KMU-Studie Vorarlberg 2024:

KMU-Studie Vorarlberg 2024:
Heimischer Mittelstand trotzt
herausforderndem Umfeld

99,8 Prozent der Vorarlberger Betriebe sind Klein- und Mittelunternehmen - kurz KMU. Sie beschäftigen fast 70 Prozent der Arbeitnehmer:innen im Ländle (Quelle: WKO). Das aktuelle Wirtschaftsumfeld stellt die heimischen KMU allerdings vor zahlreiche Herausforderungen. Trotzdem blickt der überwiegende Teil von ihnen optimistisch in die Zukunft. Das zeigt eine repräsentative IMAS-Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.

Zwei von drei heimischen Klein- und Mittelunternehmen (65 %) blicken optimistisch in die nahe Zukunft. 2022 waren es allerdings noch 81 Prozent, 2020 80 Prozent. Das ist für die Vorarlberger Sparkassen wenig überraschend, weil die Unternehmen die Nachwirkungen der Krisen der vergangenen Jahre spüren. In Kombination mit dem Arbeitskräftemangel stellt das viele vor Herausforderungen. Tatsächlich geben 68 Prozent der befragten Unternehmen an, dass das Marktumfeld für ihr Unternehmen in den letzten zwei bis drei Jahren schwieriger geworden sei. Als Hauptgründe werden Preissteigerungen, erhöhte Online-Konkurrenz sowie damit einhergehender Preisdruck, die schlechte Auftragslage und der Arbeitskräftemangel genannt. Für rund ein Drittel der Vorarlberger Klein- und Mittelbetriebe (29 %) ist das Marktumfeld hingegen vergleichbar geblieben, drei Prozent sehen eine positive Entwicklung.

Gut kapitalisiert für die Aufgaben von morgen
Mit Blick in die Zukunft gehen 86 Prozent der Vorarlberger KMU davon aus, von steigenden regulatorischen Anforderungen und Bürokratie betroffen zu sein. Mehr als ein Drittel (64 %) sieht sich auch in Zukunft durch Arbeits- und Fachkräftemangel beeinträchtigt. Herausforderungen orten die Betriebe auch weiterhin in den gestiegenen Finanzierungskosten. Zumindest in dieser Hinsicht hoffen die Vorarlberger Sparkassen auf baldige Besserung: Es wird in der Juni-Sitzung der EZB eine erste Zinssenkung und – abhängig von der Inflationsentwicklung – weitere Zinssenkungen in diesem Jahr erwartet. Darüber hinaus geben 66 Prozent der Befragten Digitalisierung als Herausforderung für die nächsten zwei bis drei Jahre an.

Dem abgekühlten Wirtschaftsumfelds und vielfältigen Herausforderungen zum Trotz bleibt der Mittelstand dank seiner guten Eigenkapitalausstattung resilient. Auch in Vorarlberg konnten viele Unternehmen während der letzten Jahre ihre Kapitalbasis nachhaltig stärken und stehen heute auf sehr gesunden Beinen. Das macht sie einerseits widerstandsfähiger und ermöglicht andererseits Investitionen in ihre Zukunft. Dies unterstreichen auch Daten von Statista: Über die letzten zehn Jahre ist der Anteil der österreichischen KMU mit einem Eigenkapitalanteil von über 30 Prozent von 33 auf 39 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl jener, die über weniger als 10 Prozent Eigenmittel verfügen von 22 auf 19 Prozent zurückgegangen.

Dauerbrenner Digitalisierung
Spätestens mit der Pandemie rangiert Digitalisierung auf der Prioritätenliste der Vorarlberger Unternehmen ganz weit oben. Noch im Jahr 2017 hielten 74 Prozent das Thema für „wichtig“ oder „ziemlich wichtig“. Jetzt räumen ihm bereits 80 Prozent hohe Priorität ein. Laut Umfrage hat bereits jedes vierte KMU in Vorarlberg KI im Einsatz hat. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten reichen hier von maschineller Übersetzung oder vorausschauender Wartung über Roboter in der Produktion bis hin zu Kundendienst-Chatbots.

Financial Health Prototype
Auch die Sparkassen haben KI-Anwendungen im Einsatz. Unter anderem können Unternehmenskunden das Online Banking George Business mit Yokoy erweitern, einer KI-gesteuerten Komplettlösung für das Ausgabenmanagement in mittelständischen Unternehmen. Ein anderes Beispiel: Der Financial Health Prototype wurde als Finanz-KI zur spielerischen und leicht verständlichen Vermittlung von Finanzwissen entwickelt. Es kommt ein hoch entwickelter, textbasierter Chatbot zum Einsatz, der natürliche Sprache nutzt. Dafür wurden Inhalte aus sämtlichen Webseiten, Publikationen und Wissensunterlagen der Bankengruppe in eine digitale Wissensdatenbank eingespeist und als Grundlage herangezogen. Die Datenbank umfasst über 3.400 Einträge, die mit KI-Technologie von OpenAI und ChatGPT einfach zugänglich wurden. Konversationen aus dem Financial Health Prototype werden von der Bankengruppe inhaltlich nicht ausgewertet. Die Finanz-KI ist nicht mit dem Bankensystem verbunden, Kundendaten werden darin also nicht verarbeitet.

Sicherheit hat Vorrang
Die fortschreitende Digitalisierung bringt mit sich, dass auch KMUs immer häufiger ins Visier von Cyberkriminellen geraten. Die Vorarlberger Sparkassen warnen deshalb, die Gefahren nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Hacker schlagen nämlich unabhängig von der Unternehmensgröße zu. Es wird vor allem auch die Sensibilisierung der Mitarbeitenden empfohlen, die durch richtiges Verhalten Schaden abwenden können.