
Zwischen Realität und Raumfahrtromantik
Wie viel Zukunft steckt in SpaceX?
InvestStory 16. September 2026, Kurt Prattes
Der Börsengang von SpaceX war das Finanzereignis des Jahres. Monatelang hatte die Börsenwelt diesem Moment entgegengefiebert. Medien berichteten nahezu täglich über die geplante Neuemission, Analyst:innen veröffentlichten immer neue Bewertungsszenarien und Investor:innen zogen sogar Kapital aus anderen Investments ab, um beim wohl spektakulärsten Börsendebüt der vergangenen Jahre dabei sein zu können.1 Wie groß die Euphorie war, verdeutlichen die Zahlen: Mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen US-Dollar stieg SpaceX aus dem Stand in die Liga der wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Gleichzeitig spülte der Börsengang rund 75 Milliarden US-Dollar in die Kassen des Konzerns und stellte damit den bisherigen IPO-Rekord von Saudi Aramco – das rund 26 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatte – deutlich in den Schatten.1 Für Unternehmensgründer Elon Musk zahlte sich der Hype ebenfalls aus: Dank seiner Beteiligung an SpaceX wurde er auf dem Papier zum ersten Billionär der Geschichte.2

Quelle: Quelle: Renaissance Capital, Reuters, SpaceX; Stand: Juni 2026
Mehr Vision als Fundamentaldaten
Gemessen an den Unternehmenszahlen erscheint der Erfolg durchaus überraschend: Laut Börsenprospekt erzielte SpaceX im Jahr vor dem IPO einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden US-Dollar und schrieb gleichzeitig einen Milliardenverlust. Beobachter:innen warnten deshalb bereits zum Börsendebüt davor, dass der Hype weniger auf den aktuellen Fundamentaldaten als vielmehr auf den enormen Zukunftserwartungen der Anleger:innen beruhte.3,4,5 Viele Investor:innen sehen in SpaceX eine langfristige Wette auf günstige Raketenstarts, globales Satelliteninternet, Weltraumlogistik und langfristig sogar die Besiedlung des Mars. Elon Musk formuliert es seit Jahren ähnlich: Ziel sei es, die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies zu machen.5
Die Erwartungen werden neu justiert
An den ambitionierten Zielen von SpaceX hat sich auch rund drei Monate nach dem IPO nichts geändert. Der anfängliche Hype rund um das Unternehmen ist inzwischen jedoch spürbar abgeklungen. Zwar wird SpaceX weiterhin mit einem deutlichen Aufschlag auf die erwarteten Umsätze gehandelt, von den Höchstständen rund um das Börsendebüt hat sich die Aktie inzwischen jedoch merklich entfernt. Der Blick vieler Anleger:innen auf das Unternehmen fällt mittlerweile deutlich nüchterner aus. Gründe dafür gibt es mehrere. Einer davon: Nur wenige Tage nach dem Börsengang machte die Nachricht die Runde, dass SpaceX bereits wieder frisches Kapital benötigt. Das weckte Zweifel daran, wie schnell das Unternehmen seine ambitionierten Wachstumspläne aus eigener Kraft finanzieren kann.6
Zudem setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die außergewöhnlich hohe Bewertung zum Börsendebüt bereits einen Großteil dessen vorweggenommen hatte, was SpaceX erst noch erreichen muss. Nach dem Ende des IPO-Hypes rückt daher die Frage in den Mittelpunkt, wann aus den ambitionierten Zukunftsplänen ein profitables Unternehmen wird. Denn auch große Visionen müssen letztlich durch belastbare Geschäftszahlen untermauert werden.6 Zwar stieg der Umsatz um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden US-Dollar und belegte damit die hohe Wachstumsdynamik von SpaceX. Unter dem Strich stand jedoch erneut ein Milliardenverlust. Auch von der Vision einer multiplanetaren Menschheit war in den Zahlen wenig zu erkennen. Stattdessen zeigte sich vor allem ein Unternehmen, das massiv in Infrastruktur investiert und dessen wirtschaftlicher Erfolg derzeit von deutlich bodenständigeren Geschäftsfeldern abhängt.7,8
