Durchschnitt liegt der Anteil nur bei 20 Prozent. Auch Handel und Industrie setzen mit 22 Prozent beziehungsweise 21 Prozent überdurchschnittlich stark auf digitale Technologien. Künftig wollen vor allem Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich und dem Industriesektor stärker in digitale Technologien investieren – dort sehen 78 Prozent bzw. 77 Prozent die Digitalisierung als Chance.

 

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