23.07.2021

Die Sparkasse der Zukunft:
Wohlstand schaffen in Zeiten von Klimawandel und Digitalisierung

 

v. l. n. r.: Mag. Martin Jäger, MBA (Sprecher Vorarlberger Sparkassen), Mag. Bernd Spalt (CEO Erste Group Bank AG), Harald Giesinger (Dornbirner Sparkasse Bank AG)

Download

Auch wenn die COVID-19 Infektionen in einigen Ländern Europas wieder steigen, so steigt mit den erfolgreichen Impfkampagnen auch die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie. Diese Hoffnung spiegelt sich auch in der Wirtschaftsentwicklung wider: Noch in diesem Jahr soll das Wirtschaftswachstum der Eurozone nach Einschätzungen der Erste Group-Ökonomen bei 4,4 Prozent (4,1 % für 2022) liegen. Für Österreich werden BIP-Wachstumsraten von +3,8% für 2021 und +4,3% für 2022 erwartet. Für Vorarlberg wird von einem realen Wirtschaftswachstum von +3,0 Prozent ausgegangen. „Es beginnt eine neue Zeitrechnung. Die Folgen der Coronakrise, die Dynamik der Digitalisierung, die gesellschaftliche Entwicklung sowie das öko-soziale Umfeld stellen uns jetzt vor sehr große Herausforderungen“, berichtet Bernd Spalt, Vorstandsvorsitzender der Erste Group, auf Einladung der Vorarlberger Sparkassen in einem Pressegespräch in der Dornbirner Stadtbibliothek: „Und gleichzeitig, das möchte ich ganz besonders betonen, werden sich auch viele neue Chancen eröffnen.“ Sowohl in der Erste Group, als auch in den Vorarlberger Sparkasse, stehen aktuell drei Themen mit hoher Relevanz für die Zukunft im Mittelpunkt der Diskussionen: Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie Erhalt und Vermehrung von Wohlstand in Zeiten des Niedrigzinsumfelds.

Digitale Innovationen
Die Pandemie hat zweifellos die Digitalisierung in allen Lebensbereichen beschleunigt – so auch im Bankgeschäft. Leichte Verfügbarkeit, Rund-um-die-Uhr-Service, intuitives Bedienen und hohe Sicherheitsstandards haben noch mehr Menschen von George, dem 2015 gelaunchten Internetbanking von Erste Group und Sparkassen, überzeugt. 7 Millionen Menschen in sieben Ländern – rund 95.000 davon in Vorarlberg – nutzen bereits George. Befürchtungen, dass das persönliche Beratungsgespräch verschwinden könnte, zerstreut Bernd Spalt: „Es geht nicht um ein ‚Entweder-Oder‘, digital oder persönlich, sondern ein ‚Sowohl-als-Auch‘. Geldgeschäfte basieren auf Vertrauen und das entsteht insbesondere durch den persönlichen Kontakt.“ Gleichzeitig streben Erste Group und Sparkassen danach, ihre Innovationsführerschaft weiter auszubauen: „Natürlich haben wir den Ehrgeiz, unsere Plattform immer leistungsfähiger zu machen, um immer besseres Service bieten zu können“, so der Erste Group-CEO. Der nächste Entwicklungsschritt in George ist der Einsatz von Data Analytics und künstlicher Intelligenz. „Zudem pilotieren wir gerade in Wien ein Remote Beratungssystem“, so Spalt.

Grüne Transformation
Die Klimakrise erfordert entschiedenes Handeln auch von der Wirtschaft. Im Rahmen vom EU-Green Deal kommt der Finanzindustrie die besondere Aufgabe zu, den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft einzuleiten und den, unter dem Kürzel ESG (Environmental, Social, Governance – also Umwelt, Soziales, verantwortungsvolle Unternehmensführung) zusammengefassten Kriterien mehr Bedeutung zu verleihen. Harald Giesinger, Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse: „Das bedeutet für uns Banken, dass wir ESG bei der Kreditvergabe hinkünftig besonders berücksichtigen müssen, damit mehr Kapital in nachhaltige Finanzierungen und Investitionen fließen kann. Andererseits sind alle Sektoren aufgerufen, selbst auch ‚grüner‘ zu werden, Nachhaltigkeitsrisiken identifizieren und nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten wahrnehmen.“ So hat die Erste Group, und damit auch alle Sparkassen in Österreich, mit dem Ausrollen interner ESG-Rating- und Managementsysteme begonnen. „Wir haben ESG als eine unserer strategischen Säulen gestärkt und gerade in den letzten Monaten entscheidende Maßnahmen getroffen, um den Umschwung einzuleiten. Mit unserer ersten nachhaltigen Anleihe haben wir 500 Millionen Euro für grüne und soziale Projekte eingesammelt, die schon bald in sozialen Wohnbau oder beispielsweise Windkraftwerken investiert wird. Außerdem haben wir uns dazu entschieden, hinkünftig keine Unternehmen im Bereich Kraftwerkskohlebau und Kohleverstromung mehr zu finanzieren – mit dem Ziel bis 2030 das Netto-Engagement auf null zu bekommen“, berichtet der Erste Group-CEO.

