
Warum Rohstoffe mehr sind als Öl – und Versorgungssicherheit zum Schlüsselthema wird
Thema im Fokus
Die Blockade der Straße von Hormus hat einmal mehr vor Augen geführt, wie verwundbar die globalen Energiemärkte sind. Angesichts der militärischen Eskalation im Iran und der zeitweisen Sperrung der Handelsroute kam es zu massiven Störungen in der Ölversorgung. Die Preise stiegen in der Folge auf zeitweise mehr als 120 US-Dollar je Barrel, das höchste Niveau seit vier Jahren.1 Was die Handelsroute für den Energiemarkt so besonders macht: Sie verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Ozean. Sie ist somit praktisch der einzige Ausgang für die riesigen Ölreserven der Golfregion in Richtung Europa, Asien und Amerika. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases (LNG) wird durch die Meerenge transportiert.2 Die Straße gilt deshalb auch als wichtige „Energie-Schlagader“3: Wird sie unterbrochen, gerät das ganze System unter Druck. Der Präsident der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, warnte nicht ohne Grund vor einer historischen Notlage.4
Rohstoffe als Engpassfaktor
Die Situation im Nahen Osten verdeutlicht aber nicht nur die Anfälligkeit der globalen Energieversorgung, sondern lenkt zugleich den Blick auf eine tieferliegende strukturelle Abhängigkeit: die generelle Verwundbarkeit globaler Rohstofflieferketten.5 Ob Kupfer, Lithium, Nickel oder Seltene Erden: all diese Rohstoffe sind nicht nur knapp, sie konzentrieren sich außerdem auf wenige Regionen und gelten in Förderung wie Verarbeitung als politisch sensibel und technologisch anspruchsvoll. Gleichzeitig bilden sie „unsichtbare“, aber unverzichtbare Bausteine der globalen Wertschöpfung. Ohne sie stehen Stromnetze still, Fabriken bleiben leer und digitale Infrastruktur existiert lediglich auf dem Papier.6, 7
Ohne Rohstoffe keine Energiewende
Genau diese Eigenschaften machen sie zu strategischen Ressourcen – und ihre Verfügbarkeit zu einem zentralen Faktor wirtschaftlicher Stabilität. Lieferengpässe entstehen dabei nicht zufällig, sondern sind häufig strukturell angelegt: durch jahrzehntelange Unterinvestitionen, steigende Nachfrage und die starke Abhängigkeit von einzelnen Förderländern. Gerade im Kontext der Dekarbonisierung wird diese Abhängigkeit zunehmend kritisch. Elektromobilität, Windkraftanlagen, Stromspeicher und Wasserstofftechnologien sind deutlich rohstoffintensiver als klassische Systeme. Die Energiewende verschiebt damit die Engpässe: weg vom Öl hin zu Metallen und industriellen Vorprodukten.8, 9
Weitere neue Nachfragetreiber
Hinzu kommt eine strukturelle Neuordnung der globalen Wirtschaft. Reshoring- und Nearshoring-Strategien führen dazu, dass Produktionskapazitäten wieder näher an Absatzmärkte verlagert werden. Ein Prozess, der erhebliche Investitionen in Infrastruktur, Maschinen und Materialien erfordert.10 Parallel dazu treiben staatliche Konjunktur- und Infrastrukturprogramme in den USA, Europa und Asien die Nachfrage nach Bau- und Industriemetallen zusätzlich an.11 Und auch die Digitalisierung wirkt als oft unterschätzter Rohstofftreiber. Der Ausbau von Rechenzentren, die zunehmende Verbreitung von künstlicher Intelligenz und das rapide Wachstum des Datenverkehrs erhöhen den Bedarf an spezialisierten Materialien, Kühlungstechnologien und Energieinfrastruktur.12, 13, 14
Linde: Weltmarktführer bei Industriegasen
Ein Unternehmen, das exemplarisch für diese „unsichtbare“ Infrastruktur steht, ist Linde. Der Konzern ist heute der weltweit größte Anbieter von Industriegasen und zählt mit einem Umsatz von über 30 Milliarden US‑Dollar zu den zentralen Akteuren der globalen Rohstoff- und Produktionsketten. Was Linde von klassischen Rohstoffunternehmen unterscheidet: Der Konzern fördert keine Metalle, er liefert die elementaren Prozessbausteine, ohne die moderne Industrie nicht funktionieren würde. Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Argon oder Spezialgase werden in nahezu jeder Schlüsselindustrie benötigt, von der Stahlproduktion über die Halbleiterfertigung bis hin zur Lebensmittelverarbeitung und Medizintechnik.15, 16 Besonders deutlich wird Lindes Schlüsselrolle im Zuge der Energiewende. Das Unternehmen ist entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette aktiv, von der Produktion über Transport und Speicherung bis hin zur Anwendung in Industrie und Mobilität.17 Linde entwickelt sich dabei zunehmend von einem klassischen Industriegaseanbieter zu einem integrierten Technologie- und Infrastrukturpartner, da das Unternehmen nicht nur Gase liefert, sondern auch deren Produktion, Transport, Speicherung und Anwendung über komplexe Versorgungssysteme steuert.18
Rio Tinto: Der Bergbauriese
Während Unternehmen wie Linde die „unsichtbare“ Infrastruktur für die Industrie bereitstellen, sorgen andere Konzerne dafür, dass die grundlegenden physischen Ressourcen überhaupt verfügbar sind, Rio Tinto etwa. Als einer der weltweit größten Rohstoffproduzenten mit einem Jahresumsatz von fast 58 Milliarden US-Dollar liefert das Unternehmen genau jene Materialien, die in einer zunehmend fragmentierten und rohstoffhungrigen Weltwirtschaft unverzichtbar sind. Ob Eisenerz, Aluminium oder Kupfer: Die Produkte des Unternehmens finden sich nahezu überall – vom Bauwesen über die Automobilindustrie bis hin zur Elektrifizierung und Digitalisierung.19 Mit einem globalen Netzwerk aus Minen, Verarbeitung und Logistik – einschließlich einer Flotte von über 230 Schiffen und Lieferketten mit Tausenden Partnern – stellt das Unternehmen sicher, dass diese Materialien in großen Mengen in die globalen Wertschöpfungsketten gelangen. Gerade darin liegt auch die zentrale Rolle des Konzerns: Rio Tinto ist nicht nur Produzent, sondern Teil einer kritischen Infrastruktur, ohne die weder Industriegüter noch digitale Technologien realisierbar wären.20 Gerade Kupfer und zunehmend auch Lithium gewinnen im Zuge der Energiewende und des KI-Booms stark an Bedeutung, da sie aufgrund ihrer Eigenschaften essenziell für Stromnetze, Batterien und erneuerbare Technologien sind.21, 22
Freeport McMoRan: Der Kupferspezialist
Wie Rio Tinto gehört auch Freeport‑McMoRan zu den Unternehmen, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen. Das US‑Unternehmen mit Sitz in Phoenix verdient sein Geld vor allem mit der Förderung und der Weiterverarbeitung von Kupfer – und gilt damit als potenzieller Nutznießer der globalen Transformation hin zu einer elektrifizierten, digitalisierten und zunehmend nachhaltigen Wirtschaftsstruktur. Außerdem ist das Unternehmen ein bedeutender Akteur im globalen Goldabbau.23 Zu den wichtigsten Standorten zählt die Grasberg-Mine in Indonesien, eine der größten Kupfer- und Goldlagerstätten der Welt (gemessen an den gewinnbaren Reserven). Daneben betreibt Freeport große Minen in Nord- und Südamerika, etwa Morenci (USA) oder Cerro Verde (Peru), die einen wesentlichen Teil der globalen Produktion sichern. 2025 erwirtschaftete das Unternehmen mit Kupfer-Kathoden und -Konzentraten, Goldbarren und anderen Produkten wie elektrischen Kabeln, Leiterplatten und Legierungen einen Umsatz von knapp 26 Milliarden US-Dollar. Damit zählt Freeport‑McMoRan zu den wichtigsten Playern im globalen Bergbausektor – und nimmt wie Rio Tinto eine Schlüsselrolle in der Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen ein. Was das Unternehmen außerdem besonders macht, ist die außergewöhnliche Qualität und Lebensdauer seiner Lagerstätten. Viele der Minen gehören zu den kostengünstigsten und produktivsten weltweit und verfügen über Reserven, die noch über Jahrzehnte genutzt werden können. Gleichzeitig investiert der Konzern kontinuierlich in den Ausbau seiner Kapazitäten, um langfristig stabile Produktionsmengen sicherzustellen.24, 25, 26
Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen
Attraktiv, aber nicht risikofrei
