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Langeweile an den Börsen? Nicht dieser Tage. Es ist Berichtssaison – der Zeitraum, in dem die meisten börsennotierten Unternehmen ihre Geschäftszahlen veröffentlichen. Dieses Mal werden Anleger:innen genau hinschauen, was die Unternehmen zu berichten haben. Die Aktienmärkte haben ein paar starke Monate hinter sich. Der S&P 500 beendete 13 der vergangenen 14 Wochen mit einem Plus – das hat es seit 1985 nicht mehr gegeben.1 Auch DAX, EURO STOXX & Co. konnten trotz geopolitischen Spannungen, Inflation und Rezessionssorgen kräftig zulegen.2 Nun müssen die Bilanzen und die Geschäftserwartungen der Manager zeigen, dass die Performance auch gerechtfertigt war.
Berichtssaison ist gut angelaufen
In den USA haben mittlerweile rund die Hälfte der S&P 500-Unternehmen ihre Bücher geöffnet. Bisher lagen die berichteten Gewinne im Schnitt um sechs Prozent über den Erwartungen, die Umsätze immerhin um 0,7 Prozent. Besonders positiv ist zu erwähnen, dass seit dem 19. Januar, 75 % der S&P 500-Unternehmen die Schätzungen bisher übertroffen haben. Den größten Anteil an positiven Gewinnüberraschungen gab es dabei bei den Sektoren Energie, Gesundheit und Technologie (siehe Grafik Gewinnüberraschungen).3
Auch sechs der „Magnificent 7“ haben ihre Zahlen für das vierte Quartal 2023 bereits vorgelegt – mit überwiegend beeindruckenden Ergebnissen. Nur Nvidia fehlt noch. Der Chipriese will seinen Bericht am 21. Februar veröffentlichen.4
Meta begeistert
Vor allem die Facebook-Mutter Meta machte mit starken Zahlen auf sich aufmerksam. Dank anhaltend sprudelnder Werbeeinnahmen und steigender Nutzerzahlen auf den Plattformen Instagram, Facebook & Co. machte der Konzern im Schlussquartal 2023 einen Gewinn von rund 14 Mrd. Dollar – eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr und deutlich mehr als Analyst:innen erwartet hatten. Auch die Umsatzprognose für den laufenden Drei-Monatszeitraum fiel höher aus als gedacht.
Überdies kündigte das Unternehmen erstmals eine Quartalsdividende in Höhe von 50 Cent je Aktie an. Die Rendite ist damit zwar noch überschaubar, aber auch McDonalds & Co. haben einmal klein angefangen. Zudem will der Internet-Konzern eigene Aktien im Volumen von 50 Mrd. Dollar zurückkaufen.
Die Meta-Aktien schossen in Reaktion auf die Bilanzvorlage um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordhoch. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens schwoll dadurch in nur einem Tag um nie dagewesene 196 Mrd. Dollar an – das entspricht etwa dem siebenfachen Marktwert des ATX-Schwergewichts Verbund.5,6,7
Auch Amazon…
Auch die Aktie des Online-Händlers Amazon konnte nach Zahlenvorlage kräftig zulegen. Dank eines guten Weihnachtsgeschäfts im Handel und Wachstum in der Cloud-Sparte sprang der Gewinn des E-Commerce-Konzerns in den Monaten September bis Dezember auf 10,6 Mrd. Dollar – mehr als eine Verdreißigfachung im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als erwartet.
In diesem Jahr hofft Amazon auf weiter gute Umsätze in seiner Cloudsparte und setzt dabei auch auf Innovationen im Bereich KI. „Zu Beginn des Jahres 2024 liefern unsere Teams in rasantem Tempo Ergebnisse, und wir haben noch viel vor uns, worauf wir uns freuen können“, sagte Firmenchef Andy Jassy.5
…und Netflix liefern
Netflix war nach Zahlen ebenfalls gesucht. Der US-Streamingdienst hat in den vergangenen Monaten so viele Kund:innen angelockt wie noch nie. Auch das härtere Vorgehen gegen Schwarzseher:innen dürfte sich ausgezahlt haben. Inzwischen schauen 260,3 Mio. Haushalte weltweit die Inhalte des Anbieters – 13,1 Mio. mehr als zuvor. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Die Umsätze stiegen um 12,5 Prozent und der Gewinn lag bei fast zwei Mrd. Dollar.
