Human Resources: Flexibles Arbeiten in Österreichs Unternehmen noch ausbaufähig

18.September 2017

Die meisten österreichischen Unternehmen halten an den klassischen Kernzeiten fest und gehen mit dem Thema Flexibilisierung konservativ um. Das zeigt die aktuelle Flexible Working Studie von Deloitte Österreich in Zusammenarbeit mit Universität Wien und FH Oberösterreich. Home Office ist oft nur Einzelpersonen vorbehalten. Zudem mangelt es in Unternehmen meist an entsprechenden Regelungen und der notwendigen Vertrauenskultur.

Gleitzeit mit Kernzeit bleibt Klassiker

Im Rahmen der diesjährigen Flexible Working Studie wurden mehr als 400 österreichische Unternehmensvertreter befragt. Laut Erhebung sind flexible Arbeitsmodelle zwar heute grundsätzlich gängige Praxis, aber es gibt Defizite in der praktischen Umsetzung. Flexible Modelle gelten meist nur für bestimmte Personen, klare Spielregeln werden selten festgelegt.

Österreichische Unternehmen halten nach wie vor zum Großteil an Gleitzeit mit Kernzeit fest. 61 % setzen bei mindestens der Hälfte ihrer Mitarbeiter auf dieses Modell, bei dem bestimmte Anwesenheitszeiten vorgegeben werden. Flexiblere Modelle wie Gleitzeit ohne Kernzeit oder Vertrauensarbeitszeit sind weitaus seltener. „Unternehmen haben beim Verzicht auf Kernzeiten oft noch Bedenken, da flexiblere Arbeitszeitmodelle nur als Vorteil für Mitarbeiter gesehen werden. Bei klaren Regelungen profitieren aber beide Seiten von der gesteigerten Flexibilität“, erklärt Deloitte Österreich.

Beruf und Privatleben nicht immer klar trennbar

Vor allem Führungskräfte nehmen im Umgang mit flexibler Arbeitszeitgestaltung eine wichtige Vorbild- und Steuerfunktion ein. Dennoch wird gerade von ihnen in der Praxis oft uneingeschränkte Erreichbarkeit erwartet. Zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen ihre Führungsetage auch außerhalb der Arbeitszeiten erreichen können. 22 % erwarten diese Erreichbarkeit sogar von ihren Mitarbeitern ohne Führungsfunktion.

Anwesenheit weiterhin wichtig

Mobiles Arbeiten ist noch immer ein Einzelfallphänomen: Die physische Anwesenheit im Büro wird von 77 % der Befragten als wichtig erachtet. Fast jedes zweite Unternehmen bietet Home Office nur für wenige Personen an. Lediglich von 20 % wird diese Möglichkeit auch dem Großteil der Mitarbeiter offen gestellt. Doch selbst hier wird in der Hälfte der Fälle nur vereinzelt davon Gebrauch gemacht.

„Präsenz gilt immer noch als Indikator für gute Leistung. Deshalb wird Home Office oft nur eingeschränkt genutzt. Es braucht dringend die Etablierung einer Ergebnis- statt einer Anwesenheitskultur“, analysieren die Studienautoren. Der Umgang mit mobilem Arbeiten ist je nach Branche und Unternehmensgröße unterschiedlich und es gibt durchaus positive Beispiele. So nimmt der Technologie- und Telekommunikationsbereich eine Vorreiterrolle bei diesem Thema ein. Auch große Unternehmen haben teilweise bereits klare Richtlinien für mobile Arbeitsmodelle definiert.

Vertrauen als Basis für flexibles Arbeiten

Mit steigendem Vertrauen erhöht sich laut Studie die flexible Handhabung von Arbeitszeit und -ort. Eine vertrauensorientierte Unternehmenskultur ist daher für den Umgang mit flexiblem Arbeiten erfolgskritisch. Der Wunsch nach Kontrolle erschwert dies aber in der Praxis. So wird in 40 % der befragten Unternehmen noch nach dem Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ gearbeitet.