#glaubandich-Stipendium

Die Gewinnerinnen

Die Gewinnerinnen der 3 #glaubandich-Stipendien – Tara, Laura und Julia – haben unendlich viele Ideen. Und jede von ihnen hat ihr persönliches Herzensprojekt, für das sie sich besonders einsetzen: Tara für Body Positivity, Laura für Fair Fashion und Julia für den Schutz von Wildbienen.

Tara setzt sich für Body Positivity ein

Als angehende Frauenärztin möchte Tara junge Frauen dabei unterstützen, sexuell selbstbestimmt zu sein und das positive Verhältnis zum eigenen Körper zu bestärken:

Warum haben viele Mädchen und Frauen ein Problem mit ihrem Körper und Aussehen?

Tara: „Wir leben in einer Zeit, in der der weibliche Körper, so wie er sich natürlicherweise entwickelt, im Grunde ein Tabu ist. Dieses Tabu betrifft sowohl Körpergewicht, Verteilung der Körpermaße als auch Körperbehaarung und Geschlechtsmerkmale. Widersprüchliche Ideale wie ein schlanker Bauch bei üppigen Brüsten und Gesäß setzen Frauen und junge Mädchen extrem unter Druck und verhindern praktisch, dass ein heranwachsendes Mädchen zufrieden mit ihrem Aussehen sein kann. Natürlich nimmt ein vermindertes körperliches Selbstwertgefühl auch Einfluss auf die eigene Sexualität, besonders weil auch die Genitalen von verzerrten Schönheitsidealen nicht verschont bleiben. Die Anzahl der plastischen Eingriffe zur Vulvalippenverkleinerung steigt in Europa drastisch.

Hast du Tipps, was man tun kann, um die Beziehung zum eigenen Körper zu verbessern?

Tara: „Ich glaube nicht, dass es ein individuelles Problem ist, wenn wir Schwierigkeiten haben, unseren Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Deswegen gibt es auch keine Tipps, die ich hätte, um den eigenen Körper zu lieben. Denn auch die Aufforderung den eigenen Körper schön zu finden und zu lieben, kann für Menschen einen enormen Druck bedeuten. Ich denke, wir sollten alle hinterfragen, warum es denn eigentlich die Aufgabe des Körpers ist, schön zu sein und für wen. Von der Unzufriedenheit mit unseren Körpern profitiert vor allem der Kapitalismus, denn die Information, dass unser Körper so wie er ist, nicht genügt oder noch schlimmer, nicht gezeigt werden kann, löst bei uns neben Stress vor allem eines aus: Konsumverhalten. Frauen wird suggeriert man brauche Kosmetika, Pflegeprodukte, Anti-Aging-Cremes, Waxing, Proteinpudding und und und.

Das Problem, das wir selbst mit unseren Körpern haben, ist ein gesellschaftliches und muss auch als ein solches gelöst werden. Ich denke, unser Beitrag dazu kann nur sein, uns darüber Gedanken zu machen und unser Verhalten zu reflektieren. Wir müssen reflektieren was wir unseren FreundInnen und Kindern erzählen und vorleben, was wir für Komplimente machen und wie wir selbst diese verzerrten Körperbilder jeden Tag mit reproduzieren.“ 

Laura macht Fair Fashion zur Norm

Laura möchte regionale und nachhaltige Mode für alle leichter zugänglicher machen. Deshalb steckt sie viel Herzblut in ihre Arbeit beim Wiener Fair Fashion Label „Valle ō Valle”.

Was ist die Vision von „Valle ō Valle”?

Laura: “’Responsible fashion for all of us. – Unter dieser Vision agieren wir bei Valle ō Valle seit Herbst 2018. Uns liegt sowohl die Nachhaltigkeit der Textilien als auch die Lebensdauer der Kleidung am Herzen.

Wie ist es euch gelungen, stylische und nachhaltige Mode mit einer langen Lebensdauer zu produzieren?

Laura: „Wir haben das Kernstück der Kollektionen, der Kimonorah, ins Leben gerufen: ein wandlungsfähiges Kleidungsstück, das Ähnlichkeiten zu einem SuperheldInnen Umhang hat. Der Clue dabei: wir setzen auf nachhaltige Größeninklusivität. Was das bedeutet? Wir arbeiten bewusst mit nachhaltigen Materialien wie Biobaumwolle oder Tencel und haben uns mit dem Motto „no SIZE no DRAMA“ von gängigen Größenmodellen verabschiedet. KundInnen sollen sich ihre Kleidung so aussuchen, wie sie am besten zu ihnen und ihrem Style passt - ohne sich dabei vom konventionellen Größenverständnis eingeschränkt zu fühlen. Bei uns gibt es deshalb eine kleinere Größe, SIZE, und eine größere Größe, names DRAMA.“

Ist eure Verpackung auch nachhaltig?