ESG-Bewusstsein lässt sich hervorragend mit der Sparkassen-DNA vereinbaren, denn es ist Teil der zivilgesellschaftlichen Verantwortung, die die österreichischen Sparkassen in ihrem Gründungsauftrag vor 200 Jahren übernommen haben. „Wohlstand für alle Menschen in ihrem Lebensbereich zu schaffen, bedeutet für uns heute konkret auch, Sorge für ein verantwortungsvolles Miteinander und für eine intakte Umwelt zu tragen“, betont Harald Giesinger, Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse. Seit jeher unterstützen die Sparkassen kulturelle, sportliche, wissenschaftliche, soziale und infrastrukturelle Aktivitäten in ihren Regionen. „Durch die Mittel der Dornbirner Sparkasse konnte beispielsweise die neue Dornbirner Stadtbibliothek realisiert werden, die mit ihrem umfangreichen Medien- und Veranstaltungsangebot zu einem neuen Hotspot der Stadt avanciert ist“, verweist Giesinger auf den Veranstaltungsort. Im Bereich Klimaschutz sind die einzelnen Ländle-Sparkassen bereits seit zehn Jahren aktiv: „Regelmäßige Gemeinwohlbilanz-Erstellung, professionelles betriebliches Umweltmanagement mit Ökoprofit-Zertifizierung oder Corporate Carsharing sind nur einige der Vorzeigeprojekte, bei denen wir Transparenz beweisen und/oder aktiv zur Prävention des Klimawandels und dem Erreichen der Pariser Klimaziele beitragen“, ergänzt Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.

Wohlstand sichern im Niedrigzinsumfeld
Erste Bank und Sparkassen verwalten bundesweit knapp 100 Milliarden Euro an Kundeneinlagen. Doch selbst im Dauer-Niedrigzinsniveau erweisen sich Herr und Frau Österreicher weltmeisterlich im Sparbuchsparen und büßten deshalb inflationsbedingt durchschnittlich 360 Euro im letzten Jahr ein. „Österreicherinnen und Österreicher sind ‚Sparefrohs‘ und oft ängstliche Laien in Sachen Wertpapiere. Häufig liegt das am mangelnden Wissen, das wir wettmachen müssen. Wir wollen sie also zu wissenden ‚Wertpapier-Sparefrohs‘ machen“, so Bernd Spalt, der noch länger nicht mit einem signifikanten Anstieg des Zinsniveaus rechnet. Um weiterhin ihrem Auftrag, Wohlstand zu schaffen, gerecht zu werden, haben sich Erste Group und Sparkassen das strategische Ziel gesetzt, Wertpapieranlagen für die breite Öffentlichkeit zugänglicher, verständlicher und transparenter zu machen und setzen dabei verstärkt auf nachhaltige Veranlagung.

„Erst im Vormonat sind wir deshalb als erstes Finanzinstitut in Europa dem Green Consumption Pledge beigetreten, einer Initiative der Europäischen Kommission zur Beschleunigung eines nachhaltigen Wirtschaftsaufschwungs“, so Spalt. Damit hat sich die Erste Group verpflichtet, die Verfügbarkeit nachhaltiger Finanzprodukte zu gewährleisten und ihre KundInnen im Sinne nachhaltiger Finanzentscheidungen verstärkt zu informieren. Bis Ende 2023 wird deshalb die Erste Asset Management, die Kapitalanlagegesellschaft von Erste Group und Sparkassen, die Anzahl ihrer Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen um die Hälfte zu erhöhen. Derzeit beträgt das Volumen 3,4 Milliarden.

Positive Aussichten
Wirtschaftsoptimismus scheint auch angesichts des über 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbauplans der Europäischen Union angebracht, der Maßnahmen und Investitionen zur Stützung der Wirtschaft nach der Coronakrise umfasst. Daraus sollen 3,5 Milliarden Euro Zuschüsse nach Österreich fließen – davon mindestens 37 Prozent für Klimaschutzprojekte und mehr als 20 Prozent für die digitale Transformation. Spalt: „Zieht man den Erfahrungswert von ähnlichen Programmen heran, gehen wir von einem Faktor 10 bis 15 bei Investitionen aus, also rund 7,5 bis 11 Billionen Euro für Europa bzw. 35 bis 50 Milliarden für Österreich. Das ist eine respektable Summe, die in den nächsten Jahren große wirtschaftliche Kräfte freisetzen und die grüne Transformation beschleunigen wird.“

Auch für Vorarlberg stehen die Zeichen auf Grün. „Aus den vielen Gesprächen, die wir mit Vorarlberger UnternehmerInnen führen, wird klar: Wir befinden uns bereits im Aufschwung. Das schlägt sich in einer regen Investitionstätigkeit vor allem in Industrie, Gewerbe und der Bauwirtschaft nieder. Ebenso hält der Wohnraumfinanzierungs-Boom ungebrochen an. Die Vorarlberger Sparkassen verzeichnen bereits zur Jahreshälfte ein höheres Neukreditvolumen als im gesamten Jahr 2020, das an sich schon sehr stark war“, berichtet Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.

v. l. n. r.: Mag. Martin Jäger, MBA (Sprecher Vorarlberger Sparkassen), Mag. Bernd Spalt (CEO Erste Group Bank AG), Harald Giesinger (Dornbirner Sparkasse Bank AG)

Download

Mag. Bernd Spalt, CEO Erste Group Bank AG, beim Pressegespräch der Vorarlberger Sparkassen

Download