Zwischen Vision und Geschäftsalltag
Der wirtschaftliche Erfolg von SpaceX basiert heute in erster Linie auf Raketenstarts für staatliche und private Kund:innen. Zu den wichtigsten Auftraggeber:innen zählen Institutionen wie die NASA oder das US-Verteidigungsministerium. Deren langfristige und oft milliardenschwere Aufträge sorgen für verlässliche Einnahmen. Jährlich bringt SpaceX mit seinen teilweise wiederverwendbaren Falcon-Raketen weit mehr als 100 Missionen ins All und transportiert dabei Satelliten, Fracht und Astronaut:innen. Die Wiederverwendbarkeit gilt dabei als einer der wichtigsten wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren. Während Trägerraketen früher meist nur einmal genutzt wurden, können Falcon-Raketen mehrfach eingesetzt werden, wodurch die Startkosten deutlich sinken. Damit hat sich der Konzern zum dominierenden Akteur im kommerziellen Raumfahrtmarkt entwickelt.9,10,11
Einen weiteren Geschäftsbereich bildet der Satelliteninternetdienst Starlink. Während die Falcon-Raketen den Zugang zum Weltraum ermöglichen, verfolgt Starlink das Ziel, weltweit Breitbandinternet aus dem Orbit bereitzustellen. Mit inzwischen mehr als 10.000 Satelliten im All und mehreren Millionen Nutzer:innen weltweit hat sich das Netzwerk zu einer bedeutenden Einnahmequelle des Konzerns entwickelt und damit zum wirtschaftlichen Fundament für Musks ambitionierte Zukunftspläne.12,13 Und dazu zählt längst nicht mehr nur die Besiedlung des Mars. Mit xAI, dem von Elon Musk gegründeten KI-Unternehmen hinter dem Chatbot Grok, versucht der Unternehmer zunehmend, Raumfahrt, Kommunikation und Künstliche Intelligenz miteinander zu verknüpfen. Langfristig sollen die dafür benötigten gewaltigen Rechenkapazitäten durch neue Infrastrukturprojekte von SpaceX unterstützt werden. Dazu gehören auch Überlegungen, energieintensive KI-Rechenzentren künftig teilweise ins All zu verlagern. Auf diese Weise soll die steigende Nachfrage nach Rechenleistung künftig durch orbitale Infrastruktur und Solarenergie gedeckt werden.14
Quelle: Bryce Tech, Statista; Stand: 9. September 2026
Starke Position in einem Wachstumsmarkt
Auch wenn viele dieser Projekte noch Zukunftsmusik sind und sich manche womöglich nie realisieren lassen, bleibt die Einschätzung vieler Analyst:innen positiv. Ihre Argumentation fußt unter anderem darauf, dass SpaceX in einem Markt operiert, der über Jahre hinweg stark wachsen dürfte.15 Die globale Weltraumwirtschaft entwickelt sich zunehmend von einer staatlich dominierten Nische zu einer eigenständigen Industrie. Anwendungen reichen von Satelliteninternet über Erdbeobachtung bis hin zu Weltraumlogistik und Kommunikation. Marktprognosen zufolge könnte die sogenannte Space Economy in den kommenden Jahrzehnten auf deutlich über eine Billion US-Dollar anwachsen.11,17,18
SpaceX spielt dabei eine wesentliche Rolle und verfügt über einen strukturellen Vorteil: Das Unternehmen kontrolliert große Teile der Wertschöpfungskette selbst. Raketen, Satelliten, Startinfrastruktur und das Starlink-Netzwerk kommen weitgehend aus einer Hand. Dadurch entstehen Skaleneffekte, die Wettbewerber nur schwer nachbilden können.9,16 Wie groß das Potenzial aus Sicht des Managements ist, verdeutlichen die jüngsten Aussagen von Musk. Er traut SpaceX bis 2033 einen Jahresumsatz von 3,5 Billionen US-Dollar zu. Das entspräche einer Größenordnung, die selbst die Wirtschaftsleistung vieler Industriestaaten in den Schatten stellen würde.14
