Corona beeinflusst Spar- und Ausgabeverhalten in Vorarlberg

Medieninformation Vorarlberger Sparkassen, 28.09.2020

Studienpräsentation

Steigende COVID19-Fallzahlen und die Angst vor noch weitreichenderen wirtschaftlichen
Konsequenzen bewegen aktuell auch viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger. Obwohl zwei Drittel von ihnen angeben, keine negativen finanziellen Auswirkungen durch Corona erleiden zu müssen, hinterlässt die Pandemie deutliche Spuren im Spar- und Ausgabeverhalten: So wird weniger gespart, deutlich weniger mit Bargeld bezahlt und in der Anlagestrategie auf Nummer sicher gesetzt. Das ergab die aktuelle Umfrage von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkasse. „Wir genießen in Vorarlberg das Privileg einer leistungsfähigen, stabilen und sozial agierenden Wirtschaft. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Reihe von Unternehmern und Arbeitnehmern hart von der Krise getroffen wurde“, betont Werner Böhler, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen. So schränken sich nun laut Studie fast die Hälfte der Befragten (44 %) finanziell ein. Böhler: „Die Vorarlberger Sparkassen sind sich ihrer Funktion als stabilisierende Kraft bewusst. Wir bieten deshalb weiterhin jenen Kunden, die infolge von Corona überdurchschnittlich belastet sind, schnelle und unbürokratische Unterstützung. Bislang haben wir Kontorahmen-Überziehungen in der Höhe von etwas mehr als 108 Millionen Euro gewährt und mit mehr als 28 Millionen gestundeten Euro 3.447 Menschen finanziell wieder Luft verschafft.“

Weniger gespart – trotzdem zufriedener mit Sparbetrag
Für mehr als drei Viertel der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger (77 %) ist Sparen gerade in Corona-Zeiten „wichtig“ bzw. „ziemlich wichtig“. Das sind weniger als im Vorjahr (-4 PP). Der Wert liegt aber immer noch im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Derzeit spart man durchschnittlich 260 Euro pro Monat – ebenfalls weniger als noch vor einem Jahr (2019: 264 Euro). Damit bildet das Ländle – einst Spar-Champion in Österreich – gemeinsam mit Wien das Schlusslicht im Bundesländer-Ranking. „Vorarlberg entwickelt sich sowohl bei der Bedeutung des Sparens als auch beim Sparbetrag entgegen dem Österreich-Trend und auch entgegen der aktuellen Prognose der Nationalbank. Die geht 2020 von einem deutlichen Anstieg der Sparquote aus. Wie es scheint, muss also bereits heute ein Teil der Vorarlberger auf Ersparnisse zurückgreifen, um das Haushaltsbudget zu stabilisieren“, interpretiert Böhler die Studienergebnisse. Gleichzeitig erweist sich die Bevölkerung des westlichsten Bundeslandes so zufrieden wie nie mit ihrer Sparleistung: Überdurchschnittlich viel, nämlich zwei Drittel (66 %; Österreich: 59 %), geben an, „zufrieden“ bzw. „sehr zufrieden“ mit ihrem Sparbetrag zu sein.

Die Corona-Pandemie hat auch die Prioritäten verändert, wofür gespart wird: 87 Prozent der Befragten mehr als im Vorjahr (2019: 83 %) – gehen mit einem Notgroschen auf Nummer sicher. Ebenso nimmt die Vorsorge für die Pension einen deutlich höheren Stellenwert ein (2020: 53 %; 2019: 42 %). Auffällig ist auch die Entwicklung im Zusammenhang mit der Urlaubskasse: 39 Prozent geben in Vorarlberg an, für Urlaubsreisen zu sparen. 2019 waren das nur 31 Prozent. „Viele mussten Corona-bedingt ihre Urlaubsansprüche und Zeitguthaben abbauen. Im schlimmsten Fall wurden sie auf Kurzarbeit gesetzt oder gar arbeitslos. Wie sehr sich das Urlaubsverhalten durch die Pandemie verändert hat, ist heute noch nicht absehbar. Die Studienergebnisse legen allerdings nahe, dass große Urlaubsträume zwar aufgeschoben, die notwendigen Rücklagen dafür aber bereits jetzt geschaffen werden“, kommentiert der Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.

