No Cash: Barzahlungsverbot von Arbeitslohn in der Bauwirtschaft

18.Oktober 2017

Arbeitslöhne dürfen an Bauarbeiter (= Arbeitnehmer, die Bauleistungen erbringen) seit 1.1.2016 nicht mehr bar bezahlt bzw von diesen entgegengenommen werden. Vom Barzahlungsverbot ausgenommen ist die einmalige Zahlung von Beträgen unter 500 Euro in Cash. Die Kanzlei Hübner & Hübner hat sich die Bestimmungen angesehen.

Keine steuerliche Absetzbarkeit mehr

Seit 1.1.2016 ist vorgesehen, dass bar bezahlte Ausgaben für beauftragte Bauleistungen, die pro Leistung den Betrag von € 500 übersteigen, nicht mehr gewinnmindernd und damit nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden können. Ab einer Barzahlung von € 500 ist der gesamte Betrag vom Abzugsverbot betroffen. Eine Barzahlung, die im Einzelfall € 500 nicht übersteigt, ist vom Abzugsverbot nicht erfasst. Die Grenze von € 500 bezieht sich auf die jeweils abzugeltende einzelne Leistung. Eine sachfremde und willkürliche Aufteilung einer einheitlichen Leistung zum Zweck, die genannte Grenze zu unterlaufen, kann die Anwendung der Bestimmung nicht verhindern.

Voraussetzungen

Der Arbeitnehmer verfügt  bereits über ein Bankkonto oder er hat einen Rechtsanspruch auf ein Bankkonto.

Zugang zu Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen

Mit 18.9.2016 trat das Verbraucherzahlungskontogesetz („VZKG“) in Kraft (Umsetzung der Zahlungskontenrichtlinie RL 2014/92/EU), das – unter anderem –allen Verbrauchern mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union das Recht auf ein „Zahlungskonto mit grundlegenden Funktionen“ einräumt (Einzahlungen, Bargeldabhebungen, Ausführung von Zahlungsvorgängen, Überweisungen). Damit erlosch auch die aufschiebende Bedingung, die von 1.1.2016 bis zur Einführung des VZKG Barzahlungen in Ausnahmefällen noch erlaubte. Faktisch besteht daher ab diesem Zeitpunkt ein generelles Barzahlungsverbot im Baugewerbe.

Trinkgelder dürfen weiter cash bezahlt werden

Vom Barzahlungsverbot umfasst sind jedoch nur Arbeitslohnzahlungen an Arbeitnehmer, die umsatzsteuerliche Bauleistungen erbringen (wie insbesondere Herstellungs-, Instandsetzungs-, Instandhaltungs-, Reinigungs- oder Beseitigungsarbeiten an Bauwerken), sowie alle Entgeltbestandteile, die dem Lohnsteuerabzug unterliegen. Nicht erfasst sind (und somit weiterhin in bar bezahlt werden können) Trinkgelder und bestimmte Reiseaufwandsentschädigungen (wie etwa Nächtigungsgelder). Verstöße gegen das Barzahlungsverbot werden mit einer Geldstrafe von bis zu € 5.000 geahndet, wobei die Strafe sowohl gegen den Arbeitgeber als auch gegen den Arbeitnehmer, der die Barzahlung annimmt, verhängt werden kann.

 

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