Halbleitertechnologie
Made in Germany

So schneidet sich Infineon einen Teil vom KI-Kuchen ab

InvestStory 14. Oktober 2026, Kurt Prattes

„Made in Germany“. Diese Herkunftsbezeichnung hört man immer wieder. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde dies zum weltweiten Qualitäts- und Vertrauenssiegel. Dazu trug vor allem der enorme Industrie- und Exportboom bei, den die Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte. Produkte wie der VW Käfer oder Geräte von Bosch machten „Made in Germany“ zum Synonym für Zuverlässigkeit, Präzision und deutsche Wertarbeit. Das Image ist bis heute intakt – zumindest, was die ausländische Perspektive angeht. Laut einer Umfrage des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen aus dem Jahr 2025 liegt das Siegel knapp vor denen aus der Schweiz und aus Japan.1 Doch die Deutschen selbst blicken zunehmend kritisch auf ihre eigene Herkunftsbezeichnung. Denn vor allem in der Digital- und Softwarebranche hat man gegenüber den USA und Asien an Boden verloren.

Silicon Saxony: Das europäische Chipzentrum

Allerdings ist Deutschland gerade dabei, sein Image im Technologiebereich wieder etwas aufzupolieren. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Bundesland Sachsen. Angelehnt an das kalifornische Silicon Valley wird die Region auch als „Silicon Saxony“ bezeichnet. Das ist keineswegs übertrieben. Denn was viele nicht wissen: Dresden, die Hauptstadt von Sachsen, gilt als einer der wichtigsten Standorte für die Chipproduktion in ganz Europa.2 Erst im Juli eröffnete Infineon dort eine der modernsten Halbleiter-Produktionsstätten der Welt. Der Bau hat 5 Milliarden Euro gekostet. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens und die weltweit größte Fabrik für intelligente Leistungshalbleiter und sogenannte „Analog/Mixed-Signal-Technologien“. Noch dazu bewies der Konzern, dass man schneller ist als jedes staatliche Bauvorhaben und pünktlicher ankommt als die oft verspätete Deutsche Bahn. Denn Infineon eröffnete seine „Smart Power Fab“ mehrere Monate vor dem ursprünglichen Zeitplan.3 Das spricht für das Unternehmen, das im April 1999 durch Ausgliederung der zyklischen Halbleitersparte aus der Siemens AG hervorging.4 Die Grundlage des breiten Chipportfolios ist die strategische Kombination verschiedener Halbleitermaterialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid.5 Dabei gilt das einstige Spin-Off heute als höchst innovativ. Schließlich fließen rund 15 Prozent des Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 29.700 Patente und Patentanmeldungen. Außerdem hat der Konzern Zugriff auf innovative Ökosysteme mit anderen Technologiefirmen, Universitäten und Forschungsinstituten.6 Die hohen Investitionen in Forschung, Entwicklung und neue Produktionskapazitäten erhöhen allerdings auch den Druck, die Werke langfristig ausreichend auszulasten. Gerade in der Halbleiterindustrie wechseln sich Phasen hoher Nachfrage und Überkapazitäten traditionell ab.

Technologiepartnerschaft mit Nvidia

Die Chips aus Dresden werden in Zukunft auch zur effizienten Stromversorgung von KI-Rechenzentren beitragen.3 Denn Infineon ist Teil des NVIDIA MGX AI Factory Ecosystem – und damit Technologiepartner von Nvidia. „Da KI-Modelle immer größer und komplexer werden, müssen die Rechenzentren bei gegebener elektrischer Anschlussleistung viel mehr Rechenleistung innerhalb der gleichen physischen und thermischen Rahmenbedingungen bereitstellen.“, sagt Adam White, Präsident der Abteilung Power & Sensor Systems bei Infineon. In Kombination mit der modularen Architektur von Nvidia steigern die Power-Lösungen der Deutschen die energieeffiziente Stromverteilung dabei entlang der gesamten Leistungsumwandlungskette im Rechenzentrum erheblich.7 Die neue Produktionskapazität in Dresden kommt also genau zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich wird in Europa ein KI-Rechenzentrum nach dem anderen gebaut, das auf solche Leistungshalbleiter angewiesen ist. Wie nachhaltig dieser Boom ausfällt, dürfte sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Ungeachtet dessen peilt Infineon allein in diesem Geschäft im laufenden Jahr einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro an. Im Jahr 2027 könnten es bereits 3,3 Milliarden Euro werden.8,9 „Unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bleiben sehr gefragt und sind weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber.“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Passend dazu erwarten die Deutschen, dass die Gewinnmarge im damit verbundenen Geschäftsbereich Power & Sensor Systems von zuletzt rund 19 Prozent im 4. Quartal auf etwa 23 Prozent steigt. Interessant sind auch mehrjährige Kapazitätsvereinbarungen mit verschiedenen Unternehmen aus der Wertschöpfungskette für KI-Datencenter, die zusammen einen Umsatz im hohen einstelligen Milliardenbereich entsprechen.10 Das könnte dazu beitragen, die stark zyklische Komponente im Chipgeschäft abzuschwächen.