Besonders angetan zeigte sich die Börse aber vom Ausblick: Der Konzern kündigte nach zwei herausfordernden Jahren für 2024 ein zweistelliges Wachstum an. Erreichen will man das unter anderem durch die Erweiterung des Abonnentenstamms, Investitionen in hochwertige Inhalte und die strategische Ausrichtung auf werbefinanzierte Modelle.8,9
Gewinnmitnahmen bei Apple, Alphabet und Microsoft
Bei Apple hingegen fiel die Reaktion auf die Zahlen weniger euphorisch aus: Zwar steigerte der iPhone-Konzern sowohl Umsatz als auch Gewinn, doch die Absatzschwäche in China wurde in der Bilanz mehr als deutlich. Knapp drei Mrd. Dollar erlöste Apple dort weniger. Hinzu kam ein verhaltener Ausblick: Der Konzern rechnet für 2024 mit stagnierenden Zahlen.10
Auch die Alphabet-Rekord-Zahlen rissen die Anleger:innen nicht vom Hocker: Die Werbeerlöse fielen deutlich schwächer aus als erwartet. Für Verunsicherung sorgten zudem die gestiegenen Investitionsausgaben. Diese kletterten im vergangenen Quartal um 45 Prozent auf elf Mrd. Dollar, hauptsächlich aufgrund von höheren Ausgaben für die technische Infrastruktur im Bereich Server gefolgt vom Datacenter.11,12
Bei Microsoft fanden Investor:innen ebenfalls ein Haar in der Suppe. Zwar hat der weltgrößte Softwarekonzern dank eines boomenden Cloud-Geschäfts im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres 2024 bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen der Analysten übertroffen, allerdings nicht so deutlich wie noch im ersten Quartal.13
Enttäuschung über Tesla-Quartal
Für große Enttäuschung unter den „Magnficent 7“ sorgte Tesla. Die Zeiten rasanter Wachstumsraten scheinen vorbei. Der E-Auto-Pionier meldete für die Monate Oktober bis Dezember ein Umsatzplus von drei Prozent – der niedrigste Wert seit drei Jahren. Mit Erlösen von 25,2 Mrd. Dollar blieb Tesla zudem deutlich hinter den Markterwartungen zurück.
Die schwache Umsatzentwicklung ist nicht nur auf die steigende Konkurrenz vor allem aus Fernost zurückzuführen, sondern auch auf die massiven Preissenkungen, die der Konzern seinen Kunden gewährte. Zwar hat Tesla dadurch sein Absatzziel von 1,8 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen erreicht, doch die Profitabilität ging deutlich zurück.
Zudem stimmte Tesla-Chef Elon Musk seine Aktionäre und Aktionärinnen auf eine „deutliche“ Verlangsamung des Wachstums ein, da das Unternehmen an der Einführung der nächsten Fahrzeug-Generation in der Gigafactory Texas arbeite. In einer Telefon-Konferenz mit Analyst:innen warnte Musk zudem vor einem Siegeszug chinesischer E-Autobauer. Laut dem Firmenlenker halten nur Handelsschranken die Hersteller aus Fernost davon ab, „die meisten anderen Autofirmen in der Welt“ zu „zerstören“. Nicht gerade beruhigende Aussagen.14
IT-Traditionskonzern sorgt für Überraschung
Abseits der „Magnficent 7“ sorgte beispielsweise der IT-Dino IBM für eine positive Überraschung. Der hohe Beratungsbedarf rund um den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen treibt dem Konzern viele neue Kund:innen zu. Die Aufträge rund um diese Technologie hätten sich in den vergangenen Monaten verdoppelt, teilte der US-Konzern mit. Für das laufende Jahr traut sich IBM daher einen Anstieg der Erlöse von vier bis sechs Prozent zu. Analysten hatten mit drei Prozent gerechnet.
Im vierten Quartal stieg der Umsatz überraschend deutlich um vier Prozent und der Nettogewinn um 14 Prozent. Auch die Bruttomarge fiel höher aus als gedacht - diese erreichte mit 59,1 Prozent den höchsten Wert seit 1999. Gleichzeitig warnte IBM-Finanzchef James Kavanaugh allerdings vor überzogenen Erwartungen: Sein Unternehmen bewege sich in einem „schwankungsanfälligen und unsicheren Branchenumfeld“. Zu Beginn des Jahres dürfte das Wachstum daher eher am unteren Ende der Prognosespanne landen.15,16,17,18
Zurückhaltende Geschäftsprognosen
Auch viele andere US-Konzerne geben sich, was die weitere Entwicklung betrifft, eher zurückhaltend. Mehrheitlich liegen ihre Geschäftsprognosen bislang unterhalb der Schätzungen. Die Analystengemeinschaft hat dies zum Anlass genommen, ihre Gewinnprognose für 2024 um 0,6 Prozent zu senken. Dennoch erwartet sie ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum von gut zehn Prozent – vor allem für die Magnficent 7. Gemäß Erwartungen der Expert:innen dürften die Tech-Riesen 2024 dann für 19,7 Prozent der gesamten Gewinne im S&P 500 stehen (siehe Grafik).4,20
Nach Berichtssaison ist vor der Berichtssaison
Viel Zeit, die Bilanzen zu verdauen, bleibt Anleger:innen nicht – der Zahlenreigen geht munter weiter. So werden in der kommenden Woche unter anderem die Geschäftsberichte der Technologiekonzerne Applied Materials und Cisco erwartet. Außerdem lassen sich der Getränkeriese Coca-Cola und der Lebensmittelkonzern Kraft Heinz in die Bücher schauen. Auch aus Europa und dem Rest der Welt laufen wieder zahlreiche Bilanzen über die Ticker. Ruhiger von Unternehmensseite dürfte es erst Ende Februar werden. Aber nicht lange. Die nächste Berichtssaison startet bereits Mitte April. Und wie immer dürften Abweichungen von den Schätzungen der Analyst:innen ge- oder verkauft werden.20,21
Hinweis: Die angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar. Eine Veranlagung in Wertpapiere birgt neben den geschilderten Chancen auch Risiken. Ein Kapitalverlust bis hin zum Totalverlust ist möglich.
1Quelle: finanzmarktwelt; Stand: 3. Februar 2024
2Quelle: Manager Magazin; Stand: 31. Jänner 2023
3Quelle: Factset; Stand: 2. Februar 2024
4Quelle: Deutsche Bank; 6. Februar 2024
5Quelle: Tagesschau; Stand: 2. Februar 2024
6Quelle: Reuters; Stand: 2. Februar 2024
7Quelle: börsennews; Stand: 3. Februar 2024
8Quelle: Capital; Stand: 24. Jänner 2024
9Quelle: Aktienwelt360; Stand 29. Jänner 2024
10Quelle: Capital; Stand: 2. Februar 2024
11Quelle: Handelsblatt; Stand: 31. Jänner 2024
12Quelle: Der Aktionär; Stand: 2. Februar 2024
13Quelle: stock3; Stand: 30. Jänner 2024
14Quelle: Tagesschau; Stand: 25. Jänner 2024
15Quelle: ZDNet; Stand 25. Jänner 2024
16Quelle: Handelsblatt; Stand: 24. Jänner 2024
17Quelle: Manager Magazin; Stand: 25. Jänner 2024
18Quelle: CNBC; Stand: 24. Jänner 2024
19Quelle: Nasdaq.com; Stand: 2. Februar 2024
20Quelle: Investing.com; Stand: 8. Februar 2024
21Quelle: bitpanda; Stand: 8. Februar 2024
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Stand: Februar 2024