
Vom Bauchgefühl
direkt in die Bredouille
Typische Anlagefehler und wie Sie planvoll gegensteuern
InvestStory 25. September 2026, Kurt Prattes
Mit dem Kopf durch die Wand wie Bud Spencer, alles auf eine Karte setzen à la James Bond, auf jeder Hochzeit dabei wie weiland Mörtel Lugner oder doch eher Julia Roberts als „Braut, die sich nicht traut“? Sie sehen schon – je nach Vorliebe, Risikoeinstellung oder Impulsivität ergeben sich eine Vielzahl von Anleger:innentypen, das Ganze nochmal gesteigert um den Faktor Erfahrung, die von Neueinstieg bis abgeklärte Routine reichen kann. Unabhängig vom Typus, lassen sich aber durchaus einige generelle Anlageprinzipien festhalten, die es lohnt, im Sinne von „erfolgreichem Investieren“ auf dem Schirm zu haben.
Heute so, morgen so?
Wenn Peter Cornelius vom „Segel im Wind“ singt, geht es um Freiheit, Spontanität und Liebe. Bei Anleger:innen würde es auf längere Sicht wohl eher um schlechte Performance und Fehlinvestitionen gehen. Wer investiert, ohne einen klaren Plan zu haben, muss sich zwangsläufig auf sein (Tages)Gefühl verlassen und agiert damit emotional. Die Kurse an den Märkten steigen, also schnell kaufen. Fallen sie, lieber verkaufen, wer weiß schon, wie weit sie fallen. Drehen sie wieder, ist das sicher ein lohnender Einstieg oder etwa doch nicht? Die Antwort ist eigentlich einfach – es kommt darauf an! Nämlich auf die Anlagestrategie, die man sich im Vorfeld hoffentlich überlegt hat. Warum will man ein bestimmtes Wertpapier haben, wie ist der eigene Anlagehorizont, welchen Preis ist man bereit dafür zu bezahlen und verfolgt man aktiv die Nachrichtenlage, damit die Erwartungen regelmäßig mit dem wirtschaftlichen Ist-Zustand abgeglichen werden? Eine klare Anlagestrategie vermeidet zudem Aktionismus und übertriebenen Aktivismus – man muss nicht getrieben im Minutentakt auf Kurse schauen und bei jeder Schwankung überlegen, ob man doch besser kauft oder verkauft. Nicht umsonst lautet eine alte Börsenweisheit: „Hin und her macht Taschen leer“ – lassen Sie sich nicht treiben wie ein Segel im Wind. Brauchen Sie ja auch nicht, denn schließlich haben Sie ja einen Plan – „stick to it“!
Das wird schon noch!
Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob die optimistische Herangehensweise ein Glas als halbvoll zu betrachten auf Dauer gesünder ist als sein pessimistischeres Pendent des halbleeren – gleichwohl beträgt der Inhalt in beiden Fällen 50 Prozent! Dieser nüchterne Realismus kann Anleger:innen vor einem weiteren Fauxpas schützen, der gerne mal im Laufe der Investition auf dem Weg lauert. Gemeint ist das Schönreden und damit Aussitzen von Verlusten, bei denen längst die Reißleine hätte gezogen werden sollen. Strenggenommen hätte es ja gar nicht so weit kommen dürfen, denn laut Anlageplan, hätte man natürlich auch festgesetzt, bei welchen Marken man Verluste begrenzt beziehungsweise Gewinne realisiert. Aber sei’s drum, nun ist es eben mal passiert und auch wenn man den Kopf in den Sand steckt, sieht trotzdem immer noch der Hintern raus. Wichtiger ist, dass eine Lösung her muss. Man könnte beispielsweise überdenken, ob sich am ursprünglichen Investitionsgedanken grundlegend etwas verändert hat? Würde man das Wertpapier zum aktuellen Zeitpunkt – und damit zum aktuellen Kurs – wieder kaufen oder hält man es nur, damit man (hoffentlich) wieder auf Einstandskurs kommt, um es dann postwendend zu entsorgen? Bei Durchhalteparolen ist in vielen Fällen eher der Wunsch Vater des Gedankens – erfolgreiches Investieren verlangt aber vielmehr nach ehrlicher Beurteilung ohne Selbstbetrug. Wenn man lernt Verluste zu begrenzen und gleichzeitig Gewinne laufen zu lassen, hat man insofern eine elementare Lektion gelernt. Und natürlich haben wir auch eine passende Börsenweisheit für Sie dazu: „Cut your losses short, let your winners run“ – klingt gut, ist es auch!