Das Automobilgeschäft bleibt wichtig

Die Chips aus Dresden kommen auch im Automotive-Bereich zum Einsatz. In diesem Geschäft ist Infineon traditionell sehr stark aufgestellt. Mit einem Marktanteil von 12,8 Prozent sind die Deutschen weltweit die Nummer 1 bei Automobil-Halbleitern.6 Fast die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes stammt aus diesem Bereich.10 Die hohe Bedeutung dieses Segments geht allerdings auch mit einer starken Abhängigkeit einher. Eine schwächere Entwicklung der Automobilindustrie könnte sich daher überproportional auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Dennoch sprechen einige Faktoren dafür, dass das Geschäft auch künftig Wachstumspotenzial bietet. Die Produktpalette umfasst Mikrocontroller und Leistungshalbleiter für E-Mobilität und autonomes Fahren. Gleichzeitig nimmt der Halbleiterwert pro Fahrzeug in Elektroautos zu. Deshalb bleibt das Geschäft ein zentraler Wachstumsmotor. „Im Automobilbereich ziehen die Aufträge spürbar an.“, bestätigte Jochen Hanebeck bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen.10 Gleichzeitig schaut sich das Unternehmen aber auch nach neuen Wachstumsfeldern für die Zukunft um. Ein Beispiel sind humanoide Roboter.9 Einer UBS-Studie zufolge könnten davon im Jahr 2050 weltweit 300 Millionen Stück im Einsatz sein.11 Schon heute befähigen Mikrocontroller die Roboter, ihre Umgebung wahrzunehmen, zu denken und mit ihr zu interagieren.12 Geht man davon aus, dass ein Roboter einen geschätzten durchschnittlichen Halbleiteranteil von 500 US-Dollar für Infineon ausmacht, könnte physische KI eine bedeutende Wachstumschance für die nächsten Jahrzehnte sein.5 Eine weitere Zukunftschance könnte der Weltraum bieten. Auch dort spielen die Deutschen schon lange mit. Bereits in den 1970er-Jahren lieferten die Vorgängerunternehmen von Infineon erste strahlungsresistente Komponenten für die Raumfahrtprogramme von NASA und ESA. Seitdem wurden hunderte Missionen damit unterstützt – von Navigationssatelliten über die Internationale Raumstation bis hin zum heutigen Artemis-Programm. Damit ist Infineon ein strategischer Technologiepartner für die Raumfahrtindustrie.13