Für Investor:innen eröffnet sich damit ein spannendes Investmentumfeld. Denn die Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette partizipieren direkt an strukturellen Nachfrageverschiebungen – unabhängig davon, welche konkreten Technologien sich am Ende durchsetzen. Ob Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder erneuerbare Energien: Sie alle haben eines gemeinsam – einen massiv steigenden Bedarf an Rohstoffen und industriellen Vorprodukten. Allerdings ist auch dieses Umfeld nicht frei von Risiken. Rohstoffpreise unterliegen teils starken zyklischen Schwankungen und hängen eng von der globalen Konjunktur ab.27 Hinzu kommen geopolitische Risiken. Viele Lagerstätten befinden sich in politisch instabilen Regionen, in denen regulatorische Eingriffe, Lizenzkonflikte oder sogar Enteignungen drohen.28 Auch Umwelt- und Sozialauflagen gewinnen zunehmend an Bedeutung: strengere ESG-Vorgaben, steigende CO₂-Kosten oder Konflikte mit lokalen Gemeinschaften können Projekte verzögern, verteuern oder ganz verhindern.29 Darüber hinaus ist der Bergbau selbst ein kapitalintensives30 und operativ komplexes Geschäft. Technische Probleme, sinkende Erzgehalte oder Verzögerungen bei neuen Projekten können die Produktionskosten erheblich erhöhen.31 Außerdem erfordert der Aufbau neuer Minen oft Investitionen über viele Jahre hinweg, bevor überhaupt erste Erträge erzielt werden.32
Sektorinvestment
Wer deshalb bei einem Engagement in ausgewählte Rohstoff- und Infrastrukturwerte zusätzlich Wert auf einen Risikopuffer legt, könnte einen Blick auf die neue Protect Pro Anleihe von Crédit Agricole auf die Aktien von Linde, Rio Tinto und Freeport‑McMoRan werfen. Das Wertpapier bietet einen fixen Kupon von 16,00 Prozent p.a. sowie einen 35-prozentigen Puffer bis zur Barriere, wobei diese ausschließlich am Laufzeitende betrachtet wird. Notieren am Bewertungstag alle drei Aktien auf oder über der Barriere, wird die Anleihe zum Nennbetrag zurückgezahlt. Liegt jedoch nur eine Aktie darunter, erfolgt die Tilgung der Anleihe durch die Lieferung der Aktie mit der schlechtesten Kursentwicklung ausgehend vom Ausübungspreis (Worst-of-Prinzip). In diesem Fall bekommt man Aktien, die am Markt weniger wert sind, als man ursprünglich investiert hat. Dadurch besteht die Möglichkeit eines Kapitalverlusts. Anleger:innen tragen außerdem das Bonitätsrisiko der Emittentin und der Garantin, d.h. das Risiko von Änderungen in der Kreditwürdigkeit oder einer Zahlungsunfähigkeit.
Hinweis: Die Wertentwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftigen Entwicklungen zu. In der Wertentwicklung sind keinerlei Provisionen, Gebühren und andere Entgelte mit ertragsmindernder Auswirkung auf den Kursverlauf berücksichtigt.
1 Quelle: zdfheute; Stand: 25. Juni 2026
2 Quelle: Reuters; Stand: 11. März 2026
3 Quelle: FuW; Stand: 19. Mai 2026
4 Quelle: n-tv; Stand: 28. April 2026
5 Quelle: Global Critical Minerals Outlook 2025; Stand: 21. Mai 2025
6 Quelle: OECD; Stand: 26. Juni 2026
7 Quelle: USGS; Stand: 2025
8 Quelle: ideas-magazin; Stand: Juni 2026
9 Quelle: Vontobel; Stand: 18. März 2026
10 Quelle: Altios; Stand: 13. Jänner 2026
11 Quelle: World Bank; Stand: 16. Dezember 2025
12 Quelle: KfW; Stand: 7. September 2022
13 Quelle: Re:think München; Stand: 24. Februar 2026
14 Quelle: it-daily.net; Stand: 19. März 2026
15 Quelle: statista; Stand: 17. Dezember 2025
16 Quelle: Linde Gas; Stand: 26. Juni 2026
17 Quelle: Linde Engineering; Stand: 26. Juni 2026
18 Quelle: Linde Investor Relations: Stand: 29. April 2025
19 Quelle: Statista; Stand: 17. Dezember 2026
20 Quelle: Rio Tinto; Stand: 26. Juni 2026
21 Quelle: IEA; Stand: 21. Mai 2025
22 Quelle: Frauenhofer IEG; Stand: 1. April 2026
23 Quelle: Freeport‑McMoRan: 29. Juni 2026
24 Quelle: Ad Hoc News; Stand: 2. Jänner 2026
25 Quelle: farmonaut; Stand: 29. Juni 2026
26 Quelle: Freeport‑McMoRan: 22. Jänner 2026
27 Quelle: Weltbank; Stand: 24. Jänner 2022
28 Quelle: Dentons; Stand: 8. Mai 2025
29 Quelle: Mining the Future: 29. Jänner 2026
30 Quelle: Miningscout; Stand: 26. Juni 2026
31 Quelle: Discovery Alert; Stand: 20. Jänner 2026
32 Quelle: S&P Global; Stand: 10. April 2024
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Stand: Juli 2026