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Tesla Cybertruck: Fehlkonstruktion oder Trendsetter?

Es hat zwei Jahre länger gedauert als angekündigt, nun ist er aber endlich da: Teslas Cybertruck. Am 30. November übergab Unternehmenschef Elon Musk höchstpersönlich die ersten Exemplare an zehn (ausgewählte) Kund:innen.1 Mit dem Stromer-Giganten betritt der E-Auto-Pionier ein enorm lukratives Marktsegment. Pickups gehören in den USA zu den beliebtesten Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr war der Chevrolet Silverado das meistverkaufte Modell im Land, zuvor war es oft Fords F-Serie.2

Auf den ersten Blick lesen sich die Details zum neuen E-Pick-up, der zumindest optisch auch für Mond und Mars gerüstet sein soll, durchaus beachtlich. Das fast 5,70 Meter lange und über drei Tonnen schwere Fahrzeug weist laut Modellbeschreibung eine maximale Reichweite von knapp 550 Kilometern auf, ermöglicht eine Zuglast von etwa fünf Tonnen und soll von 0 auf 100 Km/h in nur 2,7 Sekunden beschleunigen. Damit sprintet der Wagen trotz seines Gewichts schneller in die Dreistelligkeit als der Porsche 911.3

Hohe Produktionskomplexität

Auf den Straßen wird das Gefährt voraussichtlich aber noch lange ein Exot bleiben. Zwar will Tesla künftig eine viertelmillion Cybertrucks pro Jahr ausliefern, dieses Ziel wird man vermutlich allerdings nicht vor 2025 erreichen. Tesla geht zudem davon aus, dass es rund 18 Monate dauern werde, bis das Unternehmen aus dem Gröbsten raus ist und mit dem futuristischen Drei-Tonnen-Koloss kein Geld mehr verbrennt. Grund sind die enormen Herausforderungen in der Produktion.

Anders als bei „normalen“ Fahrzeugen besteht die Karosserie des Cybertruck komplett aus Edelstahl. Das Metall hat zwar den Vorteil, dass es nicht rostet und keine Lackierung benötigt. Dafür ist es relativ teuer und schwierig zu verarbeiten. „Das Material ist zu stark für Stanzmaschinen, die normalerweise die Stahlkarosserie von Autos formen“, postete Musk über seinen Kurznachrichtendienst X. Sogar das Biegen des Metalls erfordere eine tiefe Kerbe an der Innenseite der Biegung. Zusätzlich müssen alle Bauteile des Cybertrucks mit einer extrem hohen Präzision von unter zehn Mikrometern oder zehn Millionstel Metern entworfen werden.

Ein weiterer Faktor, der die Produktion des E-Pickups im Vergleich zu anderen Tesla-Modellen komplizierter macht, ist die Einführung der 800-Volt-Architektur – ein Novum in der Tesla E-Autofamilie. Im Porsche Taycan oder auch im Ioniq 5 von Hyundai wird so ein System verwendet, damit die Fahrzeuge schneller Strom aufnehmen können. Die Umstellung ist aber nicht banal und mit Risiken verbunden. Musk selbst beschied dem System in einem Analysten-Call zunächst „geringe Vorteile und hohe Kosten“. Außerdem unterscheidet sich der Cybertruck durch die Integration einer neuen Batteriegeneration mit 4.680 Zellen von anderen Tesla Fahrzeugen – und die gibt es nicht gerade wie Sand am Meer. Daher kommt es immer wieder zu Engpässen.4,5,6,7

Hoher Preis trifft auf niedrige Nachfrage

Zum Hindernis für den Cybertruck könnte zudem der Preis werden. Denn das Edelstahl-Ungetüm ist deutlich teurer geworden als ursprünglich angekündigt. Der Einstiegspreis für das Basismodell ohne Allrad beginnt nicht mehr bei 40.000 Dollar, sondern deutlich jenseits der 60.000-Dollar-Marke – er liegt also gut 50 Prozent höher. Für die Luxusvariante mit allen Extras sollen gar mehr als 100.000 Dollar fällig werden. Bei der Cybertruck-Vorstellung vor vier Jahren war von maximal 70.000 Dollar die Rede gewesen.8,9

Hinzu kommt, dass die Amerikaner aktuell offenbar grundsätzlich ein geringes Interesse an den teuren E-Pickups haben. So setzte General Motors im vergangenen Quartal nur 18 Wagen des Silverado EV ab – und rund 143.500 Fahrzeuge des Modells mit Verbrenner- und Hybrid-Antrieben. Ford verkaufte im Oktober gut 3.700 vollelektrische F-150 Lightning bei rund 53.500 Pickups der F-Modellreihe insgesamt.10
 

Nur für Fans?

Der Cybertruck ist außerdem ein sehr spezielles Auto, dessen industrielle Logik sich jedenfalls Experten nicht so schnell erschließt. „Der Markt hat nicht nach einer Edelstahlausführung, einer verrückten Ladeflächenkonfiguration, einer verrückten Dachlinie oder einer verrückten seitlichen Sicht gefragt. Das sind alles Antworten auf eine Frage, die der Pickup-Markt nicht gestellt hat“, kritisiert etwa der Präsident von The CarLab, einer Beratungsfirma für Automobilprodukte und Automobildesign.

