Pharmabranche im Wandel

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44 Milliarden US-Dollar. Um diesen enormen Betrag wuchs der Börsenwert der US-Biotech-Firma Moderna an nur einem Handelstag, dem 19. August 2026.1 Das entsprach einem Anstieg von 177 Prozent. Es war der höchste prozentuale Tageszuwachs, den eine im US-Leitindex S&P 500 notierte Aktie in den letzten 25 Jahren hinlegte.2 Passend dazu wurde das Börsengeschehen dieses Tages von der zugrundeliegenden Nachricht dominiert: Ein personalisierter Impfstoff von Moderna hatte in einer Phase-3-Studie in Kombination mit einem Krebsmedikament von Merck das Wiederauftreten von schwarzem Hautkrebs nach einer Tumorentfernung reduziert.3 Zwar fehlten zunächst noch genaue Details. Doch innerhalb weniger Stunden wurde die zugrundeliegende mRNA-Technologie ganz neu bewertet. Das erfasste auch weitere Unternehmen wie BioNTech in Deutschland, die in diesem Bereich forschen. Vereinfacht ausgedrückt preiste die Börse an diesem Tag die deutlich gestiegene Wahrscheinlichkeit ein, dass es in nicht allzu ferner Zukunft eine neuartige, wirksame Therapie gegen bestimmte Krebsarten geben könnte.

Eli Lilly: Wachstum und hohe Erwartungen

Das Beispiel verdeutlicht, was das Bekanntwerden eines medizinischen Durchbruchs am Aktienmarkt bewirken kann. Zwar musste dafür hinter den Kulissen viele Jahre geforscht werden. Doch wenn man bedenkt, dass Pharmafirmen weltweit an unzähligen Wirkstoffen gleichzeitig arbeiten, dürfte es nicht die letzte Überraschung gewesen sein. Außerdem gibt es in der Branche immer wieder Innovationen. Ein Beispiel war die dänische Firma Novo Nordisk, deren weltweit erste Abnehmspritze im Jahr 2021 in den USA zugelassen wurde. Heute dominiert der US-Konkurrent Eli Lilly dieses Geschäft. Mit einem Börsenwert von rund 1,1 Billionen US-Dollar ist es das wertvollste Pharmaunternehmen der Welt.1 Eli Lilly zählt derzeit zu den wertvollsten und wachstumsstärksten Unternehmen der Pharmabranche und ist auch in der Krebsforschung aktiv.4 Expert:innen erwarten, dass die weltweiten Umsätze des Unternehmens mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bis 2030 jedes Jahr um 18,5 Prozent steigen.5 

Außerdem hat Eli Lilly eine besondere Vision: Das Geschäft soll künftig stärker auf die Prävention von Krankheiten ausgerichtet werden. Dazu möchte man ein eigenes Ökosystem um Hormonersatzstoffe herum aufbauen, die Abnehmmitteln zugrunde liegen. Denn die Präparate können weit mehr sein als Medikamente. Durch Hinzufügen anderer Hormone könnten Wirkstoffe entwickelt werden, mit denen sich die Entstehung von Krankheiten verhindern lässt.6 So wird zum Beispiel das Medikament Retatrutid derzeit auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Adipositas und Übergewicht in Verbindung mit weiteren Symptomen untersucht. Im 1. Quartal 2027 soll in den USA der Antrag auf Zulassung gestellt werden.7 Allerdings ist unklar, ob die geplante Disruption angesichts der heutigen Rahmenbedingungen in den Gesundheitssystemen ein wirtschaftlicher Erfolg wird. Bis auf weiteres muss Eli Lilly deshalb in seinen aktuellen Märkten wachsen. Das gelang dem Unternehmen zuletzt vor allem bei seinen Diabetes- und Abnehmprodukten Mounjaro und Zepbound. Allein damit wurden etwa 65 Prozent des gesamten Umsatzes erzielt.8 Das Risiko liegt dagegen in der weitaus höheren Aktienbewertung gegenüber dem Branchendurchschnitt. Das lässt kaum Spielraum für Enttäuschungen. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz nicht schläft. Weltweit arbeiten Pharma- und Biotech-Unternehmen an neuen Medikamenten. Zwei davon sind Johnson & Johnson und Novartis.

Johnson & Johnson im Überblick

Johnson & Johnson liegt mit einer Marktkapitalisierung von 650 Milliarden US-Dollar auf Platz 2 der weltweiten Pharmabranche.1 Der US-Konzern ist in den Bereichen innovative Medikamente und Medizintechnik breit aufgestellt. Seine wichtigsten Medikamente sind dabei Darzalex zur Behandlung von Knochenmarkkrebs und Tremfya gegen entzündliche Erkrankungen. Im 1. Halbjahr 2026 wurden allein mit diesen beiden Wirkstoffen Umsätze von 8,2 bzw. 3,7 Milliarden US-Dollar erzielt. Im Vorjahreszeitraum waren es 6,8 bzw. 2,1 Milliarden US-Dollar. Insgesamt liefen die Geschäfte so gut, dass die Prognose angehoben wurde. „Wir sind auf dem besten Weg, erstmals in unserer 140-jährigen Geschichte einen Jahresumsatz von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zu erzielen“, sagte Vorstandschef Joaquin Duato.9 Und das, obwohl es auch Medikamente wie Stelara gibt, bei denen die Umsätze nach dem Patentauslauf um mehr als die Hälfte einbrachen. Allerdings war die Aktie mit einem KGV von 32 zuletzt deutlich günstiger bewertet als die von Eli Lilly mit einem KGV von 42. Zugleich lag die Dividendenrendite mit 2 Prozent knapp viermal so hoch wie beim Branchenführer.10 Wirklich erstaunlich ist dabei, dass Johnson & Johnson seine Dividende schon 64 Jahre in Folge steigern konnte.11 Ein Hinweis auf die starke Bonität des Konzerns ist das weiterhin bestehende AAA-Rating.12 Dies konnte bislang auch nicht durch Probleme wie den jahrelangen Streit um ein angeblich krebserregendes Babypuder getrübt werden. Den Prozess hat Johnson & Johnson im Juli 2026 mit Zahlung von 5,5 Milliarden US-Dollar weitgehend beigelegt.13

