Europas Kaufkraft: Wachstum mit Gefälle

31.Januar 2018

Die durchschnittliche Kaufkraft in Europa ist 2017 deutlich stärker gestiegen als in den Vorjahren. Die Differenz zwischen dem ärmsten und dem reichsten Land wird seit Jahren kontinuierlich größer. Starker Verlierer: Großbritannien. 

Mittlerweile beträgt der Unterschied zwischen Arm und Reich bereits fast Euro 40.000 pro Einwohner und Jahr. In Summe ist der europäische Durchschnittswert der Kaufkraft  2017 in Relation zu 2010 um mehr als 25Prozent gestiegen (in Euro bzw. Euro-Paritäten; nominell). Selbst unter Abzug der jeweiligen Inflationsraten bleibt im Durchschnitt noch ein sattes Plus in der Geldbörse.

Russland, Moldawien und Island legen zu

Zu den größten Aufsteigern, berechnet in Euro, gehören Island, Russland, Moldau, Tschechien und Weißrussland. Die spektakuläre Steigerung der Kaufkraft in Island ist durch die boomende Wirt­schaft, vor allem im Tourismus, und durch die fast schon besorgniserregende Stärke der Lan­deswährung bedingt.

Währungsschwankungen spülen Russland nach oben

Russland hat mit Ende 2017 eine nominelle Steigerung von fast 20 Prozent verzeichnet, und auch Weißrussland konnte einen Anstieg von ca. 10 Prozent verbuchen, ebenso eine Folge der Währungs­schwankungen. Real in Landeswährung betrug die Steigerung in Russland für 2017 nur etwa 2,3 Prozent. Die wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Krise scheinen sich damit wohl wieder normali­siert zu haben und an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Denn auch die Ukraine, die ihren letz­ten Kaufkraft-Höhepunkt Ende 2013 erreicht hat, und sich dann bis 2016 im Abwärtstrend be­fand, ist bis Ende des Jahres 2017 fast um acht Prozent gestiegen. In Landeswährung er­reichte die Ukraine bis Ende 2017 sogar einen nominellen Anstieg von fast 15 Prozent und eine reale Steigerung von 1,5 Prozent. In absoluten Zahlen sind Island mit einer Steigerung von über Euro 5.000 und Norwegen mit einer Steigerung von über Euro 1.000 die großen Durchstarter des Jahres 2017.

Verlierer: Großbritannien und Türkei

Während im Krisenjahr 2009 die Einwohner von mehr als 20 europäischen Ländern Kaufkraft­verluste verzeichneten, sind es Ende 2017 nur mehr zwei Länder: Großbritannien und die Tür­kei. Das vereinigte Königreich, das in absoluten Zahlen, 2014 und 2015 zu den größten Aufstei­gern zählte, verbuchte Ende 2016, dem Brexit sei Dank, den größten Rückgang von über Euro 2.000. Die rückläufige Kaufkraft ist hier zum Großteil auf das schwache Pfund zurückzuführen, das mit dem Brexit-Votum einherging. 2017 verzeichnete Großbritannien einen Rückgang von -2,6 Prozent (in Euro; nominell). Die Türkei erlebte sogar einen Rückgang von beinahe -5 Prozent. Um den Wechselkurs bereinigt, haben jedoch beide Länder ein leichtes nominelles Plus erwirtschaftet.

Die Schere öffnet sich und schneidet

Im europäischen Vergleich wird der Abstand zwischen den Ländern an der Spitze und jenen auf den hinteren Plätzen immer größer. Im Jahr 2013 lag die Differenz zwischen dem kaufkraft­stärksten Land, damals Luxemburg, und dem ärmsten Land, damals Moldawien, bei ca. Euro 30.000. Mit Ende 2017 ist die Differenz zwischen dem ersten Platz, nämlich der Schweiz – mit einer ab­soluten Kaufkraft von Euro 39.588 – und dem letzten Platz, Moldawien – mit einer absoluten Kaufkraft von Euro 1.256 – auf über Euro 38.000 gestiegen. Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Län­dern werden drastischer.

Schweizer sind Nummer 1

Mit Ende des Jahres konnte die Schweiz ihren großen Vorsprung mit einer nominellen Stei­gerung von 1,6 Prozent halten. Doch auch die unteren Ränge legen zu. Rumänien verzeichnet schon seit Jahren in Folge relativ große Steigerungen. Ende 2017 verzeichnete das Land eine nominelle Steigerung in Euro von 8,1 Prozent. Auf Grund des niedrigen Kaufkraftniveaus fällt die absolute Steigerung jedoch immer noch niedriger aus als bei den kaufkraftstärkeren Ländern, wodurch die absolute Diffe­renz weiter steigt.

 

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