Vom Risiko zur Chance: Die neue Rolle der KI in der Softwarebranche

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37 Prozent Kursverlust. Diese tiefrote Zahl zeigte der erweiterte US-Technologie- und Software-Sektor im April 2026 gegenüber seinem Allzeithoch (siehe Wertentwicklungsgrafik). Vor allem Softwareaktien wie Salesforce, ServiceNow und Workday zogen den Sektor nach unten. Dahinter steckte die Befürchtung, dass Künstliche Intelligenz und darauf basierte Agenten Arbeitsabläufe automatisieren könnten, für die bisher große Softwarepakete und tausende Lizenzen erforderlich waren. Einige Expert:innen sprachen von einer möglichen „SaaSpocalypse“, die traditionelle Software-as-a-Service (SaaS) Plattformen überflüssig machen könnte.

SaaSpocalypse vorerst abgesagt

Doch diese Befürchtungen waren übertrieben. Die jüngsten Gewinnmeldungen deuten darauf hin, dass die Softwarebranche weiterhin wächst. Deshalb hat sich der Sektor in den letzten Monaten deutlich erholt. Trotzdem werden viele der führenden Unternehmen noch zu angemessenen Bewertungen gehandelt.1 Ein wichtiges Signal lieferte Salesforce mit den Zahlen zum 2. Quartal. Das Unternehmen übertraf die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an. Die Ergebnisse stärkten das Vertrauen der Investor:innen in die Wachstumsperspektiven der Branche und sorgten für Auftrieb im gesamten Softwaresektor.2 Für viele Anleger:innen war das ein Zeichen, dass KI etablierte Softwareplattformen stärken könnte, statt sie zu zerstören.3 „Die Geschichte der ‚SaaSpocalypse‘ war völliger Unsinn“, sagte Salesforce-Chef Marc Benioff.1 Allerdings freuen sich nicht alle Firmen der Branche. Denn der Markt scheint zwischen Software zu unterscheiden, die durch KI ersetzt werden kann, und Software, die umgekehrt den KI-Einsatz ermöglicht. Unternehmen, die auf nutzerbasierte Preismodelle angewiesen sind, sind weiter unter Druck. Firmen mit stabilen Geschäftsbeziehungen zu Unternehmenskunden, hohen Wechselkosten und einer starken Datenbasis dürften dagegen zu den Gewinnern gehören. Sie könnten sogar das „Betriebssystem“ einer KI-gesteuerten Wirtschaft werden.1 Ein Unternehmen, das dafür infrage kommen könnte, ist SAP. Die Deutschen sind der weltweite Marktführer für Unternehmenssoftware und integrierte Geschäftsprozesse. Mehr als 90 Prozent der Fortune-500-Unternehmen arbeiten im Finanzwesen, in der Beschaffung oder im Personalmanagement mit deren Lösungen.4

Die Macht der Daten

Das Unternehmen hat zwei Segmente: Das traditionelle Softwarelizenz- und Supportgeschäft und das stark wachsende, besser skalierbare Cloud-Geschäft. Letzteres liefert langfristig planbare, wiederkehrende Einnahmen und weist eine hohe Vorhersehbarkeit auf. Cloud-basierte Lösungen wie SAP S/4HANA können dabei Finanzen, Logistik, Personal und Lieferketten steuern. Damit verfügt SAP über eine besondere Stellung im Markt. Ein Grund dafür ist die tiefe Verankerung in den Kernprozessen großer Unternehmen.5 Für Kunden stellt das eine hohe Hürde dar, den Anbieter zu wechseln. Gleichzeitig laufen in den Kernprozessen automatisch alle geschäftskritischen Informationen der Unternehmen zusammen. Diese Daten sind wiederum die Voraussetzung dafür, dass KI-Anwendungen überhaupt richtig funktionieren. Sie gelten als der eigentliche „Rohstoff“, auf den es ankommt.6 Es könnte also sein, dass die KI den Wert des Ökosystems erst richtig sichtbar macht. Nicht umsonst positioniert sich SAP weltweit zunehmend als Anbieter von KI-Lösungen für Unternehmen.7 Europas wertvollste Softwarefirma sieht die neue Technologie also nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Schon jetzt kann der KI-Assistent Joule über Premium-Add-Ons direkt in HR-, Finanz- oder Logistikprozessen genutzt werden. Das Ziel ist dabei, dass Mensch und KI eng zusammenarbeiten.5 Auch den selbst handelnden KI-Agenten könnte künftig eine besondere Bedeutung zukommen. Die neue Schnittstelle Joule Work soll im 3. Quartal starten. Dann könnten bis zum Jahresende mehr als 400 Agenten auf den Markt kommen.8 Insgesamt sieht SAP-Chef Christian Klein durch KI-Produkte eine historische Chance für Wachstum, indem das Unternehmen seinen „einzigartigen Vorteil“ ausspielt.9

