Nach Jahren der Expansion

LVMH stellt sein Markenimperium neu auf

Von 455 auf weniger als 200 Milliarden Euro: In gut drei Jahren hat Europas einst wertvollstes Unternehmen und unangefochtener Börsenstar der Luxusbranche mehr als die Hälfte seines Marktwerts eingebüßt.1,2 Vor allem der Wegfall Chinas als verlässlicher Wachstumsmotor hat Spuren hinterlassen. 2023 wuchs LVMH in der Region noch zweistellig,3 danach rutschte das Geschäft zeitweise ins Minus.4 Erst im zweiten Halbjahr 2025 setzte wieder eine vorsichtige Erholung ein.5
 

Das Portfolio kommt auf den Prüfstand

China allein ist allerdings nicht das Problem. Hinzu kommen ein verändertes Konsumverhalten und ein schwierigeres Marktumfeld mit hoher Inflation, schwachem Wirtschaftswachstum und zunehmenden geopolitischen Spannungen. Die üblichen Rezepte aus neuen Produkten und höheren Preisen reichen da nicht mehr aus. Nach Jahrzehnten der Expansion ändert LVMH daher nun seinen Kurs: Statt weiterer Zukäufe stehen Profitabilität, Margenschutz und die Bereinigung des Markenportfolios im Vordergrund.6

Dass es LVMH mit dem Strategiewechsel ernst meint, zeigt der Verkauf von Marc Jacobs. Nach fast drei Jahrzehnten unter dem Dach des Konzerns geht die Modemarke für bis zu 850 Millionen Dollar an WHP Global und G-III Apparel. Der Deal steht exemplarisch für den neuen Kurs: Kleinere Marken kommen auf den Prüfstand, während LVMH seine Kräfte stärker auf Zugpferde wie Louis Vuitton und Dior konzentriert.6,7

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen müssen. Das einzigartige Markenportfolio und die hohe Preissetzungsmacht sind dabei sicherlich nicht hinderlich. Auch um die finanzielle Verfassung des Konzerns muss man sich, anders als es der Aktienkurs vermuten lässt, kaum Sorgen machen: Im ersten Halbjahr 2026 erzielte LVMH 5,7 Milliarden Euro Nettogewinn und einen Free Cashflow von 4,1 Milliarden Euro.8 Von solchen Zahlen kann so mancher gefeierte Tech-Konzern nur träumen. Zum Vergleich: KI-Börsenstar Palantir kam im gleichen Zeitraum umgerechnet auf rund 1,7 Milliarden Euro bzw. etwa 1,8 Milliarden Euro.9 Zudem zog in den USA zuletzt das Wachstum wieder an. Die Kauflust der besonders wohlhabenden Kunden scheint also keineswegs überall verschwunden zu sein.8
 

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Für antizyklische Investor:innen könnte sich daraus eine interessante Gelegenheit ergeben. Wer das Aktienrisiko dabei etwas abfedern möchte, kann einen Blick auf eine Memory Express-Anleihe der Erste Bank werfen. Das Papier bietet neben der Chance auf einen jährlichen Zinskupon von 9,25 Prozent p.a. einen zusätzlichen Risikopuffer von 35 Prozent gegenüber einem Direktinvestment in die Aktie. Eine vorzeitige Rückzahlung erfolgt, wenn die Aktie an einem der jährlichen Bewertungstage auf oder über ihrem Startwert (Ausübungspreis) notiert. Liegt die Aktie darunter, aber auf oder über der Kupon-Barriere, wird der Zinskupon gezahlt und die Laufzeit verlängert sich um ein weiteres Jahr. Bei noch tieferen Kursen entfällt der Kupon zunächst, kann aber nachgereicht werden, wenn an einem der folgenden Stichtage die Bedingungen wieder erfüllt sind (Memory-Effekt). Am finalen Bewertungstag entscheidet die Finale-Rückzahlungs-Barriere, ob die Anleihe zum Nennbetrag inklusive aller ausstehenden Zinsen zurückgezahlt wird oder LVMH-Aktien zum Ausübungspreis (Startwert) geliefert werden. Im letzteren Fall bekommt man Aktien, die am Markt weniger wert sind, als man ursprünglich investiert hat. Dadurch besteht die Möglichkeit eines Kapitalverlusts. Anleger:innen tragen außerdem das Bonitätsrisiko der Emittentin, d. h. das Risiko von Änderungen in der Kreditwürdigkeit oder einer Zahlungsunfähigkeit.

1 Quelle: The Drinks Business; Stand: 27. April 2023
2 Quelle: CompaniesMarketCap; Stand: 28. September 2026
3 Quelle: LVMH; Stand: 25. Jänner 2024
4 Quelle: Reuters; Stand: 23. Juli 2024
5 Quelle: LVMH; Stand: 27. Jänner 2026
6 Quelle: Reuters; Stand: 14. Mai 2026
7 Quelle: ChosunBiz; Stand: 6. Mai 2026
8 Quelle: LVMH; Stand: 27. Juli 2026
9 Quelle: Palantir; Stand: 3. August 2026

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Stand: Oktober 2026