Steuertipp

Festsetzung der Einkommensteuer für 2016

Die Möglichkeit der späten Einreichung der Einkommensteuererklärung durch den Steuerberater mag so manche ÄrztIn verleiten, die Einkommensteuererklärung besonders spät abzugeben. Dies ist grundsätzlich unbedenklich. Nach Abgabe der Steuererklärung erlässt das Finanzamt den Einkommensteuerbescheid, welcher die Festsetzung der Einkommensteuer vornimmt. Die während des Kalenderjahres vierteljährlich geleisteten Vorauszahlungen werden auf die Einkommensteuerschuld angerechnet. Der Differenzbetrag führt sodann zu einer Abschlusszahlung oder einem Guthaben.

Wird der Einkommensteuerbescheid erst nach dem 30. September des Folgejahres zugestellt, erfolgt eine Verzinsung. Die Verzinsung beträgt 2 % über dem Basiszinssatz, da der Basiszinssatz derzeit -0,62 % beträgt, bedeutet dies eine Verzinsung von 1,38 % p.a. Die Verzinsung erfolgt  im  Zeitraum von 1. Oktober 2017 bis zum Tag der Bekanntgabe des Einkommensteuerbescheides für 2017. Wird dieser beispielsweise erst am 31. März 2018 erlassen, so erfolgt die Verzinsung für einen Zeitraum von 6 Monaten. Der Zinssatz mag auf den ersten Blick gering erscheinen, es sollte allerdings bedacht werden, dass im Regelfall für Guthaben auf dem Girokonto keinerlei Zinsen bezahlt werden und somit sogar dieser Zinssatz eine vermeidbare Belastung darstellt. Insbesondere dann, wenn die Liquidität vorhanden ist. Hinzu kommt, dass die Zinsen für die Einkommensteuernachzahlung, die sogenannten Anspruchszinsen, nicht als Betriebsausgabe absetzbar sind.

Um diese Zinsenbelastung zu vermeiden, sollte daher die Einkommensteuererklärung nach Möglichkeit bis Ende September 2017 eingereicht werden. Dies wird in vielen Fällen nicht möglich sein, weil möglicherweise die entsprechenden Daten für die Einkommensteuererklärung nicht vollständig vorhanden sind oder der Steuerberater nicht in der Lage ist, ihre Einkommensteuererklärung bis Ende September aus zeitlichen Gründen fertig zu stellen.

Dennoch kann auch ohne Einreichung der Einkommensteuererklärung die Belastung von Zinsen vermieden werden. Dies geschieht dadurch, dass die Höhe der zu erwartenden Steuernachzahlung auf Grund ihrer Aufzeichnungen, Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben und sonstiger Unterlagen durch eine Grobberechnungermittelt wird. Der errechnete Steuerbetrag kann sodann als freiwillige Zahlung für das Kalenderjahr 2016 an das Finanzamt geleistet werden. Dadurch kann jedenfalls verhindert werden, dass Anspruchszinsen anfallen.

Sollte die Schätzung ungenau sein, so wird dies im Hinblick auf den relativ niedrigen Zinssatz und die Tatsache, dass bis zu EUR 50,00 keine Festsetzung der Zinsen erfolgt (Bagatellgrenze), zu keinem Problem führen.

Jetzt kommt die gute Nachricht:

Ergibt sich bei der Erlassung des Einkommensteuerbescheides für 2016 ein Guthaben zu Gunsten der ÄrztIn, so wird dieses Guthaben gleichfalls mit 1,38 p.a. ab 1. Oktober 2017 verzinst. Die Guthabenzinsen sind außerdem weder KESt-pflichtig noch einkommensteuerpflichtig.

Einkommensteuer 2017

Im letzten Drittel eines Kalenderjahres kommt der Vorbereitung auf die zu erwartenden Steuerzahlungen besondere Bedeutung zu.

Dazu ist folgender Punkt besonders zu überlegen:

Antrag auf Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlung

Die Einkommensteuervorauszahlungen werden auf der Grundlage des Einkommensteuerbescheides für das zuletzt ergangene Jahr festgesetzt, allerdings werden diese um 4 % erhöht, wenn sie für das folgende Kalenderjahr gelten und für jedes weitere Kalenderjahr um 5 %.

Dies bedeutet, dass auf der Grundlage des Einkommensteuerbescheides des Jahres 2016 die Bemessung der Vorauszahlungen für 2017 um 4 % höher ist, als die Einkommensteuerschuld des Jahres 2016. Ist die Grundlage allerdings das Jahr 2015, wird die Vorauszahlung um 9 % höher festgesetzt.

Das Einkommensteuergesetz geht daher davon aus, dass jede ÄrztIn grundsätzlich mehr verdient als im vorangegangenen Jahr. Die Annahme, dass das Einkommen, d.h. der Gewinn um 4 % bzw. 5 % jährlich gegenüber dem Vorjahr steigt, ist allerdings eine kühne Einschätzung und vielfach eine Überschätzung.

Auch wenn uns die Wirtschaftsforscher derzeit attestieren, dass es mit der Wirtschaft wieder steiler aufwärts geht, so stellt sich doch die Frage, ob diese Verbesserung bei der einzelnen ÄrztIn überhaupt ankommt. Jedenfalls besteht die Gefahr, dass die Einkommensteuervorauszahlung höher ist, als die voraussichtlich zu bezahlende Einkommensteuer.

