Crash oder Korrektur II: Warum die Börsen Angst vor Inflation haben

12.Februar 2018

Die Aktienindizes haben weltweit in den vergangenen Tagen eine Korrektur erfahren. Der Dow Jones Index ist von seinem Höchststand im Jänner um mehr als zehn Prozent gefallen. Die Analysten der Erste Asset Management untersuchen die volkswirtschaftlichen Hintergründe der aktuellen Börsengeschehnisse.

Bis 2017 kann das volkswirtschaftliche Umfeld mit „Goldilocks“ beschrieben werden: kräftiges Wirtschaftswachstum und stark steigende Unternehmensgewinne, niedrige Inflation, niedrige Zinsen und tiefe Renditen, begleitet durch unterstützende und vorhersehbare Geldpolitiken der wichtigsten Zentralbanken (insbesondere der US Federal Reserve Bank, der Europäische Zentralbank und der Bank of Japan).

Extrem langer Trend nach oben

Zudem waren die Schwankungen an den Börsen außerordentlich niedrig – das gilt auch für die makroökonomischen Indikatoren. Das vorherrschende Investmentthema wurde mit „TINA“ (There Is No Alternative zu Risk Assets) beschrieben, weil Staatsanleihen nur geringe Renditen in Aussicht gestellt haben. Die starken Zuflüsse in risikobehaftete Anlageklassen führten in Folge zu deutlichen Kursanstiegen. Mit den Kursanstiegen sind auch die Bewertungsniveaus stark angestiegen. Sprich: Das sehr gute Umfeld wurde von den Börsen vorweggenommen. Dazu kommt, dass an den Aktienbörsen schon seit vielen Monaten keine Korrektur stattgefunden hat, was ungewöhnlich für diese Anlageklasse ist.

Ruppiger Übergang in neues Zinsszenario

Wir sehen jetzt den Übergang von einem Goldilock-Szenario zu einer Normalisierung. Weil das Wirtschaftswachstum kräftig geblieben ist und immer selbst tragender wurde, nahm der zyklische Inflationsdruck zu.  Als Reaktion darauf beginnen immer mehr Zentralbanken die Leitzinsen anzuheben. Das wird von einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen begleitet. Dieser Regimewechsel ist der Auslöser für diese hohe Volatilität. Die Veränderung war zu schnell für die AktienmärkteDie Verunsicherung der Marktteilnehmer führt jetzt zu der Korrektur an den Aktienbörsen.

Wirtschaftswachstum bleibt kräftig

Das neue Szenario der Normalisierung des Wirtschaftswachstums, der Inflation und dem Zinsniveau ist (nicht in jeden Fall) negativ für risikobehaftete Anlageklassen, wie Aktien oder Hochzinsanleihen. Denn das Wirtschaftswachstum bleibt kräftig – die Inflation ist kein Problem, sondern steigt lediglich von einem zu niedrigen Niveau, in Richtung des von den Zentralbanken angestrebten normalen Niveaus an. Außerdem agieren die Zentralbanken weiter vorsichtig, was deren geldpolitische Haltung betrifft. Darüber hinaus ist das Zinsniveau für die wirtschaftliche Aktivität und für die Aktien nicht restriktiv. Das gilt auch, wenn die Renditen in diesem neuen Umfeld noch etwas ansteigen sollten und die Zentralbanken in einem geringen Ausmaß die Leitzinsen weiter anheben werden

Schlüsselgröße bleibt die Inflation

Solange die Inflationsraten niedrig bleiben, beziehungsweise nur leicht ansteigen, können die Zentralbanken auf eine Eintrübung des Finanzumfelds reagieren. Zum Beispiel können Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt den Leitzinssatz nicht anheben. Sollte jedoch die Inflation in einem wichtigen Land wie den USA deutlich ansteigen, wäre die Zentralbank mit einem Dilemma konfrontiert. Soll sie die Inflation bekämpfen, oder sollen die Finanzmärkte unterstützt werden? Dieses Risiko ist neu und vielleicht der wichtigste volkswirtschaftliche Grund für die Korrektur an den Aktienmärkten.