Hinweis: Schätzungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen
Aus Visionen müssen Gewinne werden
Ob Musk SpaceX tatsächlich auf eine derartige Größe hieven kann, steht noch in den Sternen. Mindestens ebenso spannend ist die Frage, wann aus der Wachstumsstory eine nachhaltig profitable Erfolgsgeschichte wird. Der Weg dorthin dürfte jedenfalls noch lang und kapitalintensiv werden. SpaceX investiert weiterhin massiv in neue Raketensysteme, Satelliten, KI-Infrastruktur und Langfristprojekte. Die Folge sind hohe Ausgaben, die kurzfristig auf die Marge drücken. Viele Marktbeobachter:innen gehen deshalb davon aus, dass der Sprung in die Gewinnzone zwar gelingen kann, jedoch erst mit zunehmender Größe des Starlink-Geschäfts und einer stärkeren Monetarisierung der Infrastruktur.8
Genau darin liegt bis heute die größte Unsicherheit für Investor:innen: Wer SpaceX kauft, investiert in mehrere ambitionierte Zukunftswetten. Ob die aktuelle Bewertung langfristig gerechtfertigt ist, wird vor allem davon abhängen, ob SpaceX seine ehrgeizigen Zukunftspläne Schritt für Schritt in profitable Geschäftsmodelle übersetzen kann. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die starke Abhängigkeit von Elon Musk. Er ist Visionär, Aushängeschild und wichtigste Identifikationsfigur des Konzerns zugleich. Veränderungen seiner Rolle oder neue Kontroversen rund um seine Person könnten daher jederzeit auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Aktie haben. 5,14
Trotz aller offenen Fragen zeichnet sich bereits heute ein klares Bild ab: SpaceX bleibt eines der faszinierendsten Unternehmen der Welt. Die Kombination aus Raumfahrt, Satelliteninternet und Künstlicher Intelligenz besitzt zweifellos enormes Potenzial. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung seit dem Börsengang, dass zwischen Begeisterung und wirtschaftlicher Realität ein erheblicher Unterschied liegen kann. Gerade deshalb dürfte die Aktie auch in den kommenden Jahren vor allem eines bleiben: eine Wette auf eine außergewöhnliche Zukunftsvision.5,14
Investment-Varianten
Anleger:innen, die über eine Investition in SpaceX nachdenken, können neben der Direktinvestition in die Aktie des Weltraumunternehmens auch einen Aktiensparplan in Betracht ziehen, bei dem zu festgelegten Abrechnungsterminen regelmäßig Anteile von SpaceX erworben werden. Dabei können Einzahlungen jederzeit erhöht, reduziert oder pausiert werden, was ein hohes Maß an Flexibilität gewährleistet.
Hinweis: Investitionen bergen neben Chancen auch Risiken.
1Quelle: Reuters; Stand: 1. Juni 2026
2Quelle: Technology.org; Stand: 12. Juni 2026
3Quelle: FundResearch; Stand: 11. Juni 2026
4Quelle: Börse Online; Stand: 9. Juni 2026
5Quelle: Tagesschau; Stand: 12. Juni 2026
6Quelle: t3n; Stand: 23. Juli 2026
7Quelle: Börse Express; Stand: 8. September 2026
8Quelle: Tagesschau; Stand: 5. August 2026
9Quelle: Erste Asset Management; Stand: 5. Juni 2026
10Quelle: Dr. Web; Stand: 4. Mai 2026
11Quelle: KeepTrack; Stand: 8. September 2026
12Quelle: KeepTrack; Stand: 8. September 2026
13Quelle: Jonathan McDowell; Stand: 8. September 2026
14Quelle: Finanzen100; Stand: 1. September 2026
15Quelle: Der Aktionär; Stand: 14. August 2026
16Quelle: Erst Bank & Sparkasse InvestStories; Stand: 22. April 2026
17Quelle: Vontobel; Stand: 9. April 2026
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Stand: September 2026