Um nicht mit Zahlungen gegenüber dem Finanzamt in Vorlage zu treten und quasi Kreditgeber für den Staat zu sein, kann bis zum 30. September des Kalenderjahres ein Antrag auf Herabsetzung der Einkommensteuervorauszahlungen gestellt werden. Dazu ist die Vorlage einer Prognoserechnung für das Kalenderjahr 2017 erforderlich, um den Antrag entsprechend zu begründen. Ergibt sich daraus ein geringeres Einkommen als der bisherigen Einkommensteuerschuld entspricht, so wird das Finanzamt eine geringere Festsetzung vornehmen.

Wird ein derartiger Antrag unterlassen, so muss die ÄrztIn warten, bis der Einkommensteuerbescheid 2017 vorliegt. Dies kann allerdings ein Jahr oder länger dauern. Bis dahin bleibt die Liquidität jedenfalls beim Finanzamt gebunden. Unabhängig von der Frage, ob für Bankguthaben Zinsen bezahlt werden oder nicht, ist dies keine gute Perspektive, besser die Liquidität wird geschont und bleibt bei der ÄrztIn.

Wichtig ist, dass der Antrag bis zum 30. September gestellt werden muss, eine Fristerstreckung ist nicht möglich.

Gewinnfreibetrag

Eine wesentliche Maßnahme zur Optimierung der Einkommensteuerbelastung stellt der Gewinnfreibetrag dar. ÄrztInnen können einen Gewinnfreibetrag zur Verminderung des steuerpflichtigen Gewinnes geltend machen. Ein Freibetrag bewirkt eine Verminderung der Steuerbemessungsgrundlage. Der Gewinnfreibetrag beträgt bis zu 13 % des Gewinnes aus der ärztlichen Selbständigkeit.

Die Bemessungsgrundlage ist der Gewinn des Kalenderjahres. Der Gewinnfreibetrag steht für jedes volle Kalenderjahr bis zu einer Bemessungsgrundlage von EUR 30.000,00 zu. Dies ist der Grundfreibetrag. Bei einem Gewinn von EUR 30.000,00 bedeutet dies 13 % von EUR 30.000,00, ergibt EUR 3.900,00. Dieser Betrag vermindert somit die Bemessungsgrundlage.

Eine weitere Möglichkeit besteht dann, wenn die Bemessungsgrundlage den Betrag von EUR 30.000,00 übersteigt. In diesem Fall kann ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Dies bedeutet, dass Investitionen dazu führen, dass eine Verminderung der Steuerbelastung eintritt.

Das Höchstausmaß des Gewinnfreibetrages ergibt sich auf Grund nachstehender Tabelle:

Höchstausmaß

Steuerpflichtiger Gewinn %-Satz Maximaler
Freibetrag
Investition erforderlich
0 -    30.000 13 3.900,00 nein
  30.001 - 175.000 13 18.850,00 ja
175.001 - 350.000 7 12.250,00 ja
350.001 - 580.000 4,5 10.350,00 ja
ab 580.00 0 0,00  
    45.350,00  
       
       

Voraussetzung für einen Freibetrag ist, dass folgende Wirtschaftsgüter angeschafft werden:

  • Ungebrauchte, abnutzbare körperliche Anlagegüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens 4 Jahren,

  Ausgenommen sind

  • Pkws und Kombinationskraftfahrzeuge,
  • Begünstigte Wertpapiere, das sind festverzinsliche Wertpapiere (Bundesanleihen, Bankschuldverschreibungen, Industrieobligationen, Options- und Umtauschanleihen) sowie Fonds, die sich aus derartigen Wertpapieren zusammensetzen sowie Immobilienfonds und Garantiezertifikate.

 Gerade bei den Wertpapieren hat sich eine wesentliche Verbesserung ergeben, als nunmehr alle vorangeführten Wertpapiere wieder angeschafft werden dürfen.
Bekanntlich war zuletzt nur die Anschaffung von Wohnbauwertpapieren (Wohnbauanleihen) zulässig. Voraussetzung ist, dass die erworbenen Gegenstände vier Jahre im Betriebsvermögen verbleiben. Somit ist bei der Anschaffung von Wertpapieren darauf zu achten, dass diese eine mindestens vierjährige Restlaufzeit aufweisen. Die Anschaffung von Neuemissionen ist nicht erforderlich.

Im Falle einer Veräußerung der körperlichen Anlagegüter oder der Wertpapiere innerhalb von 4 Jahren ab Anschaffung ist eine Nachversteuerung des Gewinnfreibetrages vorzunehmen, sofern nicht eine Ersatzanschaffung von körperlichen Gegenständen erfolgt.

Das nachfolgende Beispiel zeigt die Wirkungsweise des Gewinnfreibetrages:

 

Gewinn

  EUR 100.000,00
Gewinnfreibetrag:
Grundfreibetrag  13 % von EUR  30.000,00
EUR 3.900,00  
Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag
13 % von EUR 70.000,00 
EUR 9.100,00 EUR     13.000,00
Steuerpflichtiger Gewinn   EUR     87.000,00

Die Inanspruchnahme des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages setzt voraus, dass Anschaffungen von insgesamt mindestens EUR 9.100,00 durchgeführt werden.

Um den Gewinnfreibetrag optimal zu nutzen ist vor Ablauf des Jahres eine Hochrechnung des Gewinnes durchzuführen, um die optimale Höhe der Anschaffung feststellen zu können. Die Anschaffung von Wertpapieren ermöglicht eine gleichmäßige Geltendmachung des Freibetrages, auch bei unregelmäßigen Investitionen in körperliche Anlagegüter.

Dieser Tipp wurde von der Dr. Walter Kristen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mbH, 1130 Wien, Lainzer Straße 35, zur Verfügung gestellt.

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