Die Schweizer Value-Aktie

Im Vergleich zu Johnson & Johnson und Eli Lilly wird Novartis aktuell mit niedrigeren Bewertungskennzahlen gehandelt. Zuletzt lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei 24.10 Das liegt vor allem an den schwächeren Aussichten. So erwarten die Schweizer, dass der Umsatz im Jahr 2026 nur im niedrigen einstelligen Bereich wachsen und das operative Ergebnis sogar etwas schrumpfen dürfte. Die operative Marge war im ersten Halbjahr mit 39 Prozent aber immer noch stabil hoch.14 Denn Novartis hat auch stark wachsende, profitable Medikamente. Dazu zählen Kisqali gegen Brustkrebs, Kesimpta gegen Multiple Sklerose und Scemblix gegen Leukämie. Der starke Fokus auf innovative Wirkstoffe beschert den Aktionären seit Jahrzehnten steigende Dividenden.15 Allerdings laufen zunehmend die Patente aus. So brach etwa der Umsatz beim Herzmedikament Entresto um die Hälfte ein.14 Das dürfte kein Einzelfall bleiben. Denn bis zum Jahr 2031 sind davon Medikamente betroffen, die heute fast 50 Prozent des Umsatzes ausmachen.16 

Die Tatsache, dass einst verlässliche Einnahmen eines Tages wegbrechen, ist aber ein generelles Risiko in der Pharmabranche. Auch Eli Lilly und Johnson & Johnson müssen dies durch erfolgreiche Neueinführungen kompensieren, um ihre Gewinnmargen hoch zu halten. Um das zu erreichen, können die Konzerne in ihre eigene Forschung und Entwicklung investieren oder gezielt Zukäufe tätigen. Letzteres gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. So wurden im Biotech-Sektor im 1. Halbjahr 2026 Transaktionen im Wert von 130 Milliarden US-Dollar abgewickelt, was nahezu dem gesamten Vorjahresniveau entspricht.17

Pharma ist nicht gleich Pharma

Die unterschiedliche Ausrichtung und Entwicklung der drei Unternehmen verdeutlicht, dass Pharma nicht gleich Pharma ist. Jedes Unternehmen muss individuell betrachtet werden. Zwar könnte es sein, dass nach dem jüngsten Moderna-Moment zunehmend Bewegung in die ganze Branche kommt. Doch am Ende wird es auch Verlierer geben. Schließlich kann die Disruption bisheriger Geschäftsmodelle für einzelne Firmen zum Existenzrisiko werden. Wer sich deshalb nach einer Veranlagungsalternative umsehen möchte, könnte einen Blick auf die neue Protect Pro Anleihe von Crédit Agricole auf die Aktien von Eli Lilly, Johnson & Johnson und Novartis werfen. Das Wertpapier bietet einen fixen Kupon von 10,5 Prozent p.a. und einen 35-prozentigen Puffer bis zur Barriere, die ausschließlich am Laufzeitende betrachtet wird. Notieren am Bewertungstag alle drei Aktien auf oder über dieser Barriere, wird die Anleihe zum Nennbetrag zurückgezahlt. Liegt jedoch nur eine Aktie darunter, erfolgt die Tilgung der Anleihe durch die Lieferung der Aktie mit der schlechtesten Kursentwicklung ausgehend vom Ausübungspreis (Worst-of-Prinzip). In diesem Fall bekommt man Aktien, die am Markt weniger wert sind, als man ursprünglich investiert hat. Dadurch besteht die Möglichkeit eines Kapitalverlusts. Anleger:innen tragen außerdem das Bonitätsrisiko der Emittentin und der Garantin, d.h. das Risiko von Änderungen in der Kreditwürdigkeit oder einer Zahlungsunfähigkeit.

1 Quelle: CompaniesMarketCap; Stand: 25. August 2026
2 Quelle: Barron's; Stand: 20. August 2026
3 Quelle: SRF; Stand: 21. August 2026
4 Quelle: e-fundresearch.com; Stand: 4. August 2026
5 Quelle: Statista; Stand: 24. September 2025
6 Quelle: The Economist; Stand: 15. Juli 2026
7 Quelle: Eli Lilly Investor Relations; Stand: 23. Juli 2026
8 Quelle: Eli Lilly Investor Relations; Stand: 5. August 2026
9 Quelle: Johnson & Johnson Investor Relations; Stand: 15. Juli 2026

10 Quelle: Reuters; Stand: 25. August 2026
11 Quelle: AOL Media; Stand: 25. August 2026
12 Quelle: finanzen.net; Stand: 25. August 2026
13 Quelle: ZDFheute; Stand: 28. Juli 2026
14 Quelle: Novartis Investor Relations; Stand: 21. Juli 2026
15 Quelle: Novartis Investor Relations; Stand: 26. August 2026
16 Quelle: VermögensZentrum; Stand: 6. Mai 2026
17 Quelle: TiAM Advisor Services; Stand: 3. August 2026

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Stand: September 2026