Der Griff nach den Sternen – Der Weltraum wird zum Marktplatz

InvestStory 22. April 2026, Florian Neuwirth

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2026. Dies sind die Abenteuer von Captain Elon Musk, der – ermüdet vom ständigen Kampf um Raum-Zeit-Restriktionen auf Erden – sich mit seinem Unternehmen SpaceX aufmacht, neue Welten zu erforschen, neue Lebensräume zu erschließen und die Kolonisierung des Weltraums voranzutreiben. Allein sein Vorhaben bleibt nicht unbemerkt und so kämpft er mit weiteren Weltraumbaronen wie Jeff Bezos und Richard Branson um die ultimative Vormachtstellung unter den irdischen Alphatieren – denn am Ende kann es nur einen geben … -- nein, nicht den Highlander! Eher den „Alpha Centauri“, aber über den genauen Titel mögen zukünftige Generationen entscheiden. Viel interessanter ist, dass der kommerzielle Wettlauf ins All spürbar an Dynamik gewinnt und sich daraus spannende Entwicklungen im Bereich „Space Economy“ ergeben, die zusehends auch Kapitalmarktrelevanz erlangen. Grund genug, sich die „Weltraumwirtschaft“ einmal genauer anzusehen.
 

Alle Blicke auf SpaceX

Spätestens mit den Apollo-Missionen der 1960er-Jahre, die mit der ersten Mondlandung 1969 ihren krönenden Höhepunkt markierte, hat sich der weltweite Blick gen Weltall gerichtet und die Fantasie ganzer Generationen angeregt. Jüngster Glanzpunkt ist die erfolgreiche Artemis 2-Mission im April 2026, die erstmals seit 1972 wieder Menschen in Richtung Mond brachte und als Gemeinschaftsprojekt der NASA in Zusammenarbeit mit der europäischen und kanadischen Weltraumagentur konzipiert war. Im Rahmen der Mission konnten dabei wertvolle Erkenntnisse zu Lebenserhaltungssystemen und Navigation generiert werden – denn eigentlich, so die NASA, läge der Fokus langfristig auf der ersten bemannten Mission zum Mars.1

Dies hatte ursprünglich auch Elon Musk mit seinem Raumfahrtkonzern SpaceX anvisiert.2 Im Vorfeld des anstehenden Börsengangs schraubte Musk die Erwartung aber auf den „Bau einer Stadt auf dem Mond“ zurück, was „möglicherweise in weniger als zehn Jahren“ zu schaffen sei.3 Gleichwohl benötigt auch diese Zukunftsvision gewaltige Investitionen, die mit Hilfe des größten Börsengangs aller Zeiten bei einer Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar finanziert werden sollen.4 Während sich dabei trefflich streiten lässt, ob diese Bewertung beim Raketen- und weltgrößten Satellitenhersteller gerechtfertigt oder bereits zu viel Fantasie eingepreist ist,5 macht es gleichwohl deutlich, welche Potenziale in „Space Economy“ schlummern.

Neben Satelliten- und Raketenentwicklung sowie der Nutzung weltraumgestützter Daten für Erderkundung, Wettervorhersage, Logistik oder Kommunikation, stehen auch Weltraumtourismus sowie Bergbau auf Asteroiden auf der Agenda. Zudem gehen Überlegungen in Richtung orbitaler Rechenzentren und weltraumgestützter Solarenergie, die terrestrische KI-Anwendungen unterstützen sollen. Dabei geht es weniger darum, Rechenleistung ins All zu verlagern. Vielmehr liegt das Potenzial in weltraumgestützten Systemen zur Steuerung und Absicherung terrestrischer Energie‑ und Datennetze. Angesichts des stark steigenden Strombedarfs von KI‑Rechenzentren könnten orbitale Infrastrukturen insbesondere beim Lastmanagement und der Resilienz kritischer Systeme eine Schlüsselrolle spielen.6

Laut Space Foundation lag das Volumen der globalen Weltraumwirtschaft im Jahr 2024 bei rund 613 Milliarden US-Dollar, wobei bereits 2032 die Schallmauer von einer Billion US-Dollar erreicht werden könnte.7 Dies hat auch die Interessen internationaler Investoren geweckt – so erreichten 2025 die weltweiten Finanzierungen für Unternehmen der Weltraumwirtschaft laut einer Auswertung von Space Capital die Rekordsumme von 55,3 Milliarden US-Dollar.6