Mehr digital – weniger bar
DieVorarlbergerinnen und Vorarlberger verzichten allerdings nicht auf jene größeren Anschaffungen, die schon vor Corona geplant waren: So geben fast drei Viertel (73 %) der Befragten an, bereits ins Auge gefasstes Wohneigentum tatsächlich kaufen oder bauen zu wollen. Nur 9 Prozent verwerfen nun dieses Vorhaben. Etwas mehr als die Hälfte (56 %) will mittelgroße Anschaffungen wie Auto, Möbel oder Haushaltsgeräte durchziehen, 17 Prozent verzichten hingegen ganz darauf. Wer es sich leisten kann, nutzt derzeit weiterhin die niedrigen Zinsen. „Österreichweit stiegen die Wohnbaukredite im Neugeschäft von 5 Milliarden Euro (Q2/2019) um 7,2 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro (Q2/2020). Erste Bank und Sparkasse verzeichneten ebenfalls einen Zuwachs bei Neukrediten im Wohnbau um 9,8 Prozent auf insgesamt über eine Milliarden Euro ”, so Böhler.

Darüber hinaus geben in der Studie 36 Prozent der Befragten an, jetzt häufiger kontaktlos mit Karte oder Smartphone zu bezahlen als noch vor Corona. 12 Prozent nutzen verstärkt Online Banking bzw. Mobile Banking. „Erste Bank und Sparkassen verfolgen seit Jahren konsequent eine Digitalstrategie. Das kommt gerade jetzt unseren Kunden zugute. Wir verzeichnen in ganz Österreich eine Zunahme der Digital-Transaktionen um bis zu 20 Prozent. Allein in Vorarlberg nutzen mehr als 33.000 Sparkassenkunden die Vorzüge kontaktloser Bezahlvarianten“, berichtet Böhler. Gleichzeitig wandert bei mehr als einem Drittel (35 %) nun weniger oft Bargeld über den Tresen. Besonders stark trifft das auf die Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren zu (Österreich: 42 %). „Auch unsere Unternehmenskunden profitieren von unseren Bezahl-Innovationen. Durch die Kooperation mit Global Payment konnten wir zum Höhepunkt des Shutdowns einfach zu bedienende POS-Terminals und innovative E-Commerce-Lösungen anbieten. Sie ermöglichten, die Geschäftsmodelle rasch und unkompliziert an die neuen Bedingungen im Corona-Umfeld anzupassen“, betont Werner Böhler.

Sparbuch: weiter attraktiv, aber nicht mehr ganz modern
Nach wie vor setzen mehr als drei Viertel (78 %) in Vorarlberg auf das Sparbuch bzw. eine Sparkarte – obwohl für weit mehr als die Hälfte (59 %) diese Sparform nicht mehr zeitgemäß ist. Dazu der Sprecher der Vorarlberger Sparkassen: „Das Sparbuch sollte fixer Bestandteil einer jeden Anlagestrategie sein, denn es sichert immer noch die kurzfristige Liquidität. Mit rund drei Netto-Monatsgehältern ist man für alle Eventualitäten des täglichen Lebens gut gerüstet. Für den gezielten langfristigen Vermögensaufbau sollte der Fokus aber auf den Kapitalmärkten liegen, um die Kaufkraft zu erhalten. Denn mit einem Zinsanstieg ist aus heutiger Sicht noch länger nicht zu rechnen. In Form eines Fondsplans könnte man schon mit monatlichen Beträgen ab 50 Euro kontinuierlich Kapital erwirtschaften.“

Die Pandemie hat im Ländle allerdings vorsichtig gemacht und das Interesse an Wertpapieren deutlich gedämpft. Immerhin sehen 40 Prozent der Befragten Investmentfonds als geeignete mittel- und langfristige Alternative zum Sparbuch. Bei Anleihen sind das 36 Prozent, bei Aktien 37 Prozent. Sieben Prozent besitzen bereits Kapitalmarktprodukte. Immerhin erwägt rund ein Zehntel (12 %) in Vorarlberg den Kauf von Wertpapieren. Die Studie zeigt auch, dass sich österreichweit vor allem junge Erwachsene für Aktien, Fonds & Co interessieren. „Für diese Generation spielt eine öko-soziale Lebensführung eine enorm große Rolle. Aber für uns alle sollte Nachhaltigkeit - auch in der Geldanlage - ein Gebot der Stunde sein. Die breite Palette an Themenfonds der Erste Asset Management decken sowohl die Bereiche Umwelttechnik als auch Mikrokredite ab. Besonders berücksichtigen sie aber auch die sogenannten Transformation Leaders, Unternehmen, die in ihrer Branche neue Nachhaltigkeitsstandards setzen“, informiert Böhler.

Zur Umfrage:  Erste Bank und Sparkassen beauftragten das Marktforschungsinstitut IMAS International für eine telefonische Befragung rund um die Themen finanzieller Betroffenheit und Veränderungen des Veranlagungs- und Konsumverhalten in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Befragung fand im Zeitraum vom 03. bis 16. Juni 2020 statt. Insgesamt wurden 900 Personen (100 pro Bundesland) befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren. 

(Foto: Anna Shvets/pexels)