EU-Bio-Verordnung: Höhere Flexibilität für Bio-Bauern

21.November 2017

Diese Woche hat im Sonderausschuss Landwirtschaft eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für eine neue EU-Bio-Verordnung gestimmt. Der Verordnungstext ist ein hart erkämpfter Kompromiss zwischen den Interessen der 28 EU-Mitgliedstaaten und ihrer Bio-Branchen. Die neue Verordnung soll im Jänner 2021 in Kraft treten. 

Die EU-Bio-Verordnung regelt den Bio-Landbau in der Europäischen Union. Sie regelt die Produktion, die Verarbeitung, die Kontrolle und den Import von Bio-Produkten.
Die EU-Bio-Verordnungen sind für Erzeuger und Verarbeiter von Bio-Lebensmitteln verpflichtend einzuhalten.

Bio-Babynahrung gesichert

Die neue Verordnung passt die rechtlichen Rahmenbedingungen an das Wachstum in der Bio-Branche an. Zum Beispiel dürfen zukünftig Produkte wie ätherische Öle, Bienenwachs, Kork, Mate, Wolle, Baumwolle, Salz, traditionelle Kräuterzubereitungen und gezüchtete Tiere wie Hasen und Wild auch von der Bio-Kennzeichnung profitieren. Bio-Zertifizierung wird zudem für sehr kleine Produzenten, wie etwa Streuobst-Besitzer oder Hausgärtner durch eine neue Gruppenzertifizierung möglich. Auch Bio-Babynahrungsmittel wird es in Zukunft weiter geben, deren Status war massiv gefährdet.

Was sind die Vorteile dieser Reform?

Die Reform sorgt dafür, dass das EU-Öko-Logo den Verbrauchern EU-weit dieselben Qualitätsgarantien bietet. Angesichts der höheren Preise, die die meisten Verbraucher für biologische Lebensmittel bezahlen, ist diese Qualitätsgarantie äußerst wichtig.

Vielfalt der Kulturpflanzen

Die Verordnung sieht auch eine Revolution im Bereich Saatgut vor. Bis jetzt durften nur Sorten mit einem hohen Grad an phänotypischer und genetischer Homogenität an Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern verkauft werden. Die Forderung nach standardisierten, homogenen Sorten verhindert die Züchtung von Sorten, die für den biologischen Anbau besonders geeignet sind, heißt es in der Aussendung von ARCHE NOAH. Laut der neuen Verordnung darf ab 2021 auch sogenanntes „biologisches heterogenes Material“ im Bio-Sektor legal vermarktet werden. Somit können beispielsweise neue Getreide-Sorten ihren Weg auf den Markt finden, begrüßt der Verein für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Kulturpflanzenvielfalt den EU-Vorstoß.

Höhere Flexibilität der Regeln

Die wichtigste Verbesserung ist die Einführung eines EU-weit gültigen Regelwerks, das den gesamten Ökosektor der EU erfasst. Bei den neuen Vorschriften wird berücksichtigt, dass Flexibilität notwendig ist, der in der Vergangenheit durch diese Ausnahmen Rechnung getragen wurde. Stichhaltig begründete Ausnahmen, wie z. B. die befristete Ersetzung einer ökologischen durch eine nichtökologische Zutat im Falle knapper Bestände, bleiben weiterhin zulässig, werden aber künftig befristet, regelmäßig geprüft und erforderlichenfalls auf alle Erzeuger ausgedehnt, um für die faire Behandlung aller Beteiligten zu sorgen. Ökoproduzenten und Ökoprodukte unterliegen künftig denselben Vorschriften.

Regelwerk gilt auch für Exporteure in EU

Dieses einheitliche Regelwerk wird außerdem auch für Landwirte außerhalb der EU gelten, die ihre Ökoprodukte in den EU-Markt ausführen wollen. Es wird die mehr als 60 unterschiedlichen, als gleichwertig angesehenen Standards ersetzen, die heute noch gelten.

 

Mehr zum Thema: