Vestas

Attraktives Umfeld – einige Störfaktoren

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Attraktives Umfeld – einige Störfaktoren

Die EU zieht angesichts des Ukraine-Kriegs bei der Energiewende das Tempo an. Spätestens 2030 sollen die EU-Staaten unabhängig von russischen fossilen Brennstoffen sein. Gelingen soll dies mit dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. Dafür setzt Brüssel Investitionen von 300 Milliarden Euro an. Damit Energie aus Sonne und Wind rascher kommt, will die Behörde zudem Genehmigungsverfahren anschieben und Vorrangflächen für den Ausbau ausweisen. Derzeit können Genehmigungsverfahren für Windparks noch bis zu neun Jahre dauern.1 Dazu passt, dass Deutschland, Belgien, die Niederlande und Dänemark in der Nordsee Windparks bauen wollen. Damit soll bis 2050 die Offshore-Leistung auf 150 Gigawatt Energie ausgebaut und damit im Vergleich zu heute verzehnfacht werden.2 Ähnlich ambitionierte Ziele in Großbritannien: Premier Boris Johnson hat verkündet, dass das Land rund 100 Milliarden britische Pfund in seine Energiestrategie stecken will. Dazu gehört unter anderem der Ausbau der Offshore-Windanlagen zu einer Kapazität von 50 Gigawatt bis zum Jahr 2030, womit nahezu alle Haushalte im Land versorgt werden könnten. Dass die Windkraftanlagen durch technologischen Fortschritt immer effizienter werden, dürfte bei der Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt haben. Nach Wasserkraft gehört der Strom aus landbasierten Windrädern inzwischen zu den günstigsten regenerativen Quellen. Selbst Offshore-Strom kann inzwischen mit Strom mittels fossiler Brennstoffe mithalten.3

Volle Auftragsbücher

Der Aufstieg der Windenergie sowie der politische Tatendrang spiegelt sich auch im Orderbruch des Windturbinen-Marktführers Vestas wider: Allein im ersten Quartal gab das Unternehmen neue Aufträge für 21 Turbinen für Anlagen an Land mit einer Kapazität von 1,559 Gigawatt bekannt. Hinzu kamen Aufträge für Offshore-Turbinen mit 620 Megawatt.4 Insgesamt sitzt Vestas damit nun auf einem Rekordauftragsbestand von 48,9 Milliarden Euro.5 Das Umfeld für den Anlagenbauer könnte also kaum besser sein – wären da nicht einige Störfaktoren. Der Ukraine-Krieg aber auch Lockdowns aufgrund der Pandemie haben die Kosten exorbitant gesteigert. Stahl und Kupfer, beides wichtige Rohstoffe für Windräder, sind besonders von Preissteigerungen betroffen. Auch Transport-, Logistik- und Energiekosten explodierten.6 Dazu kommen die anhaltend gestörten Lieferketten und die Aufgabe des Russlandgeschäfts. Operativ dürfte daher 2022 trotz starker Auftragslage bestenfalls eine schwarze Null erreicht werden, musste Vestas einräumen – was an der Börse mit deutlichen Kursverlusten quittiert wurde.7

Bonus-Chance am Laufzeitende

Für Investor:innen, die davon ausgehen, dass sich die Aktie angesichts der bereits erfolgten Korrektur und des grundsätzlich positiven Auftragsumfelds nun zumindest stabilisieren kann, könnte eine neue Bonus Pro Anleihe der Erste Group interessant sein. Voraussetzung für die Zahlung zu 144 Prozent des Nennbetrags ist, dass der Kurs der Vestas-Aktie am Bewertungstag in zwei Jahren am bzw. über seinem Ausübungspreis steht. Liegt der Kurs dagegen darunter, entfällt die Bonuszahlung und die Tilgung der Anleihe erfolgt durch Lieferung von Vestas-Aktien. In diesem Fall kann es zu Kursverlusten kommen, da Anleger:innen dann eins zu eins dem Aktienrisiko ausgesetzt sind.  

1 Quelle: Tagesschau; Stand: 19. Mai 2022
2 Quelle: Tagesschau; Stand: 18. Mai 2022
3 Quelle: Focus; Stand: 24. April 2022
4 Quelle: Focus; Stand: 24. April 2022
5 Quelle: Der Aktionär; Stand: 2. Mai 2022
6 Quelle: Manager Magazin; Stand: 25. Mai 2022
7 Quelle: dpa-AFX; Stand: 2. Mai 2022

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