Wie Autozulieferer auf die neuen Mobilitätstrends reagieren müssen

13.Dezember 2017

Der Zug zur Elektromobilität verstärkt den Druck auf die Autokonzerne und Autozulieferer. Denn nicht nur die E-Mobilität, auch die Trends Shared Mobility, autonomes Fahren und Digitalisierung zeigen immer stärker ihre Wirkung. Die „Global Automotive Supplier Study 2018“ von Roland Berger und Lazard hat weltweit rund 650 Zulieferer analysiert.

Im Moment läuft das Geschäft der Zulieferer noch gut. Die Unternehmen sollen diese positive Entwicklung nutzen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten, schreibt Roland Berger. So konnten die Automobilzulieferer in diesem Jahr ihren Umsatz gegenüber 2016 nochmals um 3 Prozent steigern; ihre durchschnittliche EBIT-Marge verharrte mit rund 7,3 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Allerdings zeigt der globale Automobilmarkt in einigen Regionen bereits erste Bremsspuren. So dürfte die Zahl der in Nordamerika produzierten Pkw und leichten Nutzfahrzeuge 2017 um 3 Prozent sinken – auf 17,4 Millionen Fahrzeuge. Die positive Marktlage spiegelt sich in Unternehmensbewertungen wieder, die in der Zulieferbranche aktuell immer noch über dem historischen Durchschnitt liegen. Allerdings sorgt der sich abzeichnende Wandel bereits für erhebliche Unsicherheit in nahezu allen Bereichen der Zuliefererindustrie.

E-Mobilität wird gefördert

In der Automobilindustrie entfalten mehrere wichtige Trends zeitgleich ihre Wirkung: Die Experten von Roland Berger und Lazard gehen daher davon aus, dass der prozentuale Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen in Europa bis 2025 etwa ein Drittel betragen wird. In China könnten es sogar bis zu 47 Prozent werden.

Autonomes Fahren wird Wirklichkeit

Gleichzeitig beschleunigt sich auch die Entwicklung beim autonomen Fahren: Die wirtschaftlichen, technologischen und gesetzlichen Voraussetzungen dafür sind mittlerweile in vielen Ländern vorhanden. Die Experten gehen davon aus, dass Fahrzeuge in den oberen Autonomiestufen in 15-20 Jahren einen substanziellen Marktanteil erreichen werden – möglicherweise bis 25 Prozent weltweit. Dazu kommt der Trend in Richtung Digitalisierung und Konnektivität der Fahrzeuge. Das wird zu einem Wandel der Zuliefererindustrie von der Hardware in Richtung Software-Entwicklungen führen.“

Car-Sharing wird 10 bis 15 Prozent des Absatzes betreffen

Und schließlich muss sich die Automobilindustrie mit neuen Mobilitätsmodellen wie z.B. Car Sharing auseinandersetzen. Erwartungen zufolge dürfte der PKW-Absatz in diesem Bereich in Europa bis 2025 einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent erreichen. Damit werden die traditionellen Konzepte von Fahrzeugbesitz, Individualverkehr und Warenlogistik zunehmend in Frage gestellt. Die Zahl verkaufter Neufahrzeuge könnte dadurch langfristig sinken.

Parallel-Investitionen in alte und neue Technologien

Für die Automobilzulieferer bedeuten diese Trends langsameres Wachstum, schnelleren technologischen Fortschritt, Software als Differenzierungsfaktor und steigenden Druck auf Anbieter standardisierter Komponenten. Der Wandel zwingt die Zulieferer, gleichzeitig in alte und neue Technologien zu investieren. Das ist für die meisten Zulieferer ein erheblicher finanzieller Kraftakt mit offenem Ausgang. Denn zeitgleich sinken die Margen vieler Produkte.

Übernahme neuer Firmen

Automobilzulieferer, die profitable Geschäftsmodelle für ihr Unternehmen etablieren wollen, sollten daher analysieren, wie sich die automobilen Trends auf ihr Geschäft auswirken und mit welchem Mix aus neuen und bestehenden Produkten sie künftig weiter wachsen können. Dabei müssen Firmen auch erwägen, ob sie aus bestimmten Marktsegmenten komplett aussteigen oder eine aktive Konsolidierungsrolle einnehmen. Solche grundsätzliche Überlegungen erklären auch die lebhaften M&A-Aktivitäten in der Branche. Innovationspartnerschaften werden immer wichtiger. Doch die Zeit drängt. Viele Kooperationen wurden bereits geschlossen.

Zulieferer konkurrieren mit OEMs

Zusätzlicher Druck auf die Zulieferer kommt von den OEMs. Auch ihr Geschäftsmodell ist von den Megatrends bedroht. Daher konkurrieren in den neuen Wachstumssegmenten Shared Mobility, autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektrifizierung beide um dieselben potenziellen Partner und Akquisitionsziele. Ebenso ist die Verteilung der Wertschöpfungskette und die Tiefe der vertikalen Integration, etwa beim Elektromotor oder der Fahrerassistenz-Software, noch lange nicht abschließend geklärt.

 

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