Quantitatives Investieren

Investment Kompass

„Börse ist Psychologie“, hat der berühmte Börsenguru André Kostolany festgestellt. Kein Wunder: Viele Marktteilnehmer überschätzen sich, andere handeln unentschlossen und versuchen Verluste zu vermeiden. Wieder andere schichten ihre Depots ständig um, ohne dass ihr Handeln eine klare Strategie erkennen lässt. Oftmals wird auch unbeirrbar auf „Lieblingsaktien“ gesetzt, unabhängig vom realen Kursverlauf und der operativen Entwicklung des Unternehmens. Dabei bevorzugen Anleger in der Regel heimische Märkte – das Phänomen des „Home Bias“. Ein beliebter Fehler ist es auch, verlustträchtige Aktien so lange zu halten, bis zumindest der Einstandskurs wieder erreicht ist. Die meisten Anleger werden es bei diesen Vorgehensweisen wohl nicht schaffen, Überrenditen zu erwirtschaften.

Boom und Panik

Die Beispiele verdeutlichen, dass die Kurse an den Finanzmärkten zu einem erheblichen Teil durch die Gefühle und Stimmungen der Marktteilnehmer geprägt werden. Dabei entstehen viele Fehlentscheidungen, vor allem wenn Gier und Angst ins Spiel kommen. Dann lassen beispielsweise Hype-Themen Kurse über jegliche Bewertung hinaus explodieren, die Gefahr von Blasen entsteht. „Ungeliebte Aktien“ hingegen scheinen in einer Abwärtsspirale gefangen und aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr herauszukommen. Wenn viele Anleger der gleichen Meinung sind, kann es durch das Phänomen der Massenpsychologie zu boomartigen Kursaufschwüngen und panikartigen Einbrüchen kommen.

Emotionen ausblenden

Quantitative Anlagestrategien versuchen, solche „Psychofallen“ zu vermeiden. Das Hauptziel des quantitativen Investierens ist es, eigene Anlageentscheidungen zu rationalisieren und nicht von eigenen Emotionen, Ängsten und Erwartungen abhängig zu machen. Dabei sollen psychologische Fehler vermieden werden, indem zum Beispiel Einstandskurse und aktuelle Kurse komplett aus den Entscheidungen ausgeschlossen werden. Käufe und Verkäufe werden ausschließlich von der Bewertung durch die quantitative Strategie abhängig gemacht.

Umfangreiche Kennzahlenanalyse

Voraussetzung dafür ist, dass entsprechende Kennzahlen in der eigenen quantitativen Strategie verwendet werden. Das können zum Beispiel betriebswirtschaftliche Bilanzdaten von Unternehmen sowie Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Dividendenrendite sein. Zudem können Ergebnisse der technischen Analyse (Chartanalyse) mit einfließen, zum Beispiel Trendlinien, Widerstände und Unterstützungen. Auch Kennzahlen aus der Sentimentanalyse können eine Rolle spielen – die Möglichkeiten und Kombinationen an unterschiedlichen Kennzahlen sind beinahe unendlich.

Automatisiertes Handeln

Allen quantitativen Strategien gemeinsam ist, dass sie aus einer Menge von Kennzahlen ein Scoring bzw. Ranking von Aktien erstellen, anhand dessen Kauf- und Verkaufssignale generiert werden, die dem Investor vorgeben, wie er sein Depot strukturieren sollte. Dadurch ist eine rationale Anlagestrategie möglich. In der Regel werden Anlageentscheidungen dabei komplett Computern überlassen. Mittels so genannten „Robo Advisors“ wird diese Form des Investierens inzwischen auch verstärkt Privatanlegern zugänglich gemacht.

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