Neben Chancen auch Herausforderungen

Insgesamt scheinen die Deutschen im aktuellen KI-Zyklus gut aufgestellt zu sein. Hinzu kommt, dass die breite, weltweite Präsenz dazu beiträgt, (geo)politische Klumpenrisiken einzelner Regionen zu dämpfen.6 Doch das, was aus Sicht von Anleger:innen am Ende zählt, sind die tatsächlichen Ergebnisse und der Gewinnausblick. Die nächsten Zahlen sind zwar erst für den 10. November zu erwarten. Doch Jochen Hanebeck hat bereits durchklingen lassen, die Prognose für das KI-Geschäft im Geschäftsjahr 2027 voraussichtlich deutlich anzuheben.15 Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass für Anleger:innen durchaus Risiken bestehen. Zum einen dürften die bekannten, guten Aussichten und die erwartete Prognoseanhebung bereits größtenteils eingepreist sein. Zum anderen könnten sich die jüngsten Stärken bei einer größeren KI-Verschnaufpause oder einer Konjunkturdelle in Schwächen verwandeln. So steht etwa der hohen Kundenbindung im Automobilsegment das Risiko gegenüber, dass das Konzernergebnis in hohem Maße von der Entwicklung dieser Branche abhängig ist. Die durch die Eröffnung des Werks in Dresden stark gestiegenen Kapazitäten bedeuten zudem höhere Fixkosten, die erst bei ausreichender Auslastung gedeckt sind. Eine Garantie, diese dauerhaft zu erreichen, gibt es aber nicht. Hinzu kommt der Wettbewerb mit asiatischen und US-amerikanischen Herstellern im Bereich standardisierter Halbleiter. Trotz der getroffenen, langfristigen Vereinbarungen dürfte das Geschäft also auch künftig zyklisch bleiben. Mit diesem sogenannten „Schweinezyklus“ bei Halbleitern hat das Unternehmen schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht: Vor einem Vierteljahrhundert wäre Infineon beim Abklingen des Dotcom-Booms beinahe von der Bildfläche verschwunden.16 Ungeachtet dessen sollten Anleger:innen bedenken, dass die Aktie zuletzt volatil war. Von April bis Juni hat sie sich mehr als verdoppelt, nur um dann innerhalb weniger Wochen ein Drittel ihres Werts einzubüßen. Kurzfristig sind also starke Schwankungen möglich.

Hinweis: Die Entwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftigen Entwicklungen zu. 

Investment-Varianten auf Infineon

Anleger:innen, die über eine Investition in die Aktie von Infineon nachdenken, sollten die Chancen und Risiken also genau abwägen. Neben dem direkten Kauf der Aktie kann auch ein Aktien-Sparplan eine Möglichkeit sein, eine Position schrittweise aufzubauen. Dabei werden zu festgelegten Zeitpunkten regelmäßig Anteile des Chipherstellers erworben. Einzahlungen lassen sich jederzeit anpassen, erhöhen, reduzieren oder pausieren, wodurch ein hohes Maß an Flexibilität erhalten bleibt.

Wie sich auch ohne Kursrallye hohe zweistellige Renditechancen eröffnen können, zeigt die neue Erste Bank Bonus Pro Anleihe auf Infineon 26-28, die sich aktuell in der Zeichnungsphase befindet. Voraussetzung zur Rückzahlung zu 172 Prozent des Nennbetrags ist, dass die Infineon-Aktie am Bewertungstag in 2 Jahren (26.10.2028) auf bzw. über ihrem Ausübungspreis, dem Schlusskurs am 30.10.2026, steht. Damit eröffnet das Produkt die Möglichkeit auf eine deutliche Wertsteigerung auch in einem Umfeld, in dem die Aktie lediglich moderat steigt oder sich nur seitwärts entwickelt. Liegt der Kurs zum Bewertungstag aber unter dem Ausübungspreis, entfällt die Bonuszahlung. Die Tilgung erfolgt dann durch Lieferung von Infineon-Aktien, die in diesem Fall am Markt weniger wert sind, als man ursprünglich darin investiert hat. Dadurch besteht die Möglichkeit eines Kapitalverlusts. Anleger:innen tragen außerdem das Bonitätsrisiko der Emittentin, also das Risiko von Änderungen in der Kreditwürdigkeit oder einer Zahlungsunfähigkeit.

Hinweis: Investitionen bergen neben Chancen auch Risiken. Die im Text angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.

1Quelle: ZEIT.de; Stand: 25. September 2025
2Quelle: tagesschau.de; Stand: 2. Juli 2026
3Quelle: Infineon Technologies; Stand: 2. Juli 2026
4Quelle: Siemens; Stand: Oktober 2022
5Quelle: Infineon Technologies; Stand: 26. Juni 2026
6Quelle: Infineon Technologies; Stand: August 2026
7Quelle: Infineon Technologies; Stand: 29. Mai 2026
8Quelle: ZDFheute.de; Stand: 2. Juli 2026

9Quelle: Der Aktionär, Ausgabe 40/2026; Stand: 23. September 2026
10Quelle: Infineon Technologies; Stand: 5. August 2026
11Quelle: UBS; Stand: 9. März 2026
12Quelle: Infineon Technologies; Stand: 10. März 2026
13Quelle: Infineon Technologies; Stand: 15. April 2026
14Quelle: Infineon Technologies; Stand: 4. Mai 2026
15Quelle: Der Aktionär; Stand: 7. Oktober 2026
16Quelle: WirtschaftsWoche; Stand: 20. August 2021

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