Laut Bloomberg kämen als Zielgruppe im Grunde vor allem bestehende Tesla-Fans für einen Kauf des Cybertrucks in Frage. Von 3.500 Tesla-Besitzern, die Bloomberg befragte und die in den nächsten zwei Jahren den Kauf eines Neuwagens erwägen sowie keinen Pickup besitzen, denken etwa 37 Prozent über einen Cybertruck nach. Für eine tiefe Marktdurchdringung dürfte das allein kaum ausreichen.11

Erschwerend kommt dabei hinzu, dass der scharfkantige Cybertruck, der über keine Knautschzonen verfügt, in Europa wegen der höheren Sicherheits- und Crashvorschriften kaum Einlass finden dürfte. Auch in den USA sind die Sicherheitsbehörden alarmiert. Das enorme Gewicht in Verbindung mit der massiven Beschleunigung sei eine Bedrohung für die Menschen außerhalb des Fahrzeugs, hieß es.12 Wie viele der angeblich 1,8 Mio. Vorbesteller13 letzten Endes wirklich eine verbindliche Bestellung aufgeben werden, wird sich daher erst noch zeigen müssen.

Oder doch ein Trendsetter?

Allerdings gibt es auch positive Stimmen zum neuestens Stromer. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass Musk – wie vollmundig angekündigt – mit seinem Cybertruck das Straßenbild der Zukunft verändern wird, antwortete etwa Autoexperte Ferdinand Duddenhöffer vom Bochumer CAR Center Automotive Research: „Wenn er seine Pläne umsetzen kann, und der Cybertruck sagen wir mal für 50.000 Dollar zu haben ist, kann ich mir vorstellen, dass er mit dem Antidesign, das er da geschaffen hat, einen Trend setzt.“ Musk sei schon immer für Überraschungen gut gewesen. Er kämpfe wie ein Löwe. Und er arbeite wie ein Verrückter an diesen Dingen. „Und es hat sich immer wieder gezeigt, dass er Dinge umgesetzt hat, an die kein Mensch geglaubt hat.“14 Tatsächlich hat Musk allen Untergangszenarien zum Trotz die Absätze in den vergangenen Jahren stetig gesteigert15 und Tesla nicht nur zu einer hochprofitablen Firma16 gemacht, sondern auch zur wertvollsten Automarke der Welt.17

Für das Unternehmen ist der Cybertruck zudem nicht nur das erste neue Modell seit fast vier Jahren, sondern auch ein Technologieträger. Und so könnte sich wiederholen, was beim Model X der Fall war. Von dem großen SUV hat Tesla auch nicht sonderlich viel verkauft, aber durch dessen Fertigung und die verbaute Technik viel gelernt. Später machte man sich das Wissen beim Model 3 zu Nutze und erschuf den bis heute wohl größten Erfolg der Marke.18

Streitfrage Bewertung

Auch an der Börse scheiden sich an Tesla und seinem schillernden Chef die Geister. Im Mittelpunkt einer jahrelangen Debatte steht die Frage, ob der Konzern wie ein traditioneller Autohersteller oder wie ein Technologieunternehmen bewertet werden sollte. Die optimistischen Anleger:innen und Tesla-Fans konzentrieren sich auf die Innovationen im Bereich der Elektrofahrzeuge, die selbstfahrende Technologie und die Vorstöße in die Solar- und Energiespeicherung – und sehen es daher als gerechtfertigt an, dass das Unternehmen an der Börse rund achtmal so teuer ist wie Ford und General Motors zusammen. Kritiker halten dagegen, dass Tesla sein Geld letztendlich mit dem Verkauf von Autos verdient und daher eher als solches behandelt werden müsste.19,20,21 Wer von beiden Lagern letztendlich Recht behält, wird die Zeit zeigen. Sicher dagegen ist: Das Phänomen Tesla und sein CEO werden auch in Zukunft für Gesprächsstoff sorgen – sowohl in der Öffentlichkeit als auch an der Börse.

Schritt für Schritt in Aktien investieren

Über den s Aktien Plan von Erste Bank und Sparkasse haben Anleger:innen die Möglichkeit, sich ab 50 Euro im Monat an Tesla zu beteiligen – und so bei einer positiven Entwicklung der Aktien von Kursgewinnen zu profitieren. Ebenfalls gut zu wissen: Über die Aktien und Aktienbruchstücke können Anleger:innen jederzeit verfügen und sie während der Börsenhandelszeiten verkaufen. Zudem besteht die Möglichkeit, Einzahlungen jederzeit zu erhöhen, zu reduzieren oder sogar auszusetzen. Zu beachten gilt allerdings, dass bei negativen Kursentwicklungen Kapitalverluste möglich sind!

1Quelle: Auto Motor und Sport; Stand: 30. November 2023           13Quelle: Manager Magazin; Stand: 29. November 2023               
2Quelle: dpa-AFX; Stand: 1. Dezember 2023                                   14Quelle: Capital; Stand: 4. Dezember 2023
3Quelle: Welt; Stand 4. Dezember 2023                                           15Quelle: Statista; Stand: 4. Oktober 2023
4Quelle: Manager Magazin; Stand: 29. November 2023                 16Quelle: Zeit; Stand 18. November 2023
5Quelle: t3n; Stand: 28. November 2023                                          17Quelle: Statista; Stand: 29. August 2023
6Quelle: t3n; Stand: 21. November 2023                                          18Quelle: Stern; Stand: 1. Dezember 2023
7Quelle: Tagesanzeiger; Stand: 27. November 2019                        19Quelle: Business Insider; Stand: 3. Jänner 2023
8Quelle: Neue Züricher Zeitung; Stand: 1. Dezember 2023             20Quelle: Börse Online; Stand: 7. Juni 2023
9Quelle: dpa-AFX; Stand: 1. Dezember 2023                                    21Quelle: Bloomberg; Stand: 19. Dezember 2023
10Quelle: dpa-AFX; Stand: 1. Dezember 2023
11Quelle: Manager Magazin; Stand: 29. November 2023
12Quelle: Merkur; Stand: 15. Dezember 2023

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Stand: Dezember 2023

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