I want it all and I want it now!
Was die Popgruppe Queen Ende der 1980er Jahre stimmgewaltig in ihrem Song forderte, steht auch Ihnen, liebe (zukünftige) Anleger:innen zu! Aber Sie ahnen es bereits – es gibt einen kleinen Haken. Sie müssen sich nämlich im gleichen Atemzug dafür entscheiden, wieviel Risiko sie bereit sind dafür in Kauf zu nehmen. Alles und sofort verlangt nach anderen Finanzinstrumenten als renditestark und langfristig. Mit strategischem Vermögensaufbau hat dies in der Regel aber wenig gemeinsam, eher mit hopp oder top. Und dies wiederum sollte nicht Ihr Anspruch an eine ernstzunehmende Anlagestrategie sein. Daher gilt es unrealistische Renditeerwartungen zu vermeiden und ein Gespür für die eigene Risikobereitschaft zu entwickeln. Wie viel Risiko ist man bereits zu tragen und kann man emotional damit auch leben? In puncto Realismus zeigt ein Blick in die Börsengeschichte vor allem eines: Erfogreicher Vermögensaufbeu entsteht in der Regeln nicht über Nacht. Langfristiges Investieren erfordert Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, zwischenzeitliche Schwankungen auszuhalten. Was uns ohne Schnörkel zu einem weiteren wichtigen Anlageprinzip führt.
Investieren Sie lieber großzügig polygam!
Sich in eine einzelne Aktie beziehungsweise das dazugehörige Unternehmen zu verlieben, mag zwar gut für die emotionale Bindung sein, ein guter Ratgeber ist es aber in den seltensten Fällen. So weiß schon der Volksmund, dass Liebe blind macht, und wenn man am Ende mit seinem Investment eine finanzielle Bruchlandung hinlegt, ist es meistens auch mit der Zuneigung nicht mehr weit her. Daher empfiehlt es sich mehrgleisig zu fahren und seine Investitionen breit über mehrere Anlageklassen, aber auch innerhalb einer einzelnen Kategorie – zum Beispiel Aktien – zu streuen. Der Blick auf einzelne Erfolgsgeschichten kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass langfristig nur vergleichsweise wenige Unternehmen für einen Großteil der Wertentwicklung an den Aktienmärkten verantwortlich sind. Welche Unternehmen zu diesen langfristigen Gewinnern zählen werden, lässt sich jedoch meist erst im Rückspiegel erkennen. Anders ausgedrückt: Die langfristige Entwicklung ganzer Aktienmärkte wird häufig von einer vergleichsweise kleinen Zahl außergewöhnlich erfolgreicher Unternehmen getragen. Welche Unternehmen diese Rolle künftig übernehmen werden, lässt sich vorab jedoch nur schwer vorhersagen. Wer insofern einzelne Lieblingsaktien zu stark gewichtet, riskiert unter Umständen Fehlgriffe, die mit ausreichender Diversifikation vermeidbar gewesen wären. Übrigens ist es ein Irrglaube, dass man automatisch gut diversifiziert ist, wenn man in mehrere ETFs investiert, wie zum Beispiel den MSCI World, S&P 500 und Nasdaq 100. Tatsächlich enthalten diese Indizes zu einem bedeutenden Anteil dieselben großen US-Technologiewerte, was zu ungewollten Klumpenrisiken führt, sowohl was die Branche als auch was die Region betrifft. Unabhängig davon gilt – „wer gut streut, rutscht nicht aus!“
Fazit
Naturgemäß gibt es weitere Fehler, die man als Anleger:in machen kann, so dass die genannten Anlageprinzipien selbstverständlich keine abschließende Betrachtung sind. Dennoch kann festgehalten werden – wer eine klare Strategie für sich definiert, in diesem Zuge seine Emotionen unter Kontrolle bringt, realistische Renditeerwartungen ins Auge fasst und breit streut, dürfte dem Ziel des erfolgreichen Vermögensaufbaus einen entscheidenden Schritt nähergerückt sein. Beim ohnehin schon facettenreichen Thema Diversifikation, das in erster Linie aus Aktiensicht betrachtet wird, sollten zudem auch andere Anlageklassen wie beispielsweise Anleihen, Gold oder gegebenenfalls strukturierte Wertpapiere ins Kalkül gezogen werden, insofern sie mit der individuellen Zielsetzung kompatibel erscheinen.
