Marktkompass für das
4. Quartal 2026 - Märkte zwischen Resilienz und Risiken

InvestStory 2. Oktober 2026, Bernd Mayer

Die folgende Übersicht fasst die zentralen Inhalte der „Global Strategy – Finanzmärkte im 4Q 2026“ von Erste Group Research – erschienen am 29. September 2026 – zusammen. 

Die Weltwirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig. Die Einschätzung der Krise am Persischen Golf hat sich im Laufe des dritten Quartals grundlegend verändert. Während Ende Juni noch Hoffnungen auf eine Entspannung bestanden, deutet aktuell vieles darauf hin, dass der Status quo bestehen bleibt. Damit bleiben die Energiepreise hoch. Gleichzeitig zeigt sich die globale Konjunktur weiterhin robust. Unterstützung kommt dabei nicht zuletzt von KI-bezogenen Investitionen. Vor diesem Hintergrund haben die Märkte ihre Erwartungen angepasst. Höhere Energiepreise und weiterhin solide Wirtschaftsdaten haben insbesondere an den Anleihenmärkten zu einer Neubewertung geführt. Von zentraler Bedeutung bleibt dabei die Entwicklung des Ölpreises. Da sich hinsichtlich des Konflikts mit dem Iran aktuell keine Entspannung abzeichnet, bleibt das Risiko anhaltend hoher Energiepreise bestehen. Die erreichten Renditeniveaus dürften daher auch im vierten Quartal Bestand haben.

Hinweis: Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung und nicht um eine Finanzanalyse. Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhaltet.

Robuste Konjunktur trotz geopolitischer Belastungen

Die Wirtschaft der Eurozone entwickelte sich im zweiten Quartal überraschend stark. Besonders Spanien leistete weiterhin einen wichtigen Wachstumsbeitrag, während auch Deutschland und Italien eine solide Entwicklung verzeichneten. Die Erholung der Stimmungs- und Aktivitätsindikatoren setzte sich bis September fort und spricht für anhaltend solides Wachstum.

Gestützt wird die Konjunktur weiterhin vom privaten Konsum, von Investitionen und vom Außenhandel. Die Exportentwicklung fiel im ersten Halbjahr positiv aus, wobei insbesondere Deutschlands Ausfuhren elektrischer Ausrüstung vom weltweit steigenden Energiebedarf und dem Ausbau der KI-Infrastruktur profitierten.

Die höheren Energiepreise stellten bislang kein wesentliches Hindernis für die Wirtschaft dar. Da sich jedoch keine Entspannung des Konflikts mit dem Iran abzeichnet, steigt das Risiko einer Belastung für Unternehmen und private Haushalte. Gleichzeitig bleiben die Finanzierungsbedingungen aufgrund niedriger Risikoaufschläge günstig, und KI-bezogene Investitionen dürften in Europa weiter zunehmen.

Auch die US-Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs. Der private Konsum legte trotz hoher Inflation kräftig zu, während die Unternehmensinvestitionen weiterhin stark bleiben. Unterstützt wurde der private Konsum durch das weitere Wachstum der verfügbaren Realeinkommen sowie eine sinkende Sparquote. KI-Investitionen waren auch im zweiten Quartal 2026 für mehr als die Hälfte des gesamten Investitionswachstums verantwortlich. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Erste Group Research daher weiterhin ein Wachstum von deutlich über 2 Prozent. Mit Blick nach vorne könnten höhere Energiepreise die Kaufkraft der privaten Haushalte belasten und die Konsumdynamik abschwächen. Gleichzeitig bleibt die Inflation deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank.

In den CEE-Ländern zeigt sich das Wachstum weiterhin robust, auch wenn die Entwicklung zwischen den einzelnen Ländern unterschiedlich verläuft. In Asien bleibt das Bild gemischt: Während China weiterhin mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist, zählt Indien dank seiner starken Binnenkonjunktur und hoher Investitionen zu den dynamischsten Volkswirtschaften weltweit.

Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen; Quelle: IWF, Erste Group Research; Stand: 29. September 2026

Zinsen und Inflation: Gestiegene Renditen, Notenbanken bleiben vorsichtig

Die Inflation bleibt sowohl in Europa als auch in den USA das beherrschende Thema für die Geldpolitik. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen höheren Energiepreise haben die Inflationserwartungen wieder nach oben verschoben. Für die Eurozone erwartet Research für 2026 eine Inflationsrate von 3,0 Prozent, für die USA 3,5 Prozent.

Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, ob sich der Preisdruck über den Energiesektor hinaus auf weitere Güter und Dienstleistungen ausweitet. In der Eurozone zeigte sich bei den Güterpreisen bereits eine Beschleunigung der Preisdynamik. Gleichzeitig könnten steigende Löhne im Jahr 2027 zusätzlichen Inflationsdruck verursachen. Erst mit einem erwarteten Rückgang der Energiepreise dürfte die Inflation im Jahr 2027 wieder auf 2,6 Prozent in der Eurozone beziehungsweise 2,5 Prozent in den USA sinken.

Vor diesem Hintergrund bleiben die Notenbanken vorsichtig. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen im September erneut um 25 Basispunkte angehoben. Research rechnet sowohl für die EZB als auch für die US-Notenbank Fed mit einem weiteren Zinsschritt im Dezember. Die Risiken für Inflation und Zinsen werden weiterhin als aufwärtsgerichtet eingeschätzt.

Die Anpassung der Zinserwartungen hat in den vergangenen Monaten zu einem deutlichen Anstieg der Staatsanleiherenditen geführt. Während dies kurzfristig auf die Kurse bestehender Anleihen drückt, sind die laufenden Renditen für Anleger wieder attraktiver geworden. Auch Unternehmensanleihen profitieren weiterhin von soliden Fundamentaldaten. Die Risikoaufschläge blieben trotz des herausfordernden Umfelds vergleichsweise stabil.

Gleichzeitig erwartet Research mittelfristig wieder Spielraum für sinkende Leitzinsen. Davon dürften insbesondere Anleihen mit kürzeren Laufzeiten profitieren, da die Märkte künftig niedrigere Leitzinsen einpreisen könnten. Bei länger laufenden Anleihen wird das Potenzial für deutlich sinkende Renditen dagegen als begrenzt eingeschätzt. Dafür sprechen weiterhin robuste Konjunkturaussichten, ein hohes Emissionsvolumen staatlicher Anleihen sowie der Einfluss der US-Renditen auf die europäischen Kapitalmärkte.

Insgesamt rechnet Research daher mit einem moderaten Rückgang deutscher Renditen und einer leichten Versteilung der Renditekurve. Während die Renditen am kurzen Ende stärker nachgeben könnten, dürften langfristige Renditen vergleichsweise hoch bleiben.

Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen; Quelle: Marktdatenanbieter, Erste Group Research; Stand: 29. September 2026

Aktienmärkte – Entwicklung und Ausblick

Trotz höherer Energiepreise, steigender Anleiherenditen und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten bleibt Research für Aktien konstruktiv. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die weiterhin starken Wachstumsaussichten der Unternehmen.

Für die Unternehmen des globalen Aktienmarktindex wird 2026 ein Umsatzwachstum von rund 13 Prozent sowie ein außergewöhnlich hohes Gewinnwachstum von 31 Prozent erwartet. Auch wenn sich die Gewinnentwicklung im Jahr 2027 voraussichtlich abschwächen wird, rechnet Research weiterhin mit einem überdurchschnittlichen Gewinnwachstum von 14 Prozent und einem Umsatzanstieg von rund 8 Prozent. Damit liegen die Erwartungen deutlich über den langfristigen historischen Durchschnittswerten.

Ein wichtiger Wachstumstreiber bleiben die Investitionen in Künstliche Intelligenz. Die großen US-Technologiekonzerne investieren weiterhin massiv in Rechenzentren und digitale Infrastruktur. Wie die Grafik zeigt, erwartet Research, dass die Investitionsausgaben der großen Hyperscaler bis 2028 auf rund USD 1.150 Mrd. steigen werden. Bereits 2027 dürfte das Investitionsvolumen erstmals die Marke von USD 1 Billion überschreiten. Research sieht diese Entwicklung angesichts der weiterhin starken Nachfrage nach KI-Anwendungen als gerechtfertigt an.

Von diesem Trend profitieren nicht nur Technologieunternehmen. Positive Einschätzungen bestehen auch für die Sektoren Finanzen, Industrie, Rohstoffe, Kommunikation, Gesundheit und Energie. Zurückhaltender bleibt Research hingegen bei Basiskonsumgütern, zyklischen Konsumwerten und Versorgern.

Insgesamt bietet der globale Aktienmarkt aus Sicht von Research weiterhin attraktive Wachstumsperspektiven. Bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,5 für 2026 wird die Bewertung als moderat eingeschätzt. Vor dem Hintergrund der positiven Gewinnaussichten erwartet Research für den globalen Aktienmarkt im vierten Quartal 2026 weiteres Aufwärtspotenzial im Bereich von rund 0 bis 5 Prozent.

Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen; Quelle: Unternehmensdaten, Erste Group Research Schätzungen; Stand: 29. September 2026

Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen. Quelle: Erste 1000 Index, Erste Group Research, Factset. LSEG; Stand: 29. September 2026

Hinweis: Die Entwicklung der Vergangenheit lasst keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftigen Entwicklungen zu. Quelle: Erste 1000 Index, Erste Group Research, Factset. LSEG; Stand: 29. September 2026

Gold – Hohe Notenbanknachfrage trifft auf Gegenwind durch Zinsen

Gold erhält weiterhin Unterstützung durch die anhaltend hohe Nachfrage der Notenbanken. Gleichzeitig bleibt das Edelmetall jedoch einem schwierigen Umfeld ausgesetzt. Höhere Anleiherenditen und ein erhöhtes Zinsniveau erhöhen die Opportunitätskosten von Gold und begrenzen das Aufwärtspotenzial.

Vor diesem Hintergrund erwartet Research für das vierte Quartal weiterhin eine Seitwärtsbewegung des Goldpreises bei erhöhter Volatilität. Die starken Käufe der Notenbanken dürften zwar stabilisierend wirken, reichen aus Sicht der Analysten jedoch nicht aus, um einen deutlichen Aufwärtstrend auszulösen. Für das Jahresende wird ein Goldpreis von rund USD 4.300 je Unze erwartet.

Hinweis: Die Entwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftigen Entwicklungen zu. Quelle: Marktdatenanbieter, Erste Group Research; Stand: 29. September 2026

Quelle: World Gold Council, Erste Group Research; Stand: 29. September 2026

EUR/USD: Zinsdifferenz spricht weiterhin für festen US-Dollar

Nach einer deutlichen Abschwächung im Sommer konnte der US-Dollar im September wieder zulegen und näherte sich dem Niveau zu Beginn des Quartals an. Ausschlaggebend dafür waren gestiegene Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinsschritte in den USA sowie ein höher erwarteter Zinspfad in den kommenden Jahren.

Für die nächsten Monate erwartet Research einen weiterhin festen US-Dollar. Der entscheidende Faktor bleibt die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone. Zwar wird in beiden Wirtschaftsräumen noch mit einer Zinserhöhung in diesem Jahr gerechnet, für die USA sieht Research jedoch das größere Potenzial für dauerhaft höhere Zinsen. Dafür sprechen die im Vergleich zur Eurozone höhere Inflation sowie die dynamischere Wirtschaftsentwicklung, die unter anderem vom KI-Boom unterstützt wird.

Vor diesem Hintergrund erwartet Research zunächst eine weitere Aufwertung des US-Dollars und anschließend eine Seitwärtsbewegung des EUR/USD-Wechselkurses um ein Niveau von 1,12.

Hinweis: Die Entwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftigen Entwicklungen zu. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen. Quelle: Marktdatenanbieter, Erste Group Research; Stand: 29. September 2026

Fazit

Die Global Strategy für das vierte Quartal 2026 zeigt, dass sich die Weltwirtschaft auch zum Jahresende 2026 bemerkenswert widerstandsfähig präsentiert. Trotz geopolitischer Spannungen, anhaltend hoher Energiepreise und gestiegener Anleiherenditen blieb die Konjunktur in Europa und den USA bislang robust. Unterstützung kommt weiterhin vom privaten Konsum, dem Außenhandel sowie den hohen Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz.

Gleichzeitig haben die Risiken zugenommen. Insbesondere die Entwicklung des Ölpreises und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten bleiben wichtige Unsicherheitsfaktoren. Sollte sich die Hoffnung auf eine Entspannung weiter zerschlagen, könnten höhere Energiepreise zunehmend Unternehmen und private Haushalte belasten und die Konjunkturdynamik bremsen.

Auch die Inflation dürfte vorerst über den Zielwerten der Notenbanken bleiben. Entscheidend wird sein, ob sich der Preisdruck über den Energiesektor hinaus auf weitere Güter und Dienstleistungen ausweitet. In diesem Fall könnte das Zinsniveau länger erhöht bleiben als derzeit erwartet.

Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Research sieht weiterhin attraktive Perspektiven für globale Aktien, unterstützt durch eine starke Gewinnentwicklung und hohe Investitionen. Gleichzeitig bieten Anleihen nach dem deutlichen Renditeanstieg wieder interessante laufende Erträge. Die weitere Entwicklung von Energiepreisen, Inflation und Geldpolitik wird entscheidend für die Entwicklung der Finanzmärkte sein.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhaltet.

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Interessenkonflikt: Die Erste Group Bank AG ist mit der Erste Bank und den österreichischen Sparkassen verbunden.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ist die zuständige Aufsichtsbehörde.

Stand: Oktober 2026

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