Hinweis: Schätzungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen

Space-Pure-Player – Spezialisten des Orbits

Ist die Rede von reinen Weltraumunternehmen, fällt zwangsläufig das US-Unternehmen Rocket Lab, das im Auftrag von Raumfahrtagenturen, Sicherheitsbehörden oder privaten Unternehmen Satelliten mit Hilfe seiner Trägerrakete „Electron“ in die Umlaufbahn befördert. Im April 2026 konnte die erfolgreiche Übernahme von Mynaric, einem Anbieter von Terminals für laseroptische Kommunikation, vermeldet werden.Deren Technologie ermöglicht es, große Datenmengen sicher zwischen Satelliten und Bodenstationen zu übertragen. Operativ stehen die Zeichen auf Wachstum – Ende 2025 bewegte sich der Orderbestand mit 1,85 Milliarden US-Dollar um ca. 75 Prozent über dem Vorjahreswert. Aktuell können zwar maximal 300 kg schwere Lasten transportiert werden, mit der Entwicklung der neuen, wiederverwertbaren Trägerrakete „Neutron“ sollen allerdings zukünftig Nutzlastkapazitäten bis zu 13 Tonnen befördert werden. Steigende Entwicklungskosten führten indes zu einer Verschiebung des Neutron-Erstflugs auf Mitte 2026.9

Mit der Entwicklung von hochleistungsfähigen Solarpanelen und -sensoren für Satelliten und Raumstationen sowie Bausteinen für Raumfahrzeuge hat sich Redwire einen Namen gemacht.10 Zudem ist das Unternehmen führend in der „Fertigung im Weltraum“. So werden beispielsweise Goldnanopartikel für die Medizin, Mikroalgen-Biotechnologie für NASA-Projekte und Roboter für Außenhautreparaturen an Raumfahrzeugen direkt auf der Internationalen Raumstation (ISS) mit Hilfe des 3D-Drucks hergestellt.11 Bedeutend exotischer ist Virgin Galactic, das Milliardär Richard Branson 2019 als erstes börsennotiertes Weltraumtourismusunternehmen an den Start schickte.12 Von der einst stolzen Bewertung von mehr als 10 Milliarden Euro ging es allerdings steil bergab auf aktuell ca. 250 Millionen Euro. Klarer Beleg, dass auch für Weltraumaktien irdische Schwerkraft wirkt. Im April 2026 meldete Virgin Galactic-CEO Michael Colglazier, dass das erste Raumschiff der neuen Delta-Klasse annähernd fertiggestellt sei und im Laufe des Jahres 2026 in den kommerziellen Betrieb übergehen solle. Fünfzig Weltraumtouristen könnten dann zu Ticketpreisen von rund 750.000 US-Dollar in den Weltraum starten.13

Blue Origin, das von Jeff Bezos bereits im Jahr 2000 gegründet worden war, hatte in seinen Ursprüngen einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Inzwischen hat das Unternehmen seine touristischen Flüge in den Weltraum für mindestens zwei Jahre ausgesetzt und konzentriert sich stattdessen auf „Mondlandemissionen“, insbesondere im Rahmen des Artemis-Programms der NASA.14 Blue Origin ist im Übrigen nicht börsennotiert, sei aber bezugnehmend auf den „Weltraumbaron Bezos“ der Vollständigkeit halber erwähnt.

Satellitengestützte Infrastruktur – Kommunikation und Daten aus dem Orbit

Kapitalmarktrelevant wären hingegen auch AST Space Mobile, das im Bereich weltraumgestützter Mobilfunknetzwerke tätig ist, der französische Satellitenbetreiber Eutelsat Communications (inklusive OneWeb) oder Iridium Communications, welches ein führender Anbieter globaler Satellitenkommunikation ist. 

Der strategische Wert solcher Unternehmen ergibt sich zunehmend aus dem Aufbau großskaliger Satellitenkonstellationen in niedrigen Umlaufbahnen (Low Earth Orbit, LEO). SpaceX betreibt mit Starlink inzwischen mehrere Tausend aktive Satelliten, während Amazon mit dem Projekt „Leo“ (vormals Kuiper) den Aufbau einer eigenen Konstellation mit mehr als 3.000 Satelliten vorantreibt. Gemeinsam mit OneWeb/Eutelsat entsteht damit eine alternative, globale Kommunikations‑ und Dateninfrastruktur, die nicht nur klassische Telekommunikation ergänzt, sondern auch in entlegenen Regionen, bei militärischen Anwendungen oder in Krisensituationen einsatzfähig bleibt.15

