Biotechnologie

Branchenüberblick, UPDATE 21.10.2019

Geradezu unfassbar: 2 Millionen US-Dollar kostet die weltweit teuerste Einmaldosis eines Medikaments. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis erhielt im Mai die Zulassung für eine Gen-Therapie zur Behandlung der Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie, die vierteljährlich verabreicht werden muss1. Biotechnologie-Produkte retten offensichtlich nicht nur Leben, sondern machen ihre Erfinder auch wohlhabend.

Bewährt seit 5.000 Jahren
Biotechnologie steht als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Verfahren und Methoden, die auf lebende Organismen, auf ihre Teile oder ihre Produkte Anwendung finden. Im Unterschied zu Pharmazeutika haben sie – anstatt einer chemischen – eine biologische Basis, also lebende Organismen wie Enzyme oder Bakterien. Einer Studie von Evaluate Pharma zur Folge beruhen mittlerweile knapp zwei Drittel der neu zugelassenen Medikamente auf Innovationen der Biotechnologie.

Die Welt kennt biotechnologische Anwendungen aber nicht erst seit gestern: Seit Jahrtausenden produzieren wir Bier, Wein und gesäuertes Brot. Die moderne Biotechnologie2 basiert im Wesentlichen aber auf der Mikrobiologie, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Damals gelang es Louis Pasteur und Robert Koch erstmals, Krankheitserreger als Basis für einen Impfstoff zu isolieren.

Biotechnologische Anwendungsmöglichkeiten scheinen schier unbegrenzt. Grundsätzlich unterscheidet man drei Kategorien: die rote (Medizin), die grüne (Landwirtschaft) und die weiße Klasse (Industrie). Mit den meisten dieser Verfahren revolutionieren innovative Köpfe vor allem das Gesundheitswesen. Einsatz findet die Biotechnologie aber auch in der Landwirtschaft sowie in der Nahrungsmittel-, Reinigungsmittel-, Textil-, Leder-, Papier- und Kosmetikindustrie. 
 
Megatrend
Durch das Wachstum der Welt-Bevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 und die prognostizierte Verdoppelung der Personen über 60 bis dahin, geht man davon aus, dass die Ausgaben für Gesundheit in den OECD-Ländern auf 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen werden3. Kostentreiber ist dabei nicht nur eine immer älter werdende Bevölkerung, sondern vor allem auch der technologische Fortschritt der Gesundheitsversorgung.

Heilen, nicht nur herauszögern
Die personalisierte Medizin gilt als neuer Megatrend in der Forschung: Aufgrund individueller genetischer Faktoren bzw. molekularer Eigenschaften reagiert jeder Mensch anders auf Medikamente. Eine Behandlung wirkt deshalb besser, wenn Untersuchungen und Therapien maßgeschneidert auf die individuelle Erkrankung abgestimmt sind. Dazu ist das Verständnis des Genoms (Gesamtheit aller Gene) und des Proteoms (Gesamtheit aller Eiweiße) erforderlich4. Dank der Erkenntnisse der Genom- und Proteomforschung können gerade bei Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes oder Krebs nicht nur Symptome bekämpft, sondern auch positiv Einfluss auf den Krankheitsverlauf genommen werden.

Große und kleine Fische im Teich
Als Maßzahl für die Performance der US-Branche gilt vor allem der NASDAQ Biotechnology Index, der alle an der NASDAQ gelisteten Biotechnologie- und Pharmaunternehmen umfasst. Und der hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. So konnten sich Branchengiganten wie der Weltmarktführer Amgen mit einer Marktkapitalisierung von 129,09 Milliarden US-Dollar6, Gilead Sciences (102,96 Milliarden US-Dollar), Novo Nordisk (96,18 Milliarden US-Dollar) sowie Celgene (77,35 Milliarden US Dollar) über satte Gewinne freuen.

Beim letzten Fachkongress der American Society for Clinical Oncology, der weltweit bedeutendsten Plattform der Krebsmedizin, ließen vor allem auch mittelgroße und kleinere Unternehmen wie Mirati Therapeuthics aus den USA aufhorchen5. Das beschäftigt sich mit sogenannten Kinase-Inhibitoren – Wirkstoffen, die bestimmte Enzyme blockieren, die das Wachstum von Krebszellen auslösen. In Kürze wird dazu eine klinische Lungenkrebs-Studie beginnen. Mirati war auch das erste Unternehmen, dem es gelang, einen Wirkstoff zu entwickeln, der KRAS hemmt – ein Protein, das in mutierter Form eine Schlüsselrolle bei der unkontrollierten Vermehrung von Tumorzellen spielt. Erste klinische Daten dazu werden noch dieses Jahr erwartet.

HighTech – High Volatility
Biotech-Unternehmen benötigen häufig – bevor die Performance stimmt – lange und kostenintensive Produktentwicklungsphasen, in denen oft auch Verluste auftreten. Das erklärt unter anderem die starke Schwankungsbreite der Aktienkurse der börsennotierten Life Science-Vertreter.

Quellen: boerse.ard (1), wikipedia.de (2), blog.de.erste-am.com (3), biotechnologie.de (4), e-fundresearch.com (5), statista.de (6), Life Science Report Austria 2018 (7)

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