„Nichts ist schöner als ein Strahlen in den Augen“

Die #glaubandich Geschichte von Sabine Wiesauer und Gerlinde Brachinger

Sabine und Gerlinde engagieren sich ehrenamtlich als „Kulturbuddies“. Sie besuchen mit jungen Erwachsenen, die unterschiedliche Formen einer Beeinträchtigung haben, kulturelle Veranstaltungen. Hier ist viel Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen gefragt. Die zwei Kulturbuddies sind sich einig: Helfen macht Spaß und verleiht ihrem Leben zusätzlichen Sinn.

Sabine Wiesauer und Gerlinde Brachinger arbeiten beide in der Erste. Sabine unterstützt in der EBOe das Marketing Team Gründer und SME. Gerlinde arbeitet in der Holding im Bereich Restructuring Corporates.

Vor acht Jahren sind sie durch die Time Bank auf die Initiative „Hunger auf Kunst und Kultur“ und die NGO „assist“ aufmerksam geworden. So haben die zwei Kolleginnen und nun Freundinnen eine Möglichkeit gefunden, Menschen mit geistiger oder physischer Beeinträchtigung zu helfen. Sie gehen einmal im Monat mit ihnen in eine kulturelle Veranstaltung. 

Warum engagieren Sie sich für Menschen mit Beeinträchtigung?

Sabine: Ich wollte neben Familie und meinem Beruf etwas tun, das Sinn stiftet.

Gerlinde: In meinem ganzen Leben hat es das Schicksal gut mit mir gemeint, da wollte ich gerne jenen etwas zurückgeben, die es nicht so gut haben. Da wir uns sehr für Kultur interessieren, haben wir uns für diese Art der Hilfe entschieden.

Gab es einen #glaubandich Moment?

Sabine: Oh, ja! Da gab es viele! Einmal organisierten wir einen Opernbesuch in Schönbrunn. Es meldete sich ein Mädchen an, das unter leichtem Autismus leidet und laute Musik schwer aushält. Selbst in einem Kaufhaus wird ihr die Hintergrundmusik zu laut.

Was war das Problem?

Gerlinde: Es hätte passieren können, dass ihr die Musik in der Oper zu imposant, zu laut werden würde. Sie scheint aber neugierig gewesen zu sein, denn sie war noch nie in einer Oper. Wir wollten den Versuch jedenfalls wagen.

Wie ging es Ihnen vor dem Opernbesuch?

Sabine: Gerlinde und ich waren ziemlich nervös, wie unser Schützling auf die Opernmusik reagieren würde. Was würde passieren, wenn sie die Musik nicht aushalten würde? Uns war die Verantwortung bewusst, die wir für das Mädchen hatten und auch für die Stimmung unter den anderen Schützlingen. Wir wollten auch nicht, dass die Oper oder andere Besucher:innen gestört werden würde und wir vielleicht nie mehr kommen dürften.

Wie haben Sie die Situation gemeistert?

Sabine: Wir haben an unseren Schützling geglaubt, dass sie das schaffen würde, wenn sie das will. Und wir haben an uns geglaubt, dass wir die Situation im Griff haben. Wir wussten, was zu tun war, denn selbst bei leisen Konzerten kam es schon mal vor, dass wir sie hinausbegleiten mussten.

Wie ist der Abend dann verlaufen?

Gerlinde: Wir warfen immer wieder einen Blick auf das Mädchen, ob es ihr auch gut ginge. Doch unser Schützling war während der gesamten langen Oper ganz ruhig und aufmerksam. Am Ende der Oper strahlte sie und sagte: „Es war soo schön.“

Wir waren sehr glücklich und erleichtert und das bestärkte uns auch, dass man sich selbst und anderen etwas zutrauen kann. Unsere Einstellung war immer, dass wir alle Schützlinge gleichbehandeln und alle die Chance bekommen sollen, bei unseren Kulturbesuchen teilzunehmen, egal welche Beeinträchtigung sie haben.

Gibt es noch andere #glaubandich Momente?

Sabine: Ja, immer wieder. Bei einem Konzert bekam ein Schützling einen epileptischen Anfall. Als wir so eine Situation das erste Mal miterlebten, waren wir natürlich geschockt. Aber wir wussten, dass wir das Mädchen nur beruhigen, nur streicheln mussten – und das half. Wir hatten es geschafft und nach einiger Zeit konnte sie das Konzert wieder genießen.

Gerlinde: Und ein Schützling, der durch die Beeinträchtigung keiner Arbeit nachgehen kann, hat durch unsere Kulturbesuche zum Tanz gefunden. Sie ist jetzt in einer speziellen Musical Schule und geht dort völlig auf. Wer hätte das gedacht? Die Entwicklung unserer Schützlinge mitzuerleben, ist fantastisch!

Was möchten Sie Ihren Kolleg:innen mitgeben?

Sabine: Anderen etwas Gutes tun ist ein unglaublich erfüllendes Gefühl! Man bekommt auch eine andere Perspektive auf die Dinge und erkennt, was wirklich wichtig ist.

Gerlinde: Es ist wichtig, ein soziales Engagement zu finden, das einem selbst Spaß macht und sich mit dem Privat- und Berufsleben vereinbaren lässt. Schließlich tut man das in seiner Freizeit.

Sabine: Nichts ist schöner, als wenn sich unsere Schützlinge mit einem Strahlen in den Augen verabschieden!

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