Laura: „Bei der Verpackung handeln wir so ressourcenschonend wie möglich: nach dem Prinzip von „reused boxes“ greifen wir auf bereits verwendete, aber noch intakte Versandboxen zurück. In ihnen verpacken wir die online Bestellungen unserer KundInnen und geben den Kartons somit einen zweiten, dritten oder sogar vierten Lebenszyklus, ohne zusätzlichen Verpackungsabfall zu generieren.

Gerade in einer so großen Industrie wie der Modebranche ist nachhaltiges Verhalten längst notwendig, weil die erschreckenden Umweltfolgen von Fast Fashion nicht mehr außer Acht gelassen werden können.“

Was ist dein größter #glaubandich Moment bei Valle ō Valle?

Laura: „In den letzten 12 Monaten haben wir es geschafft, erfolgreich zwei Kollektionen zu launchen und zusätzlich im März 2021 unseren ersten Pop-up Shop in Wien zu eröffnen, und das trotz der Tatsache, dass gerade wir im Handel stark durch die COVID-Pandemie eingeschränkt waren. Das als kleines, frauengeführtes Unternehmen in einer erst wachsenden Branche wie der nachhaltigen Bekleidungsindustrie in Zeiten einer Pandemie zu meistern und sogar stärker aus dieser Phase herauszukommen, war für mich persönlich und unser kleines, feines Valle ō Valle Team definitiv der größte #glaubandich Moment.“

Julia schützt Wildbienen

Julia träumt davon, alle 700 Wildbienen-Arten zu erforschen und sie zu schützen:

„Alle kennen die Honigbiene. Sie gilt als die wichtigste Bestäuberin von Kultur- und Wildpflanzen, produziert Honig und wird oft mit Naturschutz assoziiert. Sie ist aber nicht nur positiv zu sehen, denn sie dringt in natürliche Lebensräume ein und verdrängt wildlebende Bestäuber. Beispiel Tirol: Verglichen mit der ursprünglichen Dichte ist die Honigbiene in den Tieflagen bis zu 200-fach zu häufig – ein Problem für alle anderen Blütenbesucher, unter diesen auch die Wildbienen.“

Was genau sind Wildbienen?

Julia: „Zu den Wildbienen zählen Sand-, Pelz-, Woll-, Mauer-, Furchen-, Schmal-, Wespenbienen, die Hummeln und noch viele weitere. Genau genommen gibt es in Österreich 700 Arten und jede einzelne hat ihr spezielles Aussehen und ihre spezielle Lebensweise. Alle Wildbienen haben gemeinsam, dass sie ausreichend Nahrung (Pollen und Nektar) und geeignete Niststrukturen benötigen. Beides ist in den letzten Jahrzehnten in der Landschaft viel seltener geworden.“

Wie unterscheidet sich die Wildbiene von der Honigbiene?

Julia: „Die Honigbiene ist eusozial, lebt also in Völkern mit einer Königin und bis zu 60.000 Arbeiterinnen, die pro Jahr mehr Nektar sammeln als in zwei Badewannen passt. Die allermeisten Wildbienen hingegen leben solitär und sind oft auf wenige Blütenpflanzen spezialisiert – dadurch können sie diese auch effizienter bestäuben. Manche Pflanzenarten werden sogar ausschließlich von Wildbienen bestäubt.“

Warum ist die Wildbiene gefährdet?

Julia: „Landschaftsveränderung und Konkurrenz durch die Honigbiene haben bewirkt, dass die Wildbienenbestände drastisch zurückgegangen sind – wohl die Hälfte der Arten ist bereits gefährdet. Also müssen wir nicht die Honigbiene, sondern die Wildbienen schützen!“

Was können wir tun, um Wildbienen zu schützen?

Julia: „Wir alle können mit kleinen Taten zum Schutz der Wildbienen beitragen z.B: in dem wir weniger Honig essen – Honig sollte ein Luxusgut und keine Massenware sein. Denn der Nektar für die Honigproduktion wird der Natur entzogen und fehlt dann den Wildbienen. Außerdem hilft es, Blütenangebot und Niststrukturen im Garten zu schaffen. Wenn jeder in seinem Bekanntenkreis auf Wildbienen aufmerksam macht, können wir gemeinsam Großes bewirken. Denn wie sagt Konrad Lorenz so treffend „Man liebt nur, was man kennt, und man schützt nur, was man liebt." Wer sich noch mehr über Honig- und Wildbienen informieren möchte, findet hier noch weitere Infos.”