Womit wir zur Quintessenz und – dem Ende angemessen – zum dramaturgischen Höhepunkt dieses Beitrags kommen. Die allerwichtigste Regel lautet nämlich: „Investieren Sie Ihr Kapital! Nehmen Sie sich Zeit und wagen Sie vorsichtige erste Schritte im weitgefassten Anlageuniversum. Nicht um kurzfristige, schnelle Gewinne zu erzielen, sondern damit Ihr Kapital langfristig wachsen kann und nicht der Inflation anheimfällt. Denn wer sein Vermögen dauerhaft unverzinst auf Giro- oder Sparkonto einmottet, verliert selbst bei moderaten Inflationsraten über die Jahre Kaufkraft, so dass der reale Wert des Ersparten sinkt. Denken Sie daran – es geht weniger um Perfektion, denn fehlerhafte Einschätzungen passieren zwangsläufig, sondern vielmehr um ständige Optimierung und eine gute, individuell abgestimmte Anlagestrategie. Und wer sollte besser als Sie selber wissen, was Ihnen vorschwebt? Wir würden uns freuen, wenn wir Ihnen mit diesen Zeilen dabei helfen konnten, den einen oder anderen häufigen Anlegerfehler zu vermeiden.
Viel Erfolg und gutes Investieren!
Hinweis: Langfristiges Denken schützt nicht vor Verlusten. Auch bei langfristigen Veranlagungen können Wertschwankungen und Kapitalverluste auftreten. Investitionen bergen neben Chancen auch Risiken.
Wichtige rechtliche Hinweise
Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung und nicht um eine Anlageberatung.
Eine Veranlagung in Wertpapiere birgt neben den geschilderten Chancen auch Risiken. Wir dürfen dieses Finanzprodukt weder direkt noch indirekt natürlichen bzw. juristischen Personen anbieten, verkaufen, weiterverkaufen oder liefern, die ihren Wohnsitz bzw. Unternehmenssitz in einem Land haben, in dem dies gesetzlich verboten ist. Wir dürfen in diesem Fall auch keine Produktinformationen anbieten. Dies gilt besonders für die USA sowie "US-Personen" wie sie die Regulation S unter dem Securities Act 1933 in der gültigen Fassung definiert.
Beachten Sie auch unsere Kundeninformation „Informationen über uns und unsere Wertpapierdienstleistungen“.
Unsere Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und berücksichtigen nicht die persönlichen Merkmale unserer Anleger:innen hinsichtlich der Erfahrungen und Kenntnisse, des Anlageziels, der finanziellen Verhältnisse, der Verlusttragfähigkeit oder Risikotoleranz.
Interessenkonflikt: Die Erste Bank Oesterreich ist mit der Erste Group Bank AG und den österreichischen Sparkassen verbunden.
Stand: September 2026