Neben Chancen auch Risiken

Dabei wächst SAP schon jetzt schneller als die Konkurrenz. Das dürfte dazu führen, dass das Unternehmen weiter Marktanteile gewinnt.10 Die jüngsten Quartalszahlen untermauern das. So legte der für die nächsten zwölf Monate erwartete Cloud-Umsatz im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu.11 Das hat den Markt scheinbar überzeugt, dass die Wachstumserwartungen besser sind als zuvor befürchtet. Nachdem die Aktie vor den Zahlen den Tiefpunkt der Abwärtsbewegung markierte, in der sie fast 55 Prozent vom Allzeithoch verloren hatte, folgte direkt danach die Wende.12 Seitdem sind die Kurse mehr als 40 Prozent gestiegen. Die hohen Bewertungen des einstigen Cloud-Booms sind aber weit entfernt.1 Dazu passt, dass die Margen zuletzt leicht rückläufig waren.11 Das hängt mit den steigenden Kosten zusammen, die durch das Marketing der KI-Produktangebote und durch die intensive Verwendung von KI-Modellen in der Softwareentwicklung entstehen.12

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Risiken, die Anleger:innen bedenken sollten. So bedeutet die komplexe Architektur der SAP-Systeme, dass Implementierungen und Aktualisierungen oft teuer, langwierig und komplex sind. Zum Beispiel weisen rund 60 Prozent aller S/4HANA-Migrationen eine Diskrepanz bei Budget, Zeit oder Qualität auf. Hinzu kommt ein Mangel an zertifizierten SAP-Expert:innen, was Ressourcen für Transformationsprojekte bei Kunden  verknappt.13 Es besteht aber auch die Sorge, dass einige Kunden weiterhin zögern könnten, überhaupt komplett auf moderne Cloud-Modelle zu wechseln. Von der Bedrohung durch Cyberangriffe auf Cloud-Infrastrukturen und sensible Unternehmensdaten haben wir noch gar nicht gesprochen. Zudem gerät SAP als globaler Marktführer regelmäßig ins Visier von Wettbewerbshütern.14 Was das operative Geschäft angeht, müssen die zuletzt übernommenen Unternehmen Reltio, Prior Labs und Dremio erfolgreich integriert werden.15 Zugleich dürfte der Wettbewerb mit großen Konkurrenten wie Oracle und Microsoft intensiv bleiben.5 Und nicht zuletzt gibt es auch Zweifel, was die KI als Hoffnungsträger angeht. So bezeichneten einige namhafte Kunden wie Volkswagen den Assistenten Joule, mit dem SAP-Chef Klein neue Aufträge gewinnen und Wachstum erzeugen will, als teuer und unausgereift.4

Express Anleihe mit 4 Jahren Laufzeit

Entscheidend für SAP dürfte sein, ob Cloud, Automatisierung und KI nachhaltiges Wachstum und Margenqualität liefern können.5 Wer vor dem Hintergrund der vielfältigen Chancen und Risiken bei Investments etwas vorsichtiger agieren möchte, könnte sich für die neue Fix Kupon Express Anleihe der Erste Bank auf die SAP-Aktie interessieren. Sie bietet einen fixen Zinsertrag von 7,25 Prozent p.a. und wird zum Nennbetrag zurückgezahlt, sofern die Aktie am finalen Bewertungstag mindestens 50 Prozent ihres Startwerts (Ausübungspreis) erreicht. Dank der Expressfunktion kann die Anleihe auch vorzeitig fällig werden, wenn die Aktie an einem jährlichen Bewertungstag auf oder über dem Startwert notiert. Bleibt eine vorzeitige Rückzahlung aus und fällt die Aktie bis zum Laufzeitende um mehr als 50 Prozent, werden SAP-Aktien zum Ausübungspreis geliefert. Das bedeutet: Man bekommt Aktien, die am Markt weniger wert sind, als man ursprünglich investiert hat. Dadurch besteht die Möglichkeit eines Kapitalverlusts. Anleger:innen tragen außerdem das Bonitätsrisiko der Emittentin, d. h. das Risiko von Änderungen in der Kreditwürdigkeit oder einer Zahlungsunfähigkeit.

Hinweis: Die angeführten Unternehmen wurden beispielhaft ausgewählt und stellen keine Anlageempfehlung dar. Eine Veranlagung in Wertpapiere birgt neben den geschilderten Chancen auch Risiken. 

1 Quelle: Schwab Network; Stand: 31. August 2026
2 Quelle: Salesforce Investor Relations; Stand: 26. August 2026
3 Quelle: TradingView; Stand: 27. August 2026
4 Quelle: Bloomberg; Stand: 25. Februar 2026
5 Quelle: DekaBank; Stand: 28. September 2026
6 Quelle: Flossbach von Storch; Stand: 6. April 2023
7 Quelle: SAP SE; Stand: 29. September 2026
8 Quelle: Yahoo Finance; Stand: 25. September 2026

9 Quelle: manager magazin; Stand: 28. September 2026
10 Quelle: DZ BANK; Stand: 7. Mai 2026
11 Quelle: SAP Investor Relations; Stand: 23. Juli 2026
12 Quelle: finanzen.net; Stand: 24. Juli 2026
13 Quelle: MyBusinessFuture; Stand: 14. März 2026
14 Quelle: Reuters; Stand: 9. Juli 2026
15 Quelle: Börse Global; Stand: 2. September 2026

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Stand: Oktober 2026