Im Bereich der Erdbeobachtung wäre zudem das in San Francisco beheimatete Unternehmen Planet Labs zu nennen, das durch Nutzung von Hyperspektral-Technologie, chemische Signaturen aus dem Orbit präzise identifizieren kann.16

Quelle: Novaspace, Statista; Stand: 29. November 2025

Integrierte Raumfahrtkonzerne – Europas industrielle Antwort

Während sich Space‑Pure‑Player auf einzelne Wertschöpfungsstufen spezialisieren, wird Europas Rolle in der Weltraumwirtschaft vor allem von integrierten Luft‑ und Raumfahrtkonzernen geprägt, die Raumfahrt als Teil eines breiteren Aerospace‑Portfolios betreiben.
Ein sichtbares Signal hierfür war der Erstflug der Schwerlastrakete Ariane 64 im Februar 2026 vom Weltraumbahnhof Kourou, bei dem erstmals 32 Satelliten für das satellitenbasierte Amazon‑Projekt „Leo“ in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht wurden. Parallel dazu übernimmt Europa auch im Artemis‑Programm eine zentrale Rolle: Airbus entwickelte und montierte in Bremen das Europäische Servicemodul zur Versorgung der Astronauten. Ergänzend bündeln Airbus, Leonardo und Thales ihre Raumfahrtaktivitäten in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen, dessen operativer Start für 2027 geplant ist.6
 

Deutschland als Space‑Zulieferer

Auch Deutschland ist als Zulieferer und Technologiepartner tief in die europäischen und transatlantischen Wertschöpfungsketten der Space Economy eingebunden. Unternehmen wie OHB oder MT Aerospace entwickeln Schlüsselkomponenten für Satellitenplattformen, Strukturbauteile und Trägersysteme. Zwar fällt der Raumfahrtanteil mit rund drei Milliarden Euro im Vergleich zur amerikanischen Industrie noch überschaubar aus, doch verzeichnet das Segment zuletzt zweistellige Wachstumsraten. Zunehmend durch den Übergang von staatlich dominierter Raumfahrt hin zu kommerziellen Anwendungen und privatwirtschaftlich organisierten Wertschöpfungsketten.15

Fazit

Auch wenn der Plan zum Abbau von wertvollen Rohstoffen aus dem Weltall (Asteroidenbergbau) noch ganz am Anfang steht und Start-ups wie AstroForge erst noch den Beweis für Machbarkeit und Rentabilität erbringen müssen17 – der kommerzielle Wettlauf um das Weltall befindet sich längst im vollen Gange. Während Weltraumaktivitäten in der Vergangenheit ausschließlich von großen Luft- und Raumfahrtkonzernen betrieben wurden, die neben ihrem Kerngeschäft in der zivilen und militärischen Luftfahrt auch „Space-Sparten“ bedienten, drängen im Rahmen der New Space Economy auch verstärkt privatwirtschaftlich getriebene Unternehmen in den Vordergrund. Da zudem Aerospace ein strategischer Zukunftssektor mit besonderer Bedeutung für nationalstaatliche Sicherheit bleibt, dürfte der Weltraum auch langfristig im Trend liegen. Ob einzelne Unternehmen tatsächlich über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen oder am Ende zu viel Science-Fiction im Spiel war, wird in vielen Fällen allerdings erst die Zeit – ganz unabhängig vom Raum – zeigen.

Hinweis: Investitionen bergen neben Chancen auch Risiken. Die im Text angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.

1Quelle: Geo; Stand: 31. März 2026
2Quelle: Tagesschau; Stand: 23. September 2024
3Quelle: Focus; Stand: 9. Februar 2026
4Quelle: n-tv; Stand: 11. April 2026
5Quelle: Goldesel; Stand: 5. April 2026
6Quelle: Vontobel; Stand: 1. April 2026
7Quelle: Space Foundation; Stand: 22. Juli 2025
8Quelle: MarketScreener; Stand: 14. April 2026 
9Quelle: Telepolis; Stand: 16. November 2025

10Quelle: Investing; Stand: 3. März 2026
11Quelle: 3Dnatives; Stand: 2. November 2025
12Quelle: Spiegel; Stand: 29. Oktober 2019
13Quelle: Golem; Stand: 3. April 2026
14Quelle: Golem; Stand: 2. Februar 2026
15Quelle: BNP Paribas – Märkte & Zertifikate; Stand: 2. April 2026
16Quelle: IT-boltwise; Stand: 15. April 2026 
17Quelle: Forschung und Wissen; Stand: 26. Februar 2026

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Stand: April 2026

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