KI 2.0 – Welche Wege stehen Anleger:innen offen?

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Eisenbahn, Elektrifizierung, Automobil oder Internet – allesamt bahnbrechende Technologien ihrer jeweiligen Zeit und Wegbereiter für zukünftige Entwicklungen. Gleichzeitig stößt man bei näherer Betrachtung dieser Disruptoren auf ein Muster, das insbesondere für Börsianer:innen interessant sein dürfte – nach dem ersten „Hype“ brach der Gesamtmarkt nicht etwa zusammen, sondern wechselte vielmehr seine Favoriten. Waren es in der ersten Börseneuphorie die offensichtlichen Nutznießer wie Eisenbahngesellschaften, Stromversorger, Automobilhersteller oder Internet-Pioniere, verschob sich in einer zweiten, manchmal sogar dritten Welle der Fokus hin zu Profiteuren entlang der verbreiterten Wertschöpfungskette. Ist diese Entwicklung in abgewandelter Form auch für den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu erwarten?

Big-Tech gibt den Takt vor

Spätestens mit der Veröffentlichung von ChatGPT durch OpenAI im November 2022 startete die erste Phase des scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs der KI. Gewinner sind seitdem Big-Tech-Unternehmen wie Nvidia, Micron Technology, TSMC, SK Hynix oder ASML, die allesamt wichtige Schnittstellen der Halbleitertechnologie besetzen, sowie US-Plattform- und Cloud-Giganten wie Alphabet, Amazon, Meta oder Microsoft. Seitdem hat der Siegeszug – wie sich auch an der starken Gewichtung der „Magnificent Seven“ im S&P 500 von knapp einem Drittel an der gesamten Marktkapitalisierung ablesen lässt – allerdings ein Ausmaß erreicht, das vermehrt mahnende Stimmen auf den Plan ruft, die vor einer Korrektur warnen.1

Die geplanten KI-Investitionen der Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta in KI-Infrastruktur und Rechenzentrumskapazitäten in Höhe von bis zu 725 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2026 zeigen zwar das enorme Potenzial, das die Unternehmen der Technologie weiterhin zuschreiben.  Für die nächste Phase des KI-Booms dürfte jedoch weniger die technologische Machbarkeit entscheidend sein als vielmehr die Frage, welche Unternehmen die hohen Investitionen tatsächlich in nachhaltige Umsätze, Gewinne und Cashflows umwandeln können.2,3,4

Vor diesem Hintergrund dürften die arrivierten Tech-Unternehmen nach wie vor als KI-Kerninvestment angesehen werden, zusätzlich treten aber weitere mögliche KI-Profiteure ins Rampenlicht. Für Anleger:innen könnte sich daraus eine erste wichtige Schlussfolgerung ergeben: Die Frage lautet heute möglicherweise weniger, ob man am KI-Trend partizipieren möchte, sondern vielmehr, auf welchem Weg. Eine Möglichkeit besteht darin, bei etablierten KI-Gewinnern wie Microsoft oder Meta investiert zu bleiben. Wie sich die beiden Technologiekonzerne aktuell positionieren und warum sie weiterhin zu den zentralen Akteuren der KI-Revolution zählen könnten, lesen Sie im Beitrag „Die Monetarisierungsstrategie der KI Giganten".

Gestapeltes Balkendiagramm der Investitionsausgaben von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft von 2018 bis 2026. Die Gesamtausgaben steigen von 64 Mrd. US-Dollar im Jahr 2018 auf prognostizierte 725 Mrd. US-Dollar im Jahr 2026 und verdeutlichen den massiven Ausbau von KI-Infrastruktur und Rechenzentrumskapazitäten.

Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen

Die zweite KI-Welle rollt an

Der massive Ausbau der KI sowie die zunehmende Ausweitung möglicher Anwendungsgebiete erzeugen unter anderem eine starke Nachfrage bei Infrastruktur-, Energie-, Kühl- und Netztechnikunternehmen sowie Bau-, Industrie- und Automatisierungsspezialisten. Das auf den IT- und Technologie-Sektor spezialisierte Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner hebt seine IT-Ausgabenprognose zum wiederholten Male an und geht aktuell davon aus, dass die weltweiten IT-Ausgaben im Jahr 2026, insbesondere getrieben durch Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren, auf 6,37 Billionen US-Dollar steigen werden.5 Keine schlechten Voraussetzungen für Unternehmen wie Siemens Energy, GE Vernova, Eaton oder Schneider Electric im Bereich der Strom- und Netzinfrastruktur sowie Hochtief, ABB, Strabag oder Porr im Sektor Bau- und Industriedienstleistungen – um nur einige zu nennen. Kerngedanke dabei ist stets, dass zunehmend auch Unternehmen entlang der erweiterten KI-Wertschöpfungskette von diesem Megatrend profitieren werden.

Warum Energie-, Infrastruktur- und Netztechnikunternehmen zunehmend zu den indirekten Profiteuren der KI-Revolution zählen könnten, beleuchten wir am Beispiel von Siemens Energy.

KI-Chancen breit nutzen

Angesichts der starken Kursanstiege vieler KI-Aktien in der Vergangenheit stellen sich viele Anleger:innen die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt und nach einer möglichen Gewichtung im Hinblick auf das Gesamtportfolio. Die gute Nachricht: Die aktuelle Marktphase eröffnet verschiedene Wege, um am KI-Trend zu partizipieren.

Ein Ansatz besteht darin, weiterhin auf die etablierten Marktführer der KI-Entwicklung zu setzen. Eine zweite Möglichkeit liegt darin, den Kreis der potenziellen Profiteure zu erweitern und neben den Technologieanbietern auch sogenannte „KI-Ermöglicher“ aus den Bereichen Infrastruktur, Energie oder Industrie zu berücksichtigen. Ein dritter Ansatz betrifft die Diversifikation. Während viele KI-Investments aktuell stark auf den US-Markt konzentriert sind, kann auch eine regionale Diversifikation neue Chancen eröffnen.

Schließlich stellt sich für viele Anleger:innen nicht nur die Frage, worin investiert werden soll, sondern auch wie. In einem Umfeld hoher Bewertungen und fortgeschrittener Börsenrallys mit volatilen Kurskorrekturen können daher auch Anlagelösungen interessant sein, die Ertragschancen nicht ausschließlich aus weiter steigenden Kursen beziehen, sondern gegebenenfalls auch bei Seitwärtsbewegungen interessante Renditechancen eröffnen oder einen definierten Risikopuffer bieten. Auch Sparpläne mit einem schrittweisen Vermögensaufbau mittels regelmäßiger Investition sind weiterhin Optionen.

Eine konkrete Streuung wäre beispielsweise eine regionale Diversifikation mit Blick nach Europa – schließlich sind die großen KI-Profiteure vornehmlich in den USA beheimatet, was ein „Klumpenrisiko“ impliziert. Wer den Blick über die US-Technologieriesen hinaus richten möchte, findet auch im EURO STOXX 50 zahlreiche potenzielle KI-Gewinner. Unternehmen wie ASML, Infineon, SAP, Schneider Electric, Siemens oder STMicroelectronics stehen exemplarisch dafür, dass sich Chancen entlang der KI-Wertschöpfungskette nicht ausschließlich in den USA finden lassen. Weitere Informationen zu einer konkreten Anlageidee auf den europäischen Leitindex finden Sie im Beitrag „Europa als Ergänzung im Portfolio".

Wie könnte es weitergehen?

Nach Abklingen der ersten KI-Euphorie muss nicht zwangsläufig Katerstimmung im Bereich der Künstlichen Intelligenz einsetzen. Gerade der Blick in die Vergangenheit verrät, dass Megatrends und disruptive Innovationen mehrere Phasen durchlaufen, mit wechselnden Profiteuren. Für den Bereich KI geht beispielsweise die Saxo Bank in einem möglichen Szenario von vier Phasen aus: In der ersten profitieren KI-Kernunternehmen, welche die Entwicklung überhaupt erst ermöglichen, gefolgt von „Infrastrukturbauern“, die für die Expansion unumgänglich sind. In einer dritten Phase profitieren Unternehmen, die KI erfolgreich monetarisieren, bevor in einer vierten Phase jene Unternehmen in den Fokus rücken, die KI breit in ihre Geschäftsprozesse integrieren.6

Neue Perspektiven für Anleger:innen

Für Anleger:innen bedeutet dies, dass die aktuelle Marktphase nicht zwangsläufig als Entscheidung zwischen Einsteigen oder Aussteigen verstanden werden muss. KI ist gekommen, um zu bleiben. Wer an den langfristigen Erfolg von KI glaubt, kann unterschiedliche Wege wählen: über etablierte Technologiekonzerne, über Infrastruktur- und Energieunternehmen, über eine stärkere regionale Diversifikation oder über Anlageformen, die Chancen und Risikomanagement miteinander verbinden. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven greifen die weiteren Beiträge dieser Ausgabe auf. Anhand konkreter Beispiele zeigen sie, welche Unternehmen, Branchen und Anlageansätze in den verschiedenen Phasen des KI-Trends relevant werden könnten und wie breit das Anlageuniversum rund um Künstliche Intelligenz inzwischen geworden ist.

Hinweis: Die im Text angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar. Investitionen bergen neben Chancen auch Risiken. 

1 Quelle: Scalable Capital; Stand: 30. April 2025
2 Quelle: Tagesschau; Stand: 23. Juli 2026
3 Quelle: Tagesschau; Stand: 21. Mai 2026
4 Quelle: Finance.Yahoo.com; Stand: 3. Juni 2026
5 Quelle: Heise; Stand: 27. Juli 2026
6 Quelle: Saxo Bank; Stand: 15. März 2026

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Stand: August 2026