Vom Robotaxi bis Car2Come: Die Zukunft des autonomen Fahrens

22.Februar 2018

Der wachsende Urbanisierungsgrad  lässt in den Städten Verkehrsbelastung sowie  Mobilitätskosten explodieren. Autonomes Fahren wird nur einen Teil der Lösung darstellen. Das Münchner Consulting-Unternehmen Berryls hat die Zukunft des autonomen Fahrens im urbanen Umfeld untersucht – und drei Geschäftsmodelle autonomer Mobilität ausgemacht . 

Der Urbanisierungsgrad steigt bis 2035 weltweit von 54 auf 62 Prozent an. Die logischen Folgen sind höhere Verkehrs- und Umweltbelastungen sowie rapide steigende Mobilitätskosten in den Städten. Die Folgen sind drastisch: Im Jahr 2015 lag das weltweite Mobilitätsbudget noch bei 3,6 Billionen Euro, bis zum Jahr 2035 wird es sich mehr als verdoppeln. Die Berylls Mobilitätsstudie beleuchtet die Risiken und Chancen im Detail. Basis der Analyse sind die Daten von 200 Großstädten weltweit.

Autonome KFZ: Wichtig, aber nicht grenzenlos

Die Analyse zeigt, dass im Jahr 2035 autonom fahrende Autos in verschiedenen Sharing-Modellen regional bis zu 28 Prozent der innerstädtischen Fahrten übernehmen können, das Potenzial den gesamten Individualverkehr zu ersetzen haben sie jedoch nicht. Als Geschäftsmodell versprechen sie dennoch enorme Chancen und haben damit großen Einfluss auf die Kommunen, Anbieter von Mobilitätsplattformen und die Fahrzeughersteller.

Städte ersticken im Verkehr

Schon heute sind die Probleme urbaner Mobilität unübersehbar: Staus haben allein in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 13 Prozent zugenommen und verursachen alleine in den USA Kosten in Höhe von 110 Milliarden Euro jährlich. Die immer strengeren Umweltauflagen zwingen die Städte nun insbesondere in Europa zur Beschränkung des motorisierten Individualverkehrs in Innenstädten.

Digitalgestützte Mobilitätsservices bei zwei Prozent

Dennoch spielen neue Mobilitätsservices wie Carsharing oder  Ride Hailing-Angebote (UBER, Lyft und Didi Chuxing) bis dato nur eine untergeordnete Rolle. Der urbane Mobilitätsmarkt in Städten mit über 100.000 Einwohnern deckt rund 2,6 Billionen Wege pro Jahr ab und umfasste 2015 ein Marktvolumen von rund 3,6 Billionen Euro – über 80 Prozent des Budgets entfällt auf den Privat-PKW. Nur rund zwei Prozent des Volumens entfallen auf die neuen Angebote der Mobilitätsplattformen und Car Sharing Dienste. Obwohl wesentlich günstiger als ein Taxi, sind UBER und Co. aber aufgrund der vergleichsweise hohen Beförderungskosten immer noch nicht geeignet, ein Massentransportmittel für die tägliche Nutzung zu sein – rund 60 Prozent der Gesamtkosten entfallen heute auf den Fahrer.

Autonomes Fahren macht Mietfahrten billiger

In Zukunft könnte sich dieses Bild mit der Einführung autonom fahrender Fahrzeuge deutlich verändern. Durch den Wegfall des Fahrers und weitgehende Automatisierung von Wartungs- und Ladevorgängen lassen sich km-Preise im Bereich des heutigen ÖPNV realisieren (zwischen 20 und 45 Cent / km). Hierdurch wird der Weg in den breiten Massenmarkt in vielen Regionen der Welt geebnet. Wie schon heute, lassen sich die Fahrzeuge per App ordern, fahren den oder die Passagiere zum Ziel und machen sich dann auf den Weg zum nächsten Kunden. Ausgefeilte Algorithmen sollen Leerfahrten dabei auf ein Minimum reduzieren.

Trilogie des autonomen Fahrens

Die autonomen Angebote teilen sich auf drei Kategorien auf:

  • das in der Regel auf die Einzelbeförderung ausgelegte Robotaxi von Tür-zu-Tür,
  • Pooling-on-Demand, dessen Betrieb dem heutigen Bus ähnelt, aber auf feste Routen und Fahrpläne verzichtet, und
  • Car2Come, der teilautonomen Variante des Carsharings, wobei das Fahrzeug den Weg zu und vom Kunden autonom fährt, dieser aber das Fahrzeug während der Nutzung auch selber steuern kann.

Neue Angebote besetzen 13 Prozent der Mobilitätskosten

Bevölkerungswachstum, Preissteigerungen vor allem in den Emerging Markets, sowie die zunehmende Motorisierung lässt das urbane Mobilitätsbudget von heute 3,6 Billionen auf 8,1 Billionen Euro im Jahr 2035 steigen. Die autonomen Geschäftsmodelle haben im „Basisszenario“ der Studie mit rund 1.600 Milliarden Euro einen signifikanten Anteil. Weltweit werden dann 13 Prozent aller städtischen Wege durch die neuen Angebote abgedeckt.

Bim behauptet sich, Busse werden autonom

Es kommt dabei zu einer Polarisierung zwischen etablierten und aufstrebenden Märkten: Während in Lateinamerika und großen Teilen Asiens und Afrikas fehlende wirtschaftliche wie infrastrukturelle Voraussetzungen die Einführung autonomer Modelle bremsen, bestehen in den etablierten Automobilmärkten größere Potenziale. Europa liegt mit 15 Prozent Marktanteil autonomer Modelle nur leicht über dem globalen Durchschnitt. Nordamerika mit 22 Prozent und China mit 28 Prozent haben ein deutlich höheres Potenzial. Berylls schließt daraus, dass autonomes Fahren das Stadtbild zwar ergänzen wird, die Technolgie jedoch nicht über das Potenzial verfügt, alle anderen Verkehrsträger komplett zu ersetzen. Vor allem ein modernisierter Schienenverkehr wird nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, während der „klassische“ Busbetrieb mit fixen Linien unter Druck geraten könnte. So geht die Studie davon aus, dass 50 Prozent aller Busfahrten durch autonome Betreibermodelle wegfallen könnten.

Einfache und robuste Automodelle beherrschen das Stadtbild

Für den Betrieb sind so genannte Special Purpose Vehicles (SPV) notwendig, also robuste, einfach zu wartende Fahrzeuge, die speziell auf die Transportanforderungen in der Innenstadt mit zwei bis acht Personen ausgelegt sind. In der Übergangsphase werden sie noch von einem Fahrer bewegt, spätere Modelle können vollautomatisiert